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Der Dorfladen stärkt die Gemeinschaft

Bolzum Der Dorfladen stärkt die Gemeinschaft

Wie zahlreiche Dörfer in der Region hatte Bolzum in den vergangenen Jahrzehnten mit wegbrechender Infrastruktur und sterbendem Einzelhandel zu kämpfen. Welchen Kontrapunkt die Einwohner mit dem im März eröffneten Dorfladen setzen, erfuhren SPD-Landtagsabgeordnete und SPD-Bundestagsmitglied Matthias Miersch am Dienstag bei ihrer Sommertour.

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Der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch (von links) besucht mit den Landtagsabgeordneten Stefan Politze, Michael Höntsch, Thela Wernstedt, Mustafa Erkan, der Bolzumer Ortsbürgermeisterin Silke Lesemann und Marco Brunotte den zum Vorzeigeprojekt avancierten Dorfladen.

Quelle: Sandra Köhler

Sehnde. Früher war die Welt in Bolzum noch in Ordnung. Zumindest in Sachen Einkaufsmöglichkeiten. „Noch im 19. Jahrhundert war Bolzum Marktzentrum, die Leute kamen aus der Umgebung hierher, um Handel zu treiben“, eröffnete Ortsbürgermeisterin Silke Lesemann den SPD-Landtagsabgeordneten, die im Rahmen ihrer Sommertour gekommen waren, um sich beispielhaft mit der dörflichen Bolzumer Infrastruktur zu beschäftigen.

„Wenn wir anstelle von Sehnde den Bahnhof bekommen hätten, würde es jetzt hier auch anders aussehen“, sagte der Sehnder SPD-Fraktionsvorsitzende Olaf Kruse. Trotzdem sei der 1300-Seelen-Ort noch vor wenigen Jahrzehnten mit zwei Bäckern, einem Tante-Emma-Laden, einer Molkerei, mehreren Gaststätten und einer Post gut aufgestellt gewesen, erinnert sich Lesemann. Doch peu à peu schlossen fast alle Läden - und die meisten blieben auch dicht.

Wie etwa das Restaurant Bolzumer Stube. Wie für Landgasthöfe früher üblich, verfügte die Gaststätte über einen großen Saal, in dem es bei Hochzeiten, Geburtstagen und Kindstaufen hoch herging. „Bevor die Halle gebaut wurde, wurde dort auch Sport getrieben“, erinnert sich Kruse. Auch Losse’s Dorfkrug ist mittlerweile geschlossen und verkauft. Doch hier könnte es eine Nachnutzung geben: Dem Dorfgespräch zufolge soll dort ein italienisches Restaurant entstehen.

Als 2012 wegen der Insolvenz des Zulieferers auch der letzte Bäcker seine Türen für immer geschlossen hatte, schoben Frauke Lehrke und Michaela Oldeweme die Einrichtung eines Dorfladens an. Im März öffnete der genossenschaftlich geführte Dorfladen seine Pforten und ist seither zum Vorzeigeprojekt in der Region geworden. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Eva-Maria Hentschel mit ihrem Kiosk am Schmiedeweg dafür gesorgt, dass die Bolzumer ihre Brötchen vor Ort kaufen können. „Als ich mich über das Thema Dorfläden mit Neustädter Bürgern unterhalten habe, erzählten sie mir: ,Wir wollen das Bolzumer Modell‘“, bestätigte der Landtagsabgeordnete Mustafa Erkan den Bolzumer Sonderstatus.

Die Möglichkeit, den Grundbedarf vor Ort zu decken, nutzen insbesondere Berufspendler und die Senioren aus Wehmingen gern, haben Lesemann und Kruse beobachtet. Doch auch für die Dorfgemeinschaft sei der Laden unendlich kostbar: „Es gibt wieder einen Platz, an dem man sich trifft, einen Schnack halten und sich austauschen kann“, zählt Lesemann auf. „Ich komme auch gern auf einen Kaffee hier vorbei und bin einfach nur glücklich.“

Ab Mittwoch wird im Café auch Frühstück angeboten

Auch wenn die „schwarze Null“ noch nicht steht: Angelaufen ist der Dorfladen bereits besser als erwartet. Dazu tragen die Öffnungszeiten, die sich am Bedarf der Dörfler orientieren,sicherlich ihr Quäntchen bei. Geöffnet ist montags bis sonnabends von 6.30 Uhr bis 12.30 Uhr sowie montags bis freitags (bis auf Mittwoch) zusätzlich von 15 bis 18.30 Uhr. Und wer sonntags frische Brötchen frühstücken möchte, kann sie von 8 bis 11 Uhr dort erwerben. „Viele Pendler hätten sicherlich gern, dass bereits ab 6 Uhr geöffnet wird“, sagt Ortsbürgermeisterin Silke Lesemann. Doch das sei mit dem vorhandenen Personal nur schwer umzusetzen. Immerhin wird ab Dienstag im angegliederten Café Frühstück angeboten. „Wir wollen das mal ausprobieren“, sagt Frauke Lehrke von der Dorfladeninitiative. Für weitere Angebote wie abendliche Lesungen oder einen Bringdienst fehle es aber leider noch an Ehrenamtlichen.

Von Sandra Köhler

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