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Rachid Bako kann seine Familie wieder umarmen

Kirchwehren Rachid Bako kann seine Familie wieder umarmen

Ein Flug von Istanbul nach Hannover - für Niores Saeido und ihre zwei Kinder hatte er eine besondere Bedeutung: Sie konnten die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien hinter sich lassen. In Kirchwehren haben sie ein neues Leben mit Ehemann und Vater Rachid Bako begonnen, der bereits vor eineinhalb Jahren geflüchtet war.

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Rachid Bako, seine Frau Niores sowie die Kinder Rosel (links) und Linda leben in Kirchwehren in der Wohnung von Eija Schrage (rechts).

Quelle: Treeske Hönemann

Seelze. „Am Flughafen Langenhagen flossen bei allen die Tränen. Die Kinder sind glücklicherweise nicht traumatisiert. Sie haben sich gefreut, den Papa wiederzusehen und gleich festgestellt, dass er abgenommen hat“, erzählt Hayet Bako, die Schwester des 34-jährigen Rachid. Sie lebt schon seit 15 Jahren in Deutschland. Im Oktober 2013 hatte sie Rachid und einen jüngeren Bruder in die Arme schließen können. Das Duo war mithilfe eines Schleppers aus der syrischen Stadt Aleppo entkommen. Im türkischen Izmir fielen die kurdischen Brüder islamistischen Kämpfern in die Hände. Ihr Auto wurde verbrannt, sie entkamen nur knapp. 90 Tage dauerte ihre Flucht.

Im Auto waren die Papiere der Familie. Rachid Bako hatte voller Sorge seine Ehefrau Niores Saeido, die Kinder Rosel (5) und Linda (8) sowie die Eltern und weitere Verwandte in Syrien zurücklassen müssen. Die Familie Bako hatte es mit dem Verkauf von Olivenöl zu Wohlstand gebracht. Geblieben ist nicht viel. Immerhin reichte es zur Flucht nach Istanbul. Dort lebten Niores, ihre Eltern und ihre beiden Kinder in einer Zweizimmerwohnung. Sie arbeitete als Schneiderin.

Von Kirchwehren aus schalteten Hayet Bako und ihr Bruder Rachid einen kurdischen Anwalt ein, der sich darauf spezialisiert hat, Dokumente von Flüchtlingen bei Botschaften und Behörden zu beschaffen. Rachid Bako hatte als anerkannter Asylbewerber mit einer Aufenthaltserlaubnis von drei Jahren das Recht, seine Familie nach Deutschland zu holen. Die Zusammenführung gelang vor elf Tagen. Das freut viele. Die städtische Integrationsbeauftragte Maria Baumeister zum Beispiel. Die Integrationslotsin Ursula Nettelmann, die Rachid Bako beim Deutschlernen hilft. Und auch Eija Schrage. Ihr gehört das Haus in Kirchwehren. „Ich habe damals an Rachid Bako vermietet - gegen den Widerstand anderer Mieter. Sie drohten mit Auszug. Später haben sie sich bei mir entschuldigt“, berichtet sie. Die Bakos werden gemocht. Der Vater arbeitet stundenweise als Automechaniker in Neustadt. Tochter Rosel wird den Kindergarten in Kirchwehren besuchen. Linda kommt in die Sprachlernklasse der Regenbogenschule. „Es ist schön, ihnen wieder beim Spielen zuzusehen“, sagt Rachid. Es sind glückliche Momente.

Doch die Sorge um die Verwandten in der Heimat liegt allen auf der Seele. Der Kontakt ist schwierig. Erst kürzlich ist ein anderer Bruder beim Grenzübertritt zur Türkei erschossen worden.

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Von Redakteur Treeske Hönemann

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