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Der Wald ist das Reich der Wurzelzwerge

Seelze Der Wald ist das Reich der Wurzelzwerge

Seelzes Waldkindergarten-Kinder heißen "Wurzelzwerge". Die Jungen und Mädchen haben ein 400 Quadratmeter großes Spielgelände im Wald von Velber. Naturbeobachtung, viel Raum für phantasievolle Spiele und der Wechsel der Jahreszeiten prägen das pädagogische Konzept.

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Die Erzieherinnen Jennifer Weiberg (links) und Patricia Damm (rechts) möchten den drei- sechsjährigen Wurzelzwergen lebenspraktische Erfahrungen vermitteln.

Quelle: Patricia Chadde

Velber. Für Patricia Damm, die sich auf die Stelle im Seelzer Waldkindergarten beworben hat, ist es der Traumjob. Während die meisten Menschen über fließend Wasser und Zentralheizung gar nicht nachdenken, gehört es zum Konzept der "Wurzelzwerge", auf diesen zivilisatorischen Luxus einige Stunden am Tag zu verzichten. Das schärft die Sinne der jungen Naturbeobachter, die nach einem erlebnisreichen Tag um 13 Uhr ganz entspannt sind, wenn sie wieder abgeholt werden. "Kein Wunder," wie Erzierherin Jennifer Weiberg findet: "Unsere drei- bis sechsjährigen Waldkindergarten-Besucher können ihren Bewegungsdrang voll ausleben, während die kindliche Neugier in der Natur manches Abenteuer entdeckt."

Rund 900 Meter liegen zwischen dem Basislager in Velbers "Feuerwache" und den beiden Bauwagen im Wald, wo die 15-köpfige Gruppe ein abwechslungsreiches, 400 Quadratmeter großes Gelände zum Toben, Forschen, Beobachten und Spielen nutzen kann. Schon der Weg dorthin ist spannend: die Kinder werden ab 7.30 Uhr betreut und ziehen gegen 8.30 Uhr wetterfest gekleidet und mit eigenem Rucksack los. Wenn Jakob einen großen Ast aus dem Graben ziehen oder Franziska einen Glitzerstern von der Erde klauben möchte, ist das kein Problem. "Die Zeit dafür haben wir", so Patricia Damm. Wer schneller unterwegs war, wartet am Haltepunkt, bis die Gruppe wieder vollzählig ist. Erst dann setzten sich die Wurzelzwerge wieder in Bewegung.

Auf der Brücke, die über einen kleinen Bachlauf führt, sind die Kinder besonders leise und werden für ihr anschleichen mit einem seltenen Anblick belohnt. Der scheue Graureiher fischt nur wenige Meter vor ihnen im klaren Wasser nach Nahrung. Niklas (3), der erst den fünften Tag im Waldkindergarten ist, entdeckt dagegen das Himmelsgestirn, das sich gerade durch die Wolken kämpft. "Da ist die Sonne", berichtet er Jennifer Weiberg von seiner Beobachtung und fügt hinzu: "Sie ist ganz allein da oben".

Da unten im Wald ist dagegen mächtig Trubel. Erst werden die Rucksäcke an Haken gehängt, dann die Kiste mit Sandspielzeug geöffnet. "Kein Frost", stellt Nella (4) fachkundig fest und weiß: "jetzt lässt sich besser buddeln". Finn (5), der gerne sägt und hämmert, fegt erst mal das Laub vor dem Bauwagen-Eingang weg, während Franziska (4) den Nussknacker such, um die selbst gesammelte Nüsse zu knacken. "Wir benennen alles", erklärt Jennifer Weiberg. Daher wissen schon die Jüngsten, dass die Wal- und Haselnüsse in Velber wachsen, während Erdnüsse einen sehr weiten Weg bis in den Waldkindergarten haben.

Wenige Minuten nach der Ankunft, hat jeder Wurzelzwerg eine Beschäftigung, die er mit Konzentration und Interesse verfolgt. Die niederigen, einstelligen Temperaturen und der Nieselregen sind kein Thema, offenen Auges geht es über das Spielgelände. Nur manchmal kommt Frust auf, wenn die Kinder etwas aufheben wollen und der Handschuh das Greifen erschwert. "Dann geben wir einen Tipp und schon kann es ohne Handschuh feinmotorisch weitergehen", erklärt Patricia Damm.

Denn die Wurzelzwerge sind nicht nur wetterfest, sondern auch große Selbermacher. Ob Frühstück oder Bild aus Naturmaterialien - hier wird nichts fertiges geliefert, sondern alles vom Anfang bis zum Ende selbst gemacht. Geduld zeichnet die Wurzelzwerge aus. Und eine gute Beobachtungsgabe. Maulwurfshügel, Regenwürmer und Vogelnester gehören zu ihrem Alltag, den sie ganz entspannt durchleben. Das gilt auch für die Erzieherinnen. Sie haben das Waldkindergarten-Konzept behutsam modernisiert und setzen den Schwerpunkt bei lebenspraktischen Erfahrungen, denn sie wissen: "Jedes Kind hat Ideen und Spaß daran, Lösungen zu finden".

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Fotostrecke Seelze: Der Wald ist das Reich der Wurzelzwerge

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Von PATRICIA CHADDE

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