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Schiedsmann möchte Frieden stiften

Seelze Schiedsmann möchte Frieden stiften

Schiedsmann Florian Nötzel versucht Streitigkeiten von Seelzern ohne Gerichtsverfahren zu klären. Damit ist der 33-Jährige erfolgreich.Im Mai wurde er für eine zweite Amtszeit für weitere fünf Jahre vom Rat der Stadt Seelze bestätigt.

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Viele Streitigkeiten haben schon eine lange Vorgeschichte, weiß Florian Nötzel. Er wurde Anfang Mai für eine zweite Amtszeit als Seelzes Schiedsmann gewählt.

Quelle: PATRICIA CHADDE

Seelze. Das Amt des Schiedsmannes wurde eingeführt, um die Amtsgerichte von Zwistigkeiten  wie Nachbarschaftstsreitigkeiten zu entlasten. Denn mehrere hundert Fälle jährlich, die für die Betroffenen einen hohen Stellenwert haben, aber nicht immer von großem öffentlichen Interesse sind, belasteten die Amtsgerichte. "Wenn ich helfen kann, freut mich das" sagt Schiedsmann Florian Nötzel, der jedem gegenüber freundlich und aufgeschlossen ist. "Wir treffen uns nach Terminabsprache in meinem Partykeller", beschreibt er das übliche Prozedere. Außerdem bekommt jeder Gast ein Glas Wasser. Themen, die für Zwietracht sorgen, scheinen keine besondere Bedeutung zu haben, wenn man die Angelegenheit aus der Entfernung betrachten kann. "Für die zerstrittenen Parteien hängt aber mehr dran", weiß Nötzel. Wer bei ihm zu einem Schiedsgespräch kommt, "liegt nicht erst seit gestern mit dem Kontrahenten über Kreuz, sondern der Konflikt schwelt schon länger. Manchmal sogar schon seit Jahrzehnten, bis dann irgendeinem der Kragen platzt", so die Erfahrung aus seinen ersten fünf Jahren als Schiedsmann.

Zu hohe oder ungepflegte Zäune, in den Nachbargarten ragende Äste, zu viel Baumschatten, herüber wehende Laubmengen – das sind in etwa die Themen, über die sich Grundstücksnachbarn nicht immer im Dialog verständigen können. "Da spielen Ehre, Stolz, Rechthaberei und Kränkung eine Rolle", beschreibt Florian Nötzel den Erhalt des Selbstwertgefühls.

Wer diese Aufzählung jetzt ein bisschen kindisch finden mag, kann sich an die eigene, letzte Autofahrt erinnern. "Manchmal hat man Leute neben sich, mit denen man ohne nachzudenken in Konkurrenz geht, denen man es bis zur nächsten Ampel mal zeigen will", weiß Nötzel aus eigenem Erleben. Er nimmt die Menschen ernst, die zu ihm kommen, und hat noch einen besonderen Joker: "Wer Kompromisse schließt, kann meistens mehr Freiraum nutzen, als wenn man die gesetzlichen Vorgaben einklagt, die Pflanzabstand und Zaunhöhe klar regeln", so Florian Nötzel. Mancher kann die Chance erkennen und handelt mit seinem Nachbarn einen Vertrag schriftlich aus, die in einer sogenannten Baulasteintragung mündet. "Damit kann es beiden Parteien anschließend besser gehen", so Florian Nötzels Erfahrung. "Andere wollen dagegen nur den Beratungsschein vom Schiedsmann – "die möchten partout ein Urteil", weiß der Seelzer. Denn ist erst einmal ein Anwalt mit von der Partie, ist eine Einigung beim Schiedsmann eher unwahrscheinlich - jedenfalls hat Florian Nötzel es selbst noch nicht erlebt. "Nach dem Gespräch schreibe ich ein Protokoll, das Ergebnis wird beiden Parteien ausgehändigt. Ausgehandelte Ersatzvornahmen, falls sich an den Kompromiss doch nicht gehalten wird, sind dann 30 Jahre vollstreckbar", beschreibt Nötzel das Verfahren. Wie sehr einem Nachbarn das leben vergällen können, hat er übrigens selbst schon erlebt. "Damals half aber kein Schiedsmann, sondern ein Umzug", erinnert sich der 33-Jährige.

Die Schiedsleute

Niedersächsische Kommunen sind verpflichtet, Schiedsleute zu bestellen, die jeweils für fünf Jahre gewählt werden. Die Kosten für Fortbildung und Bücher der Schiedsleute trägt die Kommune, ansonsten wird das Amt ehrenamtlich wahrgenommen. Seelze hat insgesamt fünf Schiedsleute, Florian Nötzel ist für Seelze und Seelze-Süd zuständig. Auch Letter hat einen eigenen Schiedsmann, während die weiteren Seelzer Ortschaften unter drei Schiedsleuten aufgeteilt wurden. Während bei Florian Nötzel jährlich fünf bis zehn Fälle zu klären sind, ähnlich wie in Letter, hat man in den kleineren Ortschaften entweder mehr Platz, weniger Streit oder andere Schlichtungsformen. Da kommen die Schiedsleute durchschnittlich auf ein bis zwei Fälle im Jahr. 80 bis 90 Prozent der Konflikte, die bei den Schiedsleuten zur Klärung landen, betreffen Nachbarschaftsstreitigkeiten.

Von Patricia Chadde

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