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Quer durchs Land auf Bahn-Tour

Seelze Quer durchs Land auf Bahn-Tour

Mit dem Deutschland-Pass auf Deutschland-Tour: Mitarbeiter Wolfgang Rogl hat das Angebot der Deutschen Bahn vier Wochen lang ausprobiert und seine Erfahrungen aufgeschrieben.

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Rogl auf Reisen: Bereits in den Sechzigerjahren hat Bahn-Experte Wolfgang Rogl das Verkehrsmittel unter die Lupe genommen.

Quelle: privat

Seelze. Ausgangspunkt für alle Touren mit dem Pass 2015 war für den Zeitraum 10. Juli bis 9. August der S-Bahn-Halt Letter. Es empfahl sich, vor der meist in den Morgenstunden beginnenden Tour, schon mal am Vorabend im Internet nachzuschauen, ob da irgendwelche Baustellen den Fahrplan beeinträchtigen könnten. Auch dann ist man vor Überraschungen aber nicht sicher. Pannen gibt es schließlich überall, besonders aber bei der Bahn. Wobei man wissen muss, dass die Bahn einen Zug auch dann noch als pünktlich bezeichnet, wenn er sechs Minuten Verspätung hat. Kommt also die S-Bahn von Minden oder Nienburg mit dieser Verspätung an, wird ein planmäßiger Übergang auf den Anschlusszug in Hannover von zehn Minuten schon zum Problem, wenn man das Gleis wechseln muss.

Gerade in Hannover ist für den ICE-Verkehr ein technischer Schwachpunkt, dass Züge aus und nach Hamburg und Bremen dort zusammengekuppelt werden. Was klappt, ist die Bedienung mit aktuellen Tageszeitungen und meist auch mit dem Flyer „Ihr Reiseplan“, dem die Fahrzeiten der Unterwegsbahnhöfe und der Bahnsteig fürs Umsteigen zu entnehmen sind. Aktuelle Durchsagen gibt das meist sehr freundliche Zugpersonal durch. Das erhält aber oft auch keine oder unvollkommene Informationen - und sagt schon einmal an, dass in Oldenburg der Anschluss nach Wilhelmshaven klappt, während tatsächlich der Zug nach Oldenburg gerade schon draußen am Fenster vorbeifährt.

Auch bei der abendlichen Heimkehr mit Umsteigen in Hannover ist das Abenteuer Bahnfahren längst nicht vorbei. Denn auch die S-Bahn, die ja im Halbstundentakt und an Werktagen zur Spitzenzeit noch mit der schnellen S-Bahn ohne Halt bis Letter fährt, ist vor Verspätungen nicht gefeit. Da kann schon mal eine Stunde Umsteigezeit vorkommen, weil die schnelle S-Bahn ganz ausfällt, und die beiden anderen Linien total aus dem Takt gefallen sind.

Sitzt man im ICE und rollt mit bis zu Tempo 300, dann kann das entspannend sein. Wobei die Schnellfahrstrecke von Hannover nach Würzburg mit ihren 61 Tunneln eher einer U-Bahn gleicht und für empfindliche Ohren wegen des Drucks Probleme machen kann. Zum Abschied kommt in der 1. Klasse ein uniformierter Helfer mit einem Tablett und Tütchen, in denen sich Süßes befindet. Die Zeitungen darf man mit nach Hause nehmen. Und in den Lounges, von denen es eine in Hannover gibt, liegen auch die örtlichen Blätter zum Lesen leihweise aus. Das versöhnt mit manchen Unannehmlichkeiten und auch zweistündigen Verspätungen. Vor denen ist nicht einmal der zuschlagpflichtige ICE-Sprinter gefeit, der von Hannover nach Frankfurt durchfährt und trotzdem am Reisetag eine Stunde später dort eintrifft. Dann gibt es auf Antrag den Sprinter-Zuschlag von 11,50 Euro zurück - wenn man Glück hat.

Von Wolfgang Rogl

Exttra-Text: Mit Karte in die Welt hinaus

In den Sechzigerjahren, als es noch die Deutsche Bundesbahn gab, konnte man auch schon Touren durch die Bundesrepublik machen – natürlich nicht in die real existierende DDR. Für Reiselustige standen Netzkarten mit Teilnetzen und dem Gesamt-DB-Netz zur Verfügung, und für junge Leute gab es auch damals schon eine kostengünstige Version mit der Bezeichnung „Tramper-Monatsticket“. Dazu konnte auch noch eine Karte für europaweites Bahnfahren erworben werden, der politischen Lage wegen natürlich wesentlich auf Westeuropa beschränkt. Es gab ja noch den Ostblock. Damals rollten noch längst keine IC oder ICE und nicht einmal TEE – wohl aber Fernzüge über lange Distanzen als FD, Fernschnellzug, D-Zug oder Eilzug. Und die waren langsamer als heutige ICE, versteht sich. Wobei es Langläufe von Eilzügen beispielsweise von Westerland nach Luxemburg gab, die sogar einen Speisewagen führten. Körperpflege im Zug Die Netzkarten galten nur bei der DB. Wollte man in einer großen Stadt mit der Straßenbahn weiterfahren, musste man dort neu lösen – genauso bei den zahlreichen Privatbahnen, die Personenverkehr auf der Schiene betrieben. Junge Leute reisten meist gern in Gruppen und schliefen in gewöhnlichen Sechserabteilen auf ihren Sitzen. War der Zug nicht stark besetzt, konnte man die gegenüberliegenden Sitze zusammenschieben und hatte so fast Liegewagen-Schlafkomfort. Ansonsten musste ein Liegewagenplatz zusätzlich bezahlt werden. Körperpflege im Zug war auch beschränkt möglich, da neben den Toiletten noch ein kleines Kabuff mit Rasierer-Steckeranschluss und Wasser vorhanden war. So lernte man die Welt kennen und versorgte sich mit preiswertem Imbiss entweder aus dem Rucksack oder im Schnellimbiss im Bahnhof.

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