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Baggerfahrer entdecken Rennofen aus Eisenzeit

Sehnde Baggerfahrer entdecken Rennofen aus Eisenzeit

Das ist ein archäologisches Novum für Sehnde: Bauarbeiter haben im Neubaugebiet "Kleines Öhr" östlich vom Friedhof die Reste von sogenannten Rennöfen aus der Eisenzeit gefunden. Mit Verzögerungen bei der Erschließung des Baugebiets und der Vermarktung der Grundstücke rechnet die Stadt derzeit aber nicht.

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Grabungsleiterin Harmony Courtois und ihr Kollege Oliver Beykirch von der Firma Arcontor untersuchen die Fundstelle im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege.

Quelle: Oliver Kühn

Sehnde. Beim Abschieben des Bodens für die Erschließungsstraßen sahen die  Bauarbeiter die schwarzen Verfärbungen in der Erde und schlugen sofort Alarm. Und die Experten der Firma Arcantor haben im Auftrag der Region Hannover als unterer Denkmalschutzbehörde festgestellt, dass es sich dabei um die Reste von Rennöfen aus der Eisenzeit (etwa 800 vor Christus bis 100 vor Christus) handelt.

Es muss sich dabei um eine größere frühgeschichtliche Produktionsstätte handeln: Mindestens zehn Stellen haben die Expertenbereits entdeckt, teilweise drei nebeneinander - und es gibt sogar schon weitere Verdachtsflächen, die mit gelben Fähnchen markiert sind. Wie alt die Funde genau sind, muss aber noch untersucht werden. In dieser Epoche der Frühgeschichte wurden erstmals Werkzeuge und Waffen aus Eisen hergestellt.

Dafür wurden die Rennöfen entwickelt. Das sind etwa einen Meter hohe und 45 Zentimeter breite, schornsteinartige Öfen aus Lehm, in dem Raseneisenerz und Holzkohle aufeinander geschichtet wurden. Durch die Kaminwirkung wurde das Erz so lange ausgeschmolzen, bis das Eisen übrig blieb. Dies wurde dann von Schmieden bearbeitet. "Was übrig bleibt, ist die schwarze Schlacke", sagt Ausgrabungsleiterin Harmony Courtois. Diese werde nun in einem Labor auf ihr Alter untersucht.

Denn andere Objekte wie etwa Keramik oder Knochen haben die Archäologen bislang noch nicht gefunden. Allerdings haben sie eine große Grube entdeckt und abgesteckt, die noch für Überraschungen sorgen könnte. "Das könnte eine Abfallgrube oder eine Materialentnahmestelle für Lehm sein", sagt der Anthropologe Oliver Beykirch. Ob in dem Gebiet auch eine Siedlung liegt, ist völlig offen. Aber Raseneisenerz und Lehm mussten mangels Transportmitteln in der Nähe liegen. Holz gab es damals überall genug.

Für die Region Hannover war der Fund überraschend. "Damit haben wir nach der Voreinschätzung für das Baugebiet nicht gerechnet", sagt Sprecher Klaus Abelmann. Man stehe jedoch ganz am Anfang und stimme jetzt mit der Stadt das weitere Vorgehen ab. Im Sehnder Rathaus will man deshalb auch erstmal abwarten. "Die Baumaßnahme wird spannender", sagt Fachdienstleiter Godehard Kraft: "So etwas wurde hier noch nicht gefunden." Auch im Verfahren zum Bebauungsplan habe es keine Hinweise oder Vermutungen auf solche Funde gegeben.

Die Erschließungsarbeiten für das Neubaugebiet "Kleines Öhr" und die Bergung und Dokumentation der Funde gehen derweil parallel voran. "Ich gehe nicht davon aus, dass es zu Verzögerungen kommt", sagt Kraft. Auch die Vermarktung der Grundstücke laufe ganz normal weiter. Ob es noch weitere Erkundungen in dem Baugebiet geben wird, müssten die nächsten Tage zeigen.

Eisenherstellung mit mehr als 1000 Grad

Rennöfen waren in der Eisenzeit weit verbreitet. In Norddeutschland dürften sie etwa ab 800 v. Chr. eingesetzt worden sein. Sie waren zwischen einem halben und zwei Meter hoch und bestanden aus Lehm oder Steinen. Sie wurden mit einer Mischung aus unterschiedlichem Brennstoff, meist Holzkohle, sowie Raseneisenerz mit einem möglichst hohen Eisengehalt befüllt.

Am unteren Ende befinden sich oberhalb des Bodens Belüftungsschlitze und darunter die sogenannte Herd- oder Renngrube, in die die bei 1100 bis 1350 Grad erzeugte Schlacke rinnt – daher rührt auch der Name Rennofen. Die schwarze Schlacke ist auch meist das einzige, was von den frühgeschichtlichen Produktionsstätten nach Jahrhunderten oder womöglich Jahrtausenden noch übrig bleibt.

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Von Oliver Kühn

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