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Flüchtlingsunterkunft: Hotelstandard überzeugt

Höver Flüchtlingsunterkunft: Hotelstandard überzeugt

Am Dienstag ziehen die ersten Flüchtlinge ins ehemalige Hotel Zur Linde ein. Politiker und Vereinsvertreter schauten sich zuvor die Unterkunft an. Vor allem der Hotelstandard hat die Besucher überzeugt.

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Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad, Kühlschrank und Fernseher. Für Frauen mit und ohne Kinder gibt es einen separaten Trakt.

Quelle: Kühn

Höver. Politiker und Vereinsvertreter durften schon vorab hineinschnuppern: Denn am nächsten Dienstag beginnt die Belegung des ehemaligen Hotels Zur Linde in Höver mit Flüchtlingen - die erste große Sammelunterkunft in Sehnde. Vor allem der Standard der Zimmer mit eigenem Bad, Kühlschrank und Fernseher kam gut an - genauso, dass einer der drei Trakte Frauen und Kindern vorbehalten ist.

Die Stadt hatte die Führung für ausgewählte Besucher angesetzt, weil es in der Öffentlichkeit viel Verunsicherung gebe, wie es Sehndes Erster Stadtrat Rolf Steinhoff formulierte. Als Ende vergangenes Jahr bekannt wurde, dass das ehemalige Hotel eine Unterkunft für 150 Flüchtlinge wird, kursierte im Ort ein anonymes Flugblatt, das vor Gefahren für Frauen und einer Überforderung des Ortes warnte.

Diesen Befürchtungen wollten die Stadt und der Vermieter, die Sleep Inn GmbH aus Hannover-Anderten, gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln nehmen. Die Belegung beginne am nächsten Dienstag zuerst mit Frauen und Kindern, sagte Susann Thier, Fachdienstleiterin Soziales: „Pro Woche kommen dann jeweils zehn weitere Flüchtlinge hinzu.“ Vornehmlich aus Syrien, Irak und Iran.

Die Stadt hat von der AWO Hannover die Betreuung eingekauft: Drei Sozialarbeiter und zwei Sozialassistenten decken während der Woche jeden Tag eine Zwölf-Stunden-Schicht ab und kümmern sich um die Bewohner. Nachts und am Wochenende übernimmt dies der Sicherheitsdienst, der rund um die Uhr im Haus ist. Die Kosten für die Sozialarbeit trägt die Stadt, die für die Unterkunft die Region. Das Sleep Inn stellt den Hausmeister und sorgt für die Reinigung. Inhaber Jürgen Brumm, der nach eigenen Angaben sieben Asylheime betreibt, bezeichnet das frühere Hotel als „Vorzeigeobjekt“.

Beim Durchgang waren die meisten der rund 30 Besucher durchaus angetan. „Die Ausstattung der Zimmer ist gut, eine Studentenbude sieht oft anders aus“, meinte etwa Ralf Marotzke (CDU). Ähnlich sieht es Ronald Siegismund (SPD): „Ein eigenes Bad ist wichtig, da gibt es die meisten Probleme.“ Die sukzessive Belegung sei sowohl für die Flüchtlinge wie auch die Helfer gut. Leerstandskosten fielen dadurch nicht an, betonte Thier. Auch Wilhelm Grefe vom TSV Höver findet, dass man es in der Linde „gut aushalten kann“. Der Verein will Volleyball und eventuell auch Tischtennis und Fußball anbieten.

Bei der anschließenden Ortsratssitzung war die Stimmung unter den 60 Zuhörern denn auch nicht aufgeheizt. Es ging um die fehlende Außenbeleuchtung, die Zufahrt - und was bei Sachschäden passiert. Dann springe die Haftpflichtversicherung der Stadt ein, versicherte Thier.

Von Oliver Kühn

Kommentar zum Thema:

Jedes Zimmer mit eigenem Bad, Kühlschrank und Fernseher, Küchenzeilen in jedem Gebäudetrakt: Bei diesem (Hotel-)Standard der Unterbringung von Flüchtlingen spricht der Vermieter mit Recht von einem „Vorzeigeobjekt“. Wo andere aus der Not heraus Zelte aufbauen oder mobile Trennwände in Hallen installieren, können die Asylbewerber in Höver die Tür hinter sich schließen, sie haben ihre Privatsphäre. Wer jetzt noch meckert und mosert, etwa dass Frauen vermeintlich schlecht an die oberen Schränke kommen oder manche Steckdose noch nicht kindersicher ist, hat das Maß verloren und verkennt den Druck, unter dem die Kommunen stehen – freundlich ausgedrückt. Für Sehnde ist das ehemalige Hotel ein Glücksfall. Für die Flüchtlinge erst recht.

Von Oliver Kühn

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