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Diskussion um neue Unterkunft für Flüchtlinge

Höver Diskussion um neue Unterkunft für Flüchtlinge

Die meisten Höveraner wollen die 150 Flüchtlinge in ihrem Ort willkommen heißen. Bei einer Einwohnerversammlung zu dem Thema wurde am Donnerstag im Schützenheim viel diskutiert. Es gab auch Kritik: Unter anderem wurde die Stadt aufgefordert, den Mietvertrag für das Hotel Zur Linde zu korrigieren.

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Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke sowie Polizeichef Ulrich Bode informieren über das geplante Flüchtlingsheim. 

Quelle: Oswald-Kipper

Höver. Das Interesse an dem Thema Flüchtlingsunterbringung in Höver war riesig. Mehr als 200 Menschen drängten sich am Donnerstagabend im Schützenheim, um mehr über das Konzept für 150 Flüchtlinge im Hotel Zur Linde zu erfahren. Die Stimmung wirkte angespannt. Die Stadt Sehnde hatte sogar zwei Mitarbeiter des Fachdienstes Ordnung am Eingang positioniert, um Auseinandersetzungen verhindern zu können. Anlass war ein im Vorfeld der Veranstaltung herausgegebenes Flugblatt, in dem Bürger ihre Ängste um die Sicherheit in Höver deutlich machen wollten. Die AfD nutzte die durch das Flugblatt aufgehetzte Stimmung im Dorf, um am Veranstaltungsabend ein eigenes Positionspapier zu verteilen.

Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke und Hövers Ortsbürgermeister Ronald Siegismund kritisierten die anonymen Herausgeber des Flugblattes scharf: „Solch ein Pamphlet ist schändlich. Die Bürger sollten zeigen, dass sie in der Lage sind, zu helfen“, sagte Ronald Siegismund. Ab Februar 2016 sollen 150 Flüchtlinge im Hotel Zur Linde einziehen. Zwei Sozialarbeiter, ein Hausmeister und ein Sicherheitsdienst werden sich um die neuen Bewohner kümmern. Laut Lehrke herrschen in dem Hotel gute Bedingungen, da es in jedem Zimmer Sanitärräume gebe. Auseinandersetzungen wie in anderen Flüchtlingsunterkünften, in denen Menschen sich Sanitäreinrichtungen teilen müssten, könnten so verhindert werden.

Ein Zuhörer fragte, ob in Höver überwiegend alleinstehende Männer untergebracht würden. „Wir wissen nicht, wen wir zugewiesen bekommen und können darauf keinen Einfluss nehmen“, so Lehrke. Eine andere Bürgerin hatte Bedenken, dass mit dem Zuzug weiterer Kinder der Platz in der Schule oder im Kindergarten in Höver nicht mehr ausreichen wird. „Wir haben die aktuelle Entwicklung bereits bei der aktuellen Kindergarten- und Schulplanung bedacht“, meinte Lehrke.

Direkte Anwohner des künftigen Flüchtlingsheims befürchten zusätzlichen Lärm durch so viele Menschen an einem Ort. Auch eine Abwertung der dortigen Immobilien können sich einige vorstellen. Ein Bürger bezeichnete die künftige Flüchtlingsunterkunft gar als „Getto“, das im Ort entstehe.

Ulrich Bode, Chef des Polizeikommissariats Lehrte, konnte einige Ängste zerstreuen. Trotz vieler Flüchtlinge in Lehrte und Sehnde sei bisher keine erhöhte Kriminalität feststellbar. Zusätzliche Streifenfahrten in Höver hält er künftig nicht für notwendig. „Aber sicher werden wir hier in Höver auch ab und zu vorbeischauen“, sagte Bode. Elisabeth Scherling vom Ortsrat kritisierte die lange Mietlaufzeit für das Hotel: Sie bat die Stadtverwaltung, dieses zu korrigieren. Sechs Jahre seien zu lang.

Viele Höveraner warben dafür, die neuen Bewohner kennenzulernen. „Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht“, sagte Christian Bruns aus Bilm, Initiator des Flüchtlingsnetzwerks ENAS. CDU-Ratsmitglied Sepehr Sardar Amiri: „Ich bin einst auch mit meiner Familie als Flüchtling hierhergekommen, und ich bin weder Fundamentalist noch ein Islamist geworden.“ Lehrke machte abschließend deutlich: „Die Flüchtlinge nehmen sehr viel auf sich - sie kommen nicht zu uns, um Randale zu machen oder nur Sozialhilfe abzukassieren.“

76 Zimmer für die Flüchtlinge

Ab Februar sollen 150 Flüchtlinge in insgesamt 76 Zimmern im Hotel Zur Linde in Höver unterkommen. Die Stadt schließt dafür mit einem Investor, der schon weitere Hotels in der Umgebung von Hannover in Flüchtlingsunterkünfte umfunktioniert hat, einen Mietvertrag. Zum neuen Flüchtlingsheim zählen vier Gebäude. Ein zweigeschossiges Gebäude, das bisher den großen Saal beherbergte, wird noch umgebaut. Dort soll es bald 22 Zimmer geben. In der ehemaligen Gaststätte entstehen auf zwei Etagen weitere 24 Zimmer. Der Gebäudeteil, in dem sich vor vielen Jahren eine Keksfabrik befand, bietet 12 Zimmer. Weitere 18 Zimmer gibt es in einem vierten Gebäudetrakt. Auf allen Fluren will die Stadt Gemeinschaftsküchen und Sitzmöglichkeiten einrichten. Zudem will die Stadt im Außenbereich für 100 Fahrradständer sowie für Grillplätze sorgen. 

von Patricia Oswald-Kipper

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