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Angeklagter streitet Fausthiebe gegen Senior ab

Sehnde Angeklagter streitet Fausthiebe gegen Senior ab

Kurz vor Weihnachten 2015 wird ein 88-jähriger Müllinger abends an seiner Haustür niedergeschlagen und beraubt. Jetzt steht ein Uetzer vor Gericht, der kurze Zeit nach der Tat versucht hat, mit einer EC-Karte des Opfers Geld abzuheben. Doch der Angeklagte bestreitet, der brutale Räuber zu sein.

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Ein Uetzer muss sich am Amtsgericht Lehrte wegen eines brutalen Überfalls auf einen betagten Müllinger verantworten.

Quelle: Symbolbild/dpa

Müllinen/Lehrte. Die Tat ist schockierend. Der allein lebende, herzkranke 88-Jährige wartet an jenem 14. Dezember abends auf die Mitarbeiter einer Pflegedienstes, die ihm täglich seine Tabletten zuteilen, als es an der Haustür klingelt. Weil das Pflegepersonal einen Schlüssel besitzt, stutzt der Senior kurz. Auf seine Rufe, wer da vor der Tür stehe, folgt aber nur ein weiteres Klingen. Als der Rentner schließlich öffnet, erhält er umgehend zwei schwere Fausthiebe ins Gesicht. Er stürzt, erleidet einen Kieferbruch, verliert kurzzeitig das Bewusstsein. Und als er wieder zu sich kommt, sieht der Senior einen etwa 1,80 Meter großen vermummten Mann vor sich, der mit verstellter Stimme „Gib mir Geld“ brüllt.

Am Amtsgericht Lehrte schildert der mittlerweile 89-jährige Mann den Vorfall gefasst. Er erzählt auch, dass der Täter ihn getreten, in einen Toilettenraum geschoben und die Tür geschlossen habe. Die Fausthiebe, die ihn mitten ins Gesicht trafen, beschreibt der Senior als „Totschläger“. So heftig seien sie gewesen.

Der Täter flüchtet. Er erbeutet ein Handy und das Portemonnaie der Müllingers, welches das Opfer sofort herausgerückt hat. In der Geldbörse befinden sich 200 Euro und zwei EC-Karten. Mit einer davon versucht der 43-Jährige, der nun auf der Anklagebank sitzt, wenige Tage nach der Tat Geld an einem Automaten bei der Volksbank in Uetze abzuheben. Doch er kommt mit den zwei auf einem Zettel notierten Pin-Nummern durcheinander – und benutzt die falsche.

Dadurch gerät der Mann ins Visier der Polizei. Kurz vor Weihnachten wird der Hartz-IV-Empfänger festgenommen. Ein Haftrichter steckt ihn wegen dringenden Tatverdachts und Fluchtgefahr umgehend in Untersuchungshaft. Seither sitzt er in der JVA Sehnde.

Am Dienstag vor Gericht sagt der Angeklagte zunächst gar nichts zu den Vorwürfen der Staatsanwältin. Erst nachdem das Opfer ausgesagt hat, präsentiert er Richter Robert Glaß seine Version der Dinge. Er sei am Abend des Raubüberfalls nicht in Müllingen gewesen und habe die Tat auch gar nicht begehen können, weil er zu dieser Zeit mit Bekannten telefoniert habe. Und die EC-Karte habe ihm ein Kumpel gegeben.

Was an diesem Alibi dran ist, soll am Montag geklärt werden. Fest steht aber, dass sich Opfer und mutmaßlicher Täter schon vor dem Überfall mehrfach begegnet sind. Der 43-Jährige hatte bei dem Senior aus Müllingen im vergangenen Jahr aushilfsweise und gegen geringes Entgelt Gartenarbeiten erledigt. Er sei daher auch über die täglichen Besuche des Pflegediensts informiert gewesen. „Der wusste, dass ich zu Hause bin“, sagt der Rentner vor Gericht.

Der 89-Jährige gibt aber auch an, dass er den Mann, der ihm die Fausthiebe versetzt und ihn ausgeraubt hat, wegen dessen vollständiger Vermummung am Tatabend nicht habe erkennen können. Erst auf einer Aufnahme einer Überwachungskamera aus der Volksbank habe er seine frühere Gartenhilfe wiedererkannt.

Welche Ängste der betagte Müllinger bei dem Raubüberfall ausstehen musste, wird vor Gericht aber ebenfalls klar: „Ich musste annehmen, der will mich umbringen“, sagt er.

Von Achim Gückel

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