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Syrische Flüchtlinge hoffen auf morgen

Letter Syrische Flüchtlinge hoffen auf morgen

Die syrische Familie Yacoub wartet auf morgen. Morgen kann tatsächlich morgen sein oder eben irgendein Tag in absehbarer Zeit oder weiter Ferne. Auf morgen zu warten tröstet alle wenigstens ein bisschen und macht Hoffnung, nicht wieder in ein tiefes Loch zu fallen.

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Warten auf die Ehefrau und Mutter: Emad Yacoub (von links) mit Aland sowie Halil Yacoub mit seiner Nichte Rosel haben nur am Telefon Kontakt zu Samira Yacoub.

Quelle: Treeske Hönemann

Seelze. Emad Yacoub befand sich darin über Monate. Die Kinder des 36-jährigen Lehrers für Arabisch, Rosel (3) und ihr Bruder Aland (5) sind im Laufe der Zeit dagegen etwas ruhiger geworden und nicht mehr so aggressiv beim Spielen. Sie vermissen ihre Mama. Samira Yacoub (37) ist mit ihren noch nicht einmal ein Jahr alten Zwillingen Sandi und Avant sowie Omid (7) in einem Flüchtlingslager im Irak gestrandet. Emad Yacoub ist seit ein paar Wochen anerkannter Asylbewerber. Er darf seine Frau im Rahmen der Familienzusammenführung nach Seelze holen. Bloß wie? „Wir benötigen die Hilfe eines Schleusers“, sagt Emad Yacoubs jüngster Bruder Halil.

Der 19-Jährige kam als Minderjähriger nach Seelze und besucht eine Schule. „Alles wird gut“, sagt er ständig seinem Bruder Emad. Die Yacoubs sind eine große kurdische Familie. Der Krieg in Syrien hat sie in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Familienmitglieder leben in der Türkei, im Irak, in Deutschland. Emad Yacoub hat seine Frau an dem Tag aus den Augen verloren, als er mit Rosel und Aland seinen Vater besuchte. Seine Frau wiederum machte sich mit den anderen drei Kindern auf den Weg zu ihrer Mutter. Während der Abwesenheit stürmte die Terrorgruppe Islamischer Staat das Dorf der Familie.

Halil Yacoub holte seinen Bruder und die zwei Kinder nach Seelze. Wo Samira Yacoub abgeblieben war, blieb lange unklar. Halil Yacoub kennt viele Leute, hat Freunde. Er telefonierte viel herum. Schließlich die gute Nachricht: Samira Yacoub war mit zwei anderen Familien in das Lager im Kurdengebiet im Irak geflüchtet. Jeden Tag telefonieren die Yacoubs jetzt miteinander.

Halil Yacoub darf nicht ins irakische Kurdengebiet hinein. Seine Schwägerin braucht jemanden, der sie bis zur syrischen Grenze bringt. Dort können ihre Eltern sie über Damaskus bis zur libanesischen Grenze eskortieren. Eine gefährliche Reise, erst recht mit kleinen Kindern. „Aber nur aus dem Libanon heraus können wir sie nach Deutschland holen“, weiß Halil Yacoub.

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Von Redakteur Treeske Hönemann

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