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Vorschrift soll für Ordnung sorgen

Seelze Vorschrift soll für Ordnung sorgen

Künftig werde es kein „Freyschießen, Bier im Freien usw.“ ohne die Befolgung der zur „Abstellung der bisherigen Mißbräuche festgesetzten unabänderlichen Bestimmungen“ geben, verfügt am 17. Juni 1830 das Königliche Amt Blumenau. Das Dokument hat der Lathwehrener Heinrich Bremer in moderne Schrift übertragen.

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Das Dokument aus dem Jahre 1830.

Quelle: Thomas Tschörner

Lathwehren. Noch bis in die Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts waren gewalttätige Auseinandersetzungen und Schlägereien bei Zelt- und Schützenfesten keine Seltenheit, sagt Heinrich Bremer (siehe Kasten). Im Besitz der Familie Bremer - ein Vorfahr war Bürgermeister im benachbarten Groß Munzel - befindet sich die „Anordnung für Freyschießen“ aus dem Jahr 1830. Unter Freyschießen wurden damals Schützen- und Zeltfeste verstanden. Das Königliche Amt Blumenau hat versucht, alle Eventualitäten durch Ruhestörung und Trunkenheit ebenso zu berücksichtigen wie die Gefahren des „unvorsichtigen Schießens“ im Dorf.

Als erste Regel stellt die Behörde auf, das eine Veranstaltung wie Freyschießen oder Bier im Freien künftig niemals mehr den jungen Leuten allein, sondern nur der ganzen Gemeinde einschließlich der sogenannten Alten gestattet werden wird. Die Gemeinde muss zudem das Fest wenigstens acht Tage zuvor anmelden und für den reibungslosen Ablauf einen Anführer sowie je nach Größe des Dorfes mindestens vier und höchstens acht Schaffner und Vorsteher wählen. Bei dieser Wahl sind die jungen Leute ausdrücklich ausgeschlossen. Der sogenannte General Anführer, die Schaffner und Vorsteher sind für Ruhe und Ordnung während des Festes verantwortlich. Alle Ruhestörer und Betrunkenen sollen erst gütlich, notfalls durch Herbeirufen der Wache vom Festplatz entfernt werden.

Besonderes Augenmerk legte die Behörde auf die höfliche und anständige Behandlung von Fremden, die das Fest besuchen. „Fremde Männer, die sich möglicherweise an die jungen Frauen des Dorfes heranmachten, wurden von den jungen Männern besonders misstrauisch beobachtet“, sagt Bremer. Auch Besucher des Militärs wurden vom Amt genauestens im Auge behalten. Diese durften weder tätlich misshandelt oder gar verwundet werden - auch das Beleidigen der königliche Uniform war untersagt.

Für die gewählten Anführer und Schaffner war das Fest auch deshalb eine Herausforderung, weil sie bei Schäden mit ihrem eigenen Vermögen hafteten. Daneben konnte ihnen bei Verletzungen und Schäden auch die Erlaubnis für zwei oder auch mehrere Jahre zu ähnlichen Lustbarkeiten verweigert werden.

„Natürlich wurden deshalb für diese Aufgaben starke und kräftige Leute ausgesucht“, so Bremer.

Schmerzensgeld wird investiert

Bei Schlägereien wurden die Streithähne meist kurzerhand aus dem Festzelt geworfen, sagt Heinrich Bremer. Gelegentlich kam es aber auch zu Prozessen. So etwa 1926, als ein rabiater Landwirt aus Stemmen einen Landarbeiter aus Kirchwehren verprügelt hatte. Der Verletzte klagte Schmerzensgeld ein, von dem er sich Pferd und Wagen kaufte. Fortan fuhr er die Milch der Bauern aus Kirchwehren und Lathwehren sowie Ostermunzel und Groß Munzel nach Wunstorf zur Molkerei und legte den Grundstein seines Fuhrunternehmens. Bremer erinnert sich noch an eine Kuriosität: Rüpel, die beim Tanzen Zigarre oder Pfeife rauchten, mussten eine Ordnungsstrafe von einem Groschen, dem Preis von fünf Zigarren, zahlen.

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