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Malen von Ikonen ist ein meditativer Akt

Seelze Malen von Ikonen ist ein meditativer Akt

Farben sind ebenso festgelegt wie Gesten, Frisuren und Körperhaltungen. Wer Ikonen malen will, muss viele Regeln beachten. Für Pastor Matthias Hoyer ist die Schaffung von Ikonen ein meditativer Akt, der letztlich den gleichen spirituellen Ursprung hat wie die von ihm praktizierte Sitz-Meditation.

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Meditative Arbeit: Pastor Matthias Hoyer malt Ikonen.

Quelle: Thomas Tschörner

Lohnde. Zu Ikonen ist der Lohnde wohnende Geistliche auf zwei Wegen gekommen. Bei einer Ausstellung mit den religiösen Bildern in der St. Martinskirche in Seelze habe er festgestellt, dass die eine erlernbare Kunst ist. Der andere Zugang sei die von ihm praktizierte Meditationsmethode des Herzensgebets gewesen, das wie die Ikonen aus der orthodoxen Kirche komme. "Dass dieselbe Kirche beides hervorgebracht hat, hat mich interessiert." Hoyer belegte seinen ersten Kurs in Ikonenmalerei 2004 und schuf als erstes einen Christus. Bei einem zweiten Kurs im Folgejahr malte er dann die Gottesmutter Maria.

Mit Kunst hatte der Theologe bis dahin nicht allzu viel zu tun. "Als Jugendlicher habe ich schon mal gemalt, aber das war nicht wirklich bedeutsam." Hoyer sieht im Malen von Ikonen mehr eine handwerkliche Kunst. "An sich ist es ein Kopierverfahren." Denn es gebe einen festgelegten Kanon an möglichen Motiven. Alles müsse stimmen: Die Symbolik, die Farben, Gestik und Körperhaltung. "Alles hat in Ikonen eine Bedeutung." Abweichungen seien nicht zulässig. So müsse Jesus immer braune Haare und braune Augen sowie eine bestimmte Frisur und Bart haben. Blau symbolisiere den Himmel, Gold die Unendlichkeit oder Ewigkeit. Das Gesicht von Jesus sei seit dem 6. Jahrhundert praktisch unverändert und stamme aus einer legendären Vorlage, ebenso das Gesicht der Maria, die angeblich von dem Evangelisten Lukas genauso dargestellt worden sei. Weitere Motive seien Heilige der Ostkirche, Engel sowie Szenen aus dem Leben Jesu. Jede Ikone wird zudem entweder mit griechischen oder russischen Buchstaben beschriftet. Und wer es genau nimmt, lässt sie auch von einem Priester weihen. "Das ist aber nicht meine Tradition", sagt der evangelische Pastor.

Gemalt wird auf Holz in unterschiedlichen Formaten. Auch dabei ist eine Reihenfolge einzuhalten, gearbeitet wird von dunkel zu hell. Um den richtigen Farbton zu erzielen, wird eine Fläche oft etliche Male mit Ei-Temperafarben ausgemalt. Dieses recht enge Korsett - Hoyer spricht von Leitplanken - schließen für den Geistlichen den Kreis zur Meditation, wo er still sitzt, auf den Atem achtet und ein immer wiederkehrendes Wort spricht. Und wie in der Meditation fließt es manchmal, während es ein anderes Mal nicht recht voran geht.

Derzeit hat der in St. Martin tätige Hoyer die 16. Ikone in Arbeit, mit der er 2012 begonnen hat. "Es braucht Zeit." Mal schnell für eine halbe Stunde etwas schaffen zu wollen, mache keinen Sinn.

Von Thomas Tschörner

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