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Dezernent vom Dorfladen verblüfft

Bolzum Dezernent vom Dorfladen verblüfft

Seit vier Monaten ist der genossenschaftliche Dorfladen in Bolzum in Betrieb. Am Montag hat sich dort prominenter Besuch eingefunden: Axel Priebs, Planungsdezernent der Region Hannover. Er lobte das Projekt als vorbildlich. Es mache das Dorf als Wohnort interessanter, andere Dörfer könnten von Bolzum lernen, sagte er.

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Ortstermin zwischen Sprühsahne und Biokräutern: Frauke Lehrke (von links) von der Dorfladeninitiative erläutert Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke, Regionsdezernent Axel Priebs, Cornelia Klimach und Ortsbürgermeisterin Silke Lesemann, wie der Dorfladen läuft.

Quelle: Achim Gückel

Sehnde. Obst und Getränke, Wurst und Käse, Konserven und Kräuter, Milchprodukte und Chips: Was man zum täglichen Leben benötigt, gibt es auf den 140 Quadratmetern Verkaufsfläche in einem kernsanierten, schick ausgebauten und liebevoll gestalteten alten Fachwerkhaus mitten in Bolzum. Frauke Lehrke, eine der Initiatorinnen des Projekts, zeigte dem Regionsdezernenten Priebs sämtliche Details im Dorfladen - vom behindertengerechten Eingang bis hin zum kleinen, dem Geschäft angegliederten Café mit vier Tischen. „Man braucht nicht mehr nach Sehnde zum Einkaufen zu fahren“, sagte Ortsbürgermeisterin Silke Lesemann. Und damit habe die Dorfladeninitiative eines ihrer Ziele erreicht.

Die Region Hannover hatte das Projekt in dem 1300-Seelen-Dorf während der Planungsphase finanziell unterstützt. Priebs sagte, er freue sich sehr über das Engagement der ehrenamtlich arbeitenden Dorfladen-Geschäftsführung in Bolzum. Ein derart hoher Einsatz für das Gemeinwohl sei nicht allerorten selbstverständlich. Und schließlich habe sich das Projekt auch gegen „Bedenkenträger und anfänglichen Gegenwind“ durchgesetzt.

Aus dem Gröbsten raus ist der Dorfladen indes noch nicht. Lehrke berichtete zwar von einem Umsatz, der „positiver ausfällt, als wir erwartet hatten“. Noch schreibe man aber unter dem Strich keine schwarze Null. Das sei allerdings für die Anlaufphase, in der beim Sortiment stets nachgesteuert werden müsse, durchaus eingeplant gewesen. „Aber die Kunden halten zu uns“, sagte Lehrke.

Doch noch drückt der Schuh an einer anderen Stelle ein wenig. Es mangelt an Personal. Via Home-page und mit Aufrufen sucht die Geschäftsführung nach neuen Mitarbeiterinnen. Zurzeit sind im Dorfladen sechs Kräfte beschäftigt, die meisten aber nicht in Vollzeit.

Mittlerweile wirbt der Dorfladen auch mit Angebotsaktionen, das Mini-Café wird für Feiern genutzt, und es konnten regionale Lieferanten für Käse und Gemüse gewonnen werden. Auf dem Gebäude ist neuerdings sogar eine Fotovoltaik-anlage installiert. Der Dorfladen hat die Dachfläche einem Investor überlassen und bekommt im Gegenzug günstigen Strom. Aus dem geplanten Lieferservice für die Kundschaft ist allerdings noch nichts geworden. Der werde noch kommen, sagte Lehrke. Er müsse aber, wie so vieles im Dorfladen, ehrenamtlich laufen.

Immer ein nettes Wort

Für Silke Lesemann und sicher auch für manchen anderen in Bolzum ist der Dorfladen im Ortskern mehr als nur eine Einkaufsmöglichkeit. „Man spürt die Begeisterung, endlich wieder zu Fuß einkaufen gehen zu können. Und unser Dorf hat wieder einen Kristallisationspunkt“, sagt die Ortsbürgermeisterin zufrieden. Der Laden sei ein Treffpunkt im allerbesten Sinne. Man könne bei gutem Wetter sogar draußen sitzen, einen Kaffee trinken und klönen. „Hier gibt es immer ein nettes Wort“, meint auch Frauke Lehrke von der Dorfladeninitiative. Das allein reiche aber auf Dauer nicht: „Wir haben bereits viele Stammkunden. Aber es ist auch viel Arbeit, die Leute zu halten.“

Hentschels Kiosk nebenan läuft trotzdem

Seit knapp zwei Jahren betreibt Eva-Maria Hentschel ihren 20-Quadratmeter-Kiosk am Schmiedeweg in Bolzum. Dort gibt es unter anderem frische Brötchen, Süßigkeiten und eine Lotto-Annahmestelle. Mancher hatte geunkt, Hentschels Kiosk habe keine Zukunft mehr, wenn nur ein paar 100 Meter entfernt der deutlich größere Dorfladen seine Türen öffnet. Doch jetzt zieht die Kleinunternehmerin, die ihren Laden an sieben Tagen in der Woche öffnet, ein positives Fazit. An der Kundenfrequenz in ihrem Kiosk habe „sich gar nichts geändert“, sagt sie.

Aber sie habe ihr Sortiment etwas angepasst und biete nun Dinge an, die es im Dorfladen nicht gebe. Es gingen nun zwar weniger frische Brötchen über den Tresen, dafür aber mehr Kuchen, heiße Würstchen und belegte Brötchen. Hentschel spricht von „Stammkunden, auf die ich mich verlassen kann“. Das wisse sie spätestens, seit sie ihr Geschäft unlängst für ein paar Tage geschlossen hatte. „Da gab es richtig Ärger mit den Kunden“, sagt Hentschel und lacht.

Von Achim Gückel

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