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Breiter Protest gegen geplante Pferdesteuer

Sehnde Breiter Protest gegen geplante Pferdesteuer

150 Pferdefreunde sind am Montagabend ins Sehnder Rathaus gekommen. Sie wollten bei der Beratung des Finanzausschusses Präsenz zeigen, der über die mögliche Einführung einer Pferdesteuer für die Stadt beraten hat.

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So voll ist es im Sehnder Rathaus eher selten: 150 Pferdefreunde wollten am Montagabend Präsenz zeigen.

Quelle: Gurol

Sehnde. Unter großem öffentlichen Interesse hat der Finanzausschuss der Stadt Sehnde am Montagabend erstmals über die Einführung einer Pferdesteuer beraten. Rund 150 Pferdefreunde kamen zu der Sitzung ins Sehnder Rathaus, in der die Politiker über die Konsolidierung des städtischen Haushalts sprachen – so viele, dass die Versammlung von einem kleineren Saal in den großen Ratssaal verlegt werden musste. Die Einführung der Steuer auf Pferde sei nur ein kleiner Teil einer „Ideensammlung“, wie Bürgermeister Karl-Jürgen Lehrke betonte. Die Stadt sei in ihrer finanziellen Lage gezwungen, alle Möglichkeiten zu prüfen. In Niedersachsen hat noch keine Kommune eine Pferdesteuer eingeführt.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte das Erheben einer solchen Abgabe erst kürzlich erlaubt. Sehndes Kämmerer Peter Wissmann rechnet mit einem Haushaltsdefizit von 3,3 Millionen Euro für das kommende Jahr – aus der Pferdesteuer ließen sich dagegen nur rund 60 000 Euro erlösen. Bei den Pferdehaltern stieß das Vorhaben im Vorfeld auf heftige Kritik. „Pferdesport ist kein elitärer Sport“, sagte eine Zuhörerin. Bernward Engelke, Vorsitzender des Bezirkspferdesportverbandes, betonte, dass die Jugendarbeit durch eine solche Steuer gefährdet würde.

Auch der Landessport Niedersachsen (LSB) wehrt sich gegen die Einführung einer Pferdesteuer. „Pferde sind im Wesentlichen ein Sportgerät, und eine Steuer darauf wäre in Deutschland einmalig und nicht nachvollziehbar“, sagte Reinhard Rawe, der Vorstandsvorsitzende des LSB, der HAZ. Man müsse den Anfängen wehren. Eine Pferdesteuer sei nicht vergleichbar mit einer Hundesteuer.

Im Vorfeld hatte sich auch der Bund der Steuerzahler Niedersachsen vehement gegen die Besteuerung der Tiere ausgesprochen. Der Verwaltungsaufwand stehe in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Einnahmen. Kämmerer Peter Wissmann sagte denn auch, man müsse bei allen Vorschlägen zur Haushaltssanierung „auf die Wirtschaftlichkeit achten“.

200 Euro pro Tier und Jahr sind für die Pferdesteuer im Gespräch – bei 300 Pferden im Sehnder Stadtgebiet. Mit der Einführung würde erstmals eine Sportart besteuert. „Die Förderungswürdigkeit des Sports würde ad absurdum geführt“, hieß es am Montag in einer entsprechenden Mitteilung.

Im Finanzausschuss nahmen die Mitglieder die besorgten Reaktionen zur Kenntnis. Schließlich beschloss man einstimmig, das gesamte Finanzkonzept zunächst in den Fraktionen zu beraten.

Von Sabine Gurol und Achim Gückel

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