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Sucher findet Kugeln, Knöpfe und Münzen

Seelze Sucher findet Kugeln, Knöpfe und Münzen

Schlachtfeldarchäologie: Olaf Stolze hat sich auf die Spuren von Michael von Obentraut begeben und historische Überbleibsel zutage gefördert.

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Mit Sonde und Spaten: Olaf Stolze demonstriert eine Suche im Gelände.

Quelle: Thomas Tschörner

Seelze. Bleikugeln von Pistolen und Musketen, Knöpfe, Münzen und Gürtelschließen sind die Ausbeute einer Untersuchung des Schlachtfeldes bei Seelze, auf dem im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) Michael von Obentraut am 25. Oktober 1625 tödlich verwundet worden ist. Angesichts des sich in diesem Jahr nähernden 390. Jahrestages der Schlacht, hat der Wunstorfer Olaf Stolze das Gelände bei Seelze in mühsamer Kleinarbeit mit einer Sonde abgesucht. „Mein Hobby ist die Schlachtfeldarchäologie“, sagt der 56-Jährige. Stolze sucht aber nicht illegal, er hat seine ehrenamtliche Arbeit in den Dienst der Wissenschaft gestellt und die entsprechenden Genehmigungen eingeholt (siehe Kasten unten). Allerdings ist das Schlachtfeld in Seelze heute nicht mehr ausschließlich durch Landwirtschaft geprägt. Der größte Teil ist durch Wohnhäuser versiegelt, weitere Zeugnisse seien sicher durch den Bau von Stichkanal und Rangierbahnhof verloren gegangen.

Mit seinem Metallsuchgerät kann Stolze Münzen bis zu einer Tiefe von 20 Zentimeter aufspüren, größere Objekte auch in 30 bis 35 Zentimeter. „Im Prinzip ist Spatenstichtiefe das Maximum“, nennt er als Faustregel. Gleichzeitig räumt er ein, dass viel vom Zufall abhängig sei. Und: „Reich wird dabei keiner.“ Über Schatzfunde würde zwar immer wieder mal in der Presse berichtet, Tausende von leer ausgehenden Suchern fänden aber keine Erwähnung. „Das Interesse an Geschichte steht im Mittelpunkt“, sagt der Frührentner. Wenn er etwas findet, was jemand vor 400 Jahren verloren hat, versuche er sich die Situation vorzustellen. „Das ist das Spannende.“

Südlich der Bundesstraße 441 hat sich Stolze auf abgeernteten Äckern auf die Suche gemacht und einiges gefunden. Nicht alle Stücke stammen aus dem Dreißigjährigen Krieg. Einiges war aus dem Mittelalter dabei, vieles auch aus späteren Jahrhunderten bis zur Gegenwart. Für Stolze nicht überraschend. Tote seien auf Schlachtfeldern früher bis aufs Hemd ausgeplündert worden, die Bevölkerung der Umgebung habe sich alles Brauchbare gesucht. Deshalb seien die meisten Fundstücke wie Münzen und Uniformknöpfe aus der Kaiserzeit neueren Datums. Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hat Stolze zwei Münzen, Knöpfe, Gürtelschnallen und zahlreiche Bleikugeln gefunden. Stets sei Geduld vonnöten: „Auf einen brauchbaren Fund kommen 20 Teile Schrott.“

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