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Treffpunkt soll zur Integration beitragen

Sehnde Treffpunkt soll zur Integration beitragen

Auf dem Gelände des ehemaligen Bundessortenamtes in Rethmar hat am Sonnabend der Verein Flüchtlingshilfe Sehnde den Treffpunkt "Zur Vielfalt" eröffnet. Die Einrichtung soll dem Austausch der Flüchtlinge untereinander und mit der einheimischen Bevölkerung dienen, aber auch Beratungen anbieten.

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Sie nutzen den Treffpunkt zum Austausch: Mohanad (9, von links), Rajiha und Rabiha Hawass, Maya (7) aus dem Irak sowie Nihal Aicho und Ezeldin Mohammad aus Syrien.

Quelle: Michael Schütz

Rethmar. "Zur Linde" oder "Zur Eiche" hießen früher in fast jedem Dorf die Kneipen, in denen sich die Bevölkerung zum Klönen traf. In arabischen und persischen Landstrichen sind es die Cafés. Um auch unter norddeutschen Bedingungen einen Raum zu bieten, diesem Bedürfnis nach Austausch untereinander nachzukommen, hat die Flüchtlingshilfe jetzt den Treffpunkt "Zur Vielfalt" entwickelt. Der Name sei den Leitbildern zweier "wichtiger Akteure" in der Flüchtlingshilfe entlehnt, sagte Anne Cécile Blanc, die den Verein leitet. Die Caritas arbeite nach dem Motto der "Heimat, so vielfältig wie die Menschen, die in ihr leben" und die örtliche Kooperative Gesamtschule (KGS) arbeitet unter der Prämisse: "Wir leben und schätzen die Vielfalt unserer Kommune."

Mit dem Treffpunkt für alle Sehnder Flüchtlinge, der zunächst sonnabends zwischen 14 und 17 geöffnet ist, gebe es aber nicht nur eine Möglichkeit, zusammen einen Kaffee zu trinken, wie die Koordinatorin der Flüchtlingshilfe, Maria-Luisa Myrach erklärte. Neben Küche und Aufenthaltsraum ist auch ein Zimmer vorgesehen, in dem Computer und Internet verfügbar seien. Zum einen könnten die Flüchtlinge dort mit ihren Familien in der Heimat in Kontakt treten. Zum anderen können die Rechner auch zur Fortbildung - etwa beim Deutschunterricht oder beim Bewerbungstraining - genutzt werden. Der Raum sei allerdings noch nicht bestückt, wie Myrach sagte. Für die notwendigen Investitionen laufe zurzeit ein Antrag auf Fördermittel. "Ich habe bereits sehr ermutigende E-Mails erhalten", sagte die hauptamtliche Koordinatorin, "aber es ist noch nichts entschieden." 

Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke war bei der Eröffnung froh, dass es jetzt einen festen Punkt für die Flüchtlinge gebe. "Es ist etwas, wo sich die Menschen, die hier wohnen, treffen können." Dabei schloss er auch die heimische Bevölkerung ein. Myrach war zuversichtlich, dass auch die ansässige Bevölkerung in Sehnde bei den Flüchtlingen vorbeischauen wird. Natürlich gebe es Vorurteile, weiß auch Myrach. Aber sie zählt auf die Ehrenamtlichen im Verein, die Freunde und Bekannte mitbringen könnten.

Das wäre auch im Sinne von Ortsbürgermeister Matthias Jäntsch. "Hier Freundschaften zu knüpfen, halte ich für einen wichtigen Baustein der Integration."

Die Nutzer des Treffpunkts freuten sich über die neue Möglichkeit. "Es ist toll, dass wir den Treffpunkt haben", finden Rajiha und Rabiha Hawass. Die beiden irakischen Schwestern aus Bolzum, die seit 2016 in Sehnde sind, wollen hier schneller Deutsch lernen. "Und es ist gut zu wissen, wo man hingehen kann, wenn man Fragen hat."

Die meisten Flüchtlinge leben in Höver

Auf alle Ortsteile bezogen, leben derzeit 352 Flüchtlinge in Sehnde. Mit 102 Bewohnern sind davon allein in Höver fast ein Drittel untergebracht. Das dortige Hotel Zur Linde ist die größte Unterkunft im gesamten Stadtgebiet. Dort bestehen sogar noch Aufnahmekapazitäten von 66 Personen. In Bilm (25), Bolzum (37), Evern (26), Haimar (6), Ilten (65), Klein Lobke (1), Rethmar (10), Sehnde (63) und Wehmingen (17) leben ebenfalls Flüchtlinge. Die Stadt hält insgesamt noch 160 freie Plätze vor. Für das laufende Jahr beträgt die Sehnde zugewiesene Aufnahmequote 71 Personen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2017 sind bisher fünf neue Flüchtlinge eingetroffen.

Von den 352 Personen sind 279 Asylsuchende oder Geduldete. Die Zahl der anerkannten Flüchtlinge beträgt 73.

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Die Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Sehnde, Anne Cécile Blanc (Zweite von rechts) eröffnet den neuen Treffpunkt "Zur Vielfalt" in Rethmar.

Quelle: Michael Schütz

Von Michael Schütz

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