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Steinmetz rettet Spitze vor dem Bauschutt

Seelze Steinmetz rettet Spitze vor dem Bauschutt

Steinmetzmeister Oliver Schneider hat die Originalspitze des Obentrautdenkmals vor dem Schuttplatz bewahrt. Bei der Restaurierung des Denkmals vor gut zehn Jahren sei die Spitze als Bauschutt eingestuft worden, niemand habe Interesse gehabt. "Da habe ich sie erstmal sichergestellt", sagt Schneider.

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Steinmetzmeister Oliver Schneider hat die Originalspitze des Obentrautdenkmals vor dem Schuttplatz gerettet.

Quelle: Thomas Tschörner

Seelze. Ende 2005 war die Renovierung des Obentrautdenkmals an der Hannoverschen Straße abgeschlossen, die im Wesentlichen dem 2001 gegründeten Förderkreis Obentrautdenkmal zu verdanken war. Nicht nur die Witterung hatte dem Denkmal zu schaffen gemacht, sondern auch im Zweiten Weltkrieg verursachte Schäden. So wurde etwa das Kreuz an der Spitze der Sandsteinpyramide zerstört und nach Kriegsende notdürftig durch eine schlichtere Variante ersetzt. Der Förderkreis mit Steinmetzmeister Oliver Schneider als Vorsitzenden brachte damals mit Spenden den Großteil der rund 14.000 Euro auf, die die Sanierung kostete.

Bei den Vorarbeiten habe sich herausgestellt, dass die Stadt Seelze gar nicht der Eigentümer des Denkmals ist, sondern das Land, berichtet Schneider. Am Ende der Arbeiten, zu denen auch die Erneuerung der Spitze gehörte, sei die Originalspitze unter dem Bauschutt gewesen. Interesse habe in Seelze keiner gehabt. Schneider brachte es aber nicht übers Herz, das historische Bauteil einfach auf den Schuttplatz bringen zu lassen. Das Heimatmuseum habe abgewunken. Also stellte Schneider die Spitze dem Restaurant Bürgerstuben für das dortige Obentrautzimmer zur Verfügung, bis das Endstück letztlich wieder bei ihm landete. Der Steinmetzmeister, der sich berufsbegleitgend zum Restaurator im Handwerk weitergebildet hat, ließ eine kleine Metallgitterpyramide fertigen - mit den Originalsteinen als Spitze. Geplant ist, das Metall vollständig mit Efeu zu beranken.

"Ich bin mit Seelze verbunden", sagt Schneider. Deshalb habe er es auch nicht ertragen, dass das zuletzt in einer abgebrochen Garage verbaute Wappen der Familie von Hugo auf dem Schrott landet. Gleiches gilt für den verwitterten Grabstein der jüdischen Familie Willner, den Schneider durch einen neuen ersetzt hatte. "Das sind alles Stücke Seelzer Geschichte", sagt der Steinmetzmeister.

Michael von Obentraut: Der am 2. Oktober 1574 in Heddesheim bei Kreuznach geborene Michael Obentraut war von Haus aus Calvinist und beginnt zunächst ein Jurastudium, bevor er sich dem Kriegsdienst zuwendet. Bereits als 18-Jähriger erwirbt er 1592 ein Leutnantspatent. Im Dreißigjährigen Krieg kämpft Obentraut auf protestantischer Seite und gilt bald als geschickter Offizier. Angeblich sollen spanische Söldner, gegen die er im Winter 1620/21 einen Kleinkrieg führte, ihn respektvoll als "Miguel Aleman" (Deutscher Michel) bezeichnet haben. Im Juli 1625 trat er in das Heer des Dänenkönigs Christian IV. ein. Als Generalleutnant bei der Kavallerie war Obentraut zwischen Hannover und Nienburg zunächst erfolgreich, bis sich das Kriegsglück wendete und er in Seelze tödlich verwundet wurde. Er starb am 25. Oktober 1625. Sein Denkmal wurde 1630 von dem Bildhauer Jeremias Sutel auf dem Schlachtfeld errichtet. Informationen über Obentraut gibt es auf seelze.de/seelze/wissenswert/stadtgeschichte/michael-von-obentraut/

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Von Thomas Tschörner

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