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Ein Sehnder rettet den Roten Heinz

Sehnde Ein Sehnder rettet den Roten Heinz

Der Sehnder Bernd Reitemeyer hat eine Leidenschaft für alte Gemüsesorten. Unter anderem setzt er sich für den Roten Heinz ein. „Das ist die einzige hannoversche Regionalsorte bei den Tomaten“, sagt er.

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Er will historische Gemüsesorten vor dem Aussterben bewahren. Der Sehnder Bernd Reitemeyer mit der Tomate Roter Heinz.

Quelle: Michael Schütz

Sehnde. Als Hannover 96 am 23. Mai 2015 gegen den SC Freiburg den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga erreicht hatte, dachten viele, dass Kampfkraft und taktisches Geschick der Mannschaft den Ausschlag dafür gegeben hatten. Weit gefehlt: Der Grund waren vielmehr ein paar Tomatenpflanzen aus einem Sehnder Garten, die als Maskottchen die letzten beiden Spieltage in der hannoverschen Arena gestanden hatten. Beide Spiele hat 96 gewonnen.

Spaß beiseite: Natürlich weiß auch Bernd Reitemeyer, dass seine Tomaten keine magischen Kräfte haben und auch nicht für den Klassenerhalt verantwortlich waren. Aber die Sorte Roter Heinz war offenbar wie gemacht als Glücksbringer für die „Roten“.

Reitemeyer haben es die seltenen regionalen Gemüsesorten angetan, von denen der Rote Heinz eine ist. „Das ist die einzige hannoversche Regionalsorte bei den Tomaten“, sagt er. Der Sehnder hat es sich zur Aufgaben gemacht, den Roten Heinz vor dem Aussterben zu bewahren. Dazu hat er die Initiative zur Erhaltung historischer Gemüsesorten namens „Das Große Freie“ und die „Aktion rettet Roter Heinz“ ins Leben gerufen.

Herzstück der Initiative ist ein kleiner Garten an der Iltener Straße, wo neben dem Roten Heinz auch andere Tomaten wie das Lämpchen oder Old German wachsen. Gleich nebenan gedeihen Gemüse wie die Hildesheimer Stangenbohne oder die Monstranzbohne. Alles historische Sorten, die wegen der industriellen Herstellung von Saatgut ins Hintertreffen geraten sind. „Dabei sind diese Sorten an die jeweiligen Böden und Bedingungen angepasst“, sagt der 41-jährige gebürtige Dolger. Aber in den letzten 100 Jahren seien über 80 Prozent regionaler Gemüsesorten verloren gegangen. „Und die verbleibenden 20 Prozent sind ebenfalls gefährdet“, meint Reitemeyer.

Der Sehnder hat keineswegs vor, die Früchte zu ernten. Ihm ist daran gelegen, Saatgut zu gewinnen und an Gartenfreunde und andere Interessenten zum Selbstkostenpreis weiterzugeben.

Dass die Sorten aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sind, habe etwas mit dem Saatgutgesetz zu tun, meint Reitemeyer. Das Gesetz sei maßgeschneidert für die Industrie, die auf Masse setze. Dafür habe die entsprechende Lobby gesorgt. „Es geht um Effizienz und Ertrag.“ Das Sortenwirrwarr von vor 100 Jahren sei da nur hinderlich.

Reitemeyer, der in seinem Sehnder Garten nicht nur regionale, sondern auch Sorten aus anderen Gegenden anbaut, hat beruflich nichts mit Gärten zu tun. Der 41-Jährige ist eigentlich Bauingenieur. „Aber ich habe mich schon immer für Gärten interessiert“, sagt er. Kombiniert mit seiner Vorliebe für Geschichte hat er sich der historischen Sorten angenommen. Wenn die ersten Samen verkaufsfertig sind, wird er auf seiner Homepage www.dasgrossefreie.com einen Online-Shop einrichten, kündigt er an.

Von Michael Schütz

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