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Ausstellung erinnert an Opfer des Nazi-Regimes

Sehnde Ausstellung erinnert an Opfer des Nazi-Regimes

Mit einer Gedenkfeier ist die Ausstellung „Opfer nationalsozialistischer Gewalt in Sehnde“ eröffnet worden. Dabei sind erstmals auch Biografien von Opfern des Klinikums Wahrendorff vorgestellt worden.

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Die neue Ausstellung ist um die Schicksale von Patienten des Klinikums Wahrendorff erweitert worden.

Quelle: Reiner Luck

Sehnde.  Als eine kleine Serie und ein festes Ritual gegen das Vergessen bezeichnete Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke die Arbeit der Projektgruppe Stolpersteine bei der Eröffnung der Ausstellung „Opfer nationalsozialistischer Gewalt in Sehnde“. Im Rahmen der Gedenkfeier zum 9. November wurde am Donnerstagabend die neu konzipierte und erweiterte Ausstellung vorgestellt. Ergänzt wurde die historische Aufarbeitung um die Darstellung der Schicksale der Patienten der damaligen privaten Heil- und Pflegeanstalt Dr. Ferdinand Wahrendorff. 

Als Projektgruppe zusammengefunden haben sich Angelika Thomaier, Anne Heineke, Jürgen Wattenberg und Regina Runge-Beneke. Nach dem Legen der ersten Stolpersteine, der Einweihung der Gedenktafel und der Veröffentlichung der Biografie der letzten Sehnder Zeitzeugin, Gerda Wasserman, wird somit ein weiterer Aspekt der Erinnerungskultur in Sehnde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Ein weiteres Kapitel unserer Geschichte konnte dank der guten Zusammenarbeit mit der Klinikleitung des heutigen Klinikums Wahrendorff aufgeschlagen werden“, sagte Lehrke. Im Besonderen galt sein Dank der unermüdlichen Recherchearbeit von Regina Runge-Beneke. Sie bereise deutschlandweit die Archive, um Daten zu vervollständigen, Lücken zu schließen und so Schicksale nachvollziehbar werden zu lassen.

Das Runge-Beneke sich bei der Veröffentlichung von Krankengeschichten in einer Grauzone bewege, beschrieb sie in ihrer informativen und eindringlichen Rede. Diese Gedenkfeier widme sich den ermordeten jüdischen Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt. Betroffen von den Tötungsaktionen im Rahmen der Euthanasie seien aber auch arische Patienten, Menschen mit der Diagnose „geisteskrank“ oder „geistesschwach“ gewesen, führte sie weiter aus. Denn für die Nationalsozialisten seien Menschen mit Behinderungen eine Belastung für die Volksgemeinschaft gewesen. Im Jahr 1939 begannen die ersten Tötungsaktionen im Rahmen der T-4-Aktion, so benannt nach der Dienststelle, die sich in Berlin, Tiergartenstraße 4, befunden habe, erläuterte Runge-Beneke.

In den Wahrendorffschen Anstalten seien damals im Rahmen der T-4-Aktion geistig Behinderte und psychisch Erkrankte in einer bis heute nicht eindeutig geklärten Anzahl deportiert und getötet worden, sagte Rainer Brase, Geschäftsführer des Klinikums Wahrendorff, in seiner Rede. Er beschrieb jedoch auch, dass es selbst damals Menschen gegeben habe, die sich eine eigene Meinung gebildet und sich den staatlichen Anordnungen gezielt und oft heimlich widersetzt hätten. Als Beispiel nannte er den damaligen ärztlichen Direktor der Anstalten, Professor Willige, der zusammen mit Doktor Werth und dem Oberpfleger Fischbach in großem Umfang die Diagnosen von Kranken gefälscht habe. So seien viele Patienten der Wahrendorffschen Anstalten vor der Tötung bewahrt worden, sagte Brase. 

Von Susanne Hanke

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