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Evern lässt sich von AfD nicht provozieren

Evern Evern lässt sich von AfD nicht provozieren

Schon bald werden auch im Sehnder Dorf Evern 28 Flüchtlinge untergebracht. Das ist die Kernaussage der Einwohnerversammlung am Donnerstagabend im Schützenhaus der 550-Seelen-Ortschaft. Mitglieder der Partei Alternative für Deutschland (AfD) versuchten an dem Abend, Stimmung gegen die Flüchtlingspolitik des Bundes zu machen. Sie scheiterten.

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Ein proppevolles Everner Schützenhaus: Rund 150 Gäste kommen, als es um die Unterbringung von 28 Flüchtlingen im Dorf geht. Ganz hinten im Saal platziert sich auch eine Gruppe von AfD-Mitgliedern aus Hannover.

Quelle: Achim Gückel

Sehnde. Zwei leer stehende Gebäude hat die Stadt in Evern angemietet, um darin Flüchtlinge unterzubringen. In einem sollen zwölf, im anderen 16 Menschen wohnen. Aus welchem Land die Asylbewerber kommen werden, ist noch unklar. Auch der Zeitpunkt für die Einquartierung steht noch nicht fest.

Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke machte in der etwa einstündigen Einwohnerversammlung aber deutlich, dass die Stadt dringend nach Wohnraum für Flüchtlinge sucht. Man wolle, so lange es geht, das Prinzip der sogenannten dezentralen Unterbringung verfolgen. „Wir wollen keine Turnhallen belegen oder Zeltstädte bauen“, sagte das Stadtoberhaupt.

Lehrke machte aber auch kein Geheimnis daraus, dass ihm bei der Zuweisungsquote, die für das kommende Jahr avisiert wurde, bange werde. Die könnte doppelt so hoch liegen wie jene, die bis Januar gilt (277 Menschen). „Wenn wir noch mal 550 Flüchtlinge in Sehnde unterbringen sollen, weiß ich nicht, wie wir das machen sollen“, gab Lehrke zu.

Viele Everner runzelten angesichts dieser Aussage sorgenvoll die Stirn. Auch Skepsis gegenüber der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung wurde in mehreren Wortbeiträgen deutlich. Ablehnung gegen die 28 nun in Evern zu erwartenden Flüchtlinge war aber nicht zu spüren. Fragestellerinnen sorgten sich etwa um eine adäquate Ausstattung der Wohnungen oder die ausreichende Ausstattung von Kitas, wenn dort Flüchtlingskinder integriert werden müssen.

„Ich appelliere an jeden Einzelnen, nicht auf diesen Menschen herumzutrampeln“, sagte eine Besucherin. Lehrke beschwor indes ein „freundliches Miteinander“. Wenn das gelinge, brauche sich auch niemand Sorgen zu machen.

Für Irritation sorgten indes Mitglieder der AfD aus Hannover. Sie verteilten vor dem Eingang des Schützenhauses Infomaterial. Kaum jemand nahm die Papiere entgegen.

Während der Veranstaltung versuchte eines der AfD-Mitglieder, Lehrke in die Enge zu treiben. Was der Bürgermeister wohl tun werde, wenn sich die Anzahl der einzuquartierenden Flüchtlinge etwa verfünffache, und wie Sehnde die Flüchtlingspolitik des Bundes finde, fragte er. Lehrke konterte mit dem Hinweis, dass bundespolitische Themen nicht in diese Versammlung gehörten und er sehr wohl alle seine Möglichkeiten zur Einflussnahme nutze.

Später forderte ein junger Everner die Mitglieder der AfD auf, den Saal zu verlassen. „Ich weiß nicht, was die hier wollen. Evern ist ein Ort, der zusammenhält. Die große Politik hat hier nichts zu suchen“, sagte er. Ortsbürgermeister Konrad Haarstrich äußerte sich über den Auftritt der AfD irritiert: „Die haben wohl gehofft, dass sie hier Stimmung machen können“, sagte er am Freitag.

Kommentar: Ein starkes Zeichen

Evern hat ein starkes Zeichen gesetzt. Die Skepsis gegenüber der Flüchtlingspolitik mag wachsen und die Sorge vor dem Zustrom von Menschen aus fremden Ländern zunehmen. Beides ist aber noch lange kein Grund, dumpfe Pegida-Reflexe zu zeigen. Die Everner tun das offenkundig auch nicht. Sie erwarten „ihre Flüchtlinge“ nicht mit erkennbarer Ablehnung, sondern eher mit Spannung. Was wollten die AfD-Aktivisten aus Hannover in Evern? Wenn sie dachten, in einem kleinen Dorf draußen auf dem Land lasse sich Wählerfang betreiben, wurden sie eines Besseren belehrt. Gut so!

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