Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Freispruch für Scherenstecher aus JVA

Sehnde/Hildesheim Freispruch für Scherenstecher aus JVA

Er hat versucht, einem Mitgefangenen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Sehnde eine Schere in die Brust zu stoßen. Daran besteht kein Zweifel. Doch der 46-jährige Gou An L. ist nun von der Verantwortung für die Tat freigesprochen worden. Der psychisch kranke Mann habe wohl nicht schuldhaft gehandelt, urteilt das Landgericht Hildesheim.

Voriger Artikel
Bergbauausstellung löst Emotionen aus
Nächster Artikel
Familie spielt bei Konzerte in China

Ein 46-Jähriger aus der JVA Sehnde wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Quelle: dpa

Sehnde. Während des gesamten Prozesses gegen Gou An L. stand diese eine Frage im Raum: „Ist der Angeklagte schuldfähig?“ Richter Peter Peschka hatte bereits an einem Verhandlungstag im Dezember deutlich gemacht, dass für den 46-Jährigen auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus infrage kommen könnte. Und genau so soll es nun sein. Peschka erklärte in seiner Urteilsbegründung gestern, dass die Schuldunfähigkeit des Angeklagten nicht auszuschließen sei. Daher komme eine Verurteilung nicht in Betracht, sondern nur die Einweisung in die Psychiatrie. Medizinische Gutachten hatte zuvor diese Einschätzung nahegelegt. L. leide unter Psychosen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der schmächtige L., der aus China stammt, gehörte schon seit einiger Zeit zu den „schweren Jungs“ in der JVA Sehnde. Er verbüßte dort wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe. Während seiner Arbeit in der Anstaltsnäherei kam es dann zu der Auseinandersetzung, die auch tödlich hätte enden können. L. stach mit einer 21 Zentimeter langen Schere auf einen 38-jährigen Mithäftling ein. Ein großes Amulett, dass das Opfer unter seinem Pullover trug, fing den Stich ab und bewahrte den aus Vietnam stammenden Mann vor einer schweren Verletzung.

L. hatte vor Gericht den Hieb mit der Schere sofort eingeräumt. Er habe sein Gegenüber aber nicht töten wollen, ließ der Chinese, der kein Deutsch spricht, seinen Dolmetscher übersetzen. Als Motiv für die Tat gab L. Rache an. Er sei über lange Zeit von mehreren Häftlingen immer wieder beschimpft und beleidigt worden. Die Wut darüber sei unerträglich geworden - und da habe er dem 38-Jährigen eine Lehre erteilen wollen.

Das Opfer, ein Mann aus Vietnam, schilderte die Sache anders. Es habe nie Streit oder Beschimpfungen gegeben, beteuerte er. Er spreche ja nicht einmal dieselbe Sprache wie L.. Andere Mithäftlinge erinnerten sich indes an gelegentliche Sticheleien gegenüber dem Chinesen. Aber der psychisch kranke Mann habe dies wohl als unerträgliche Provokation wahrgenommen, sagte gestern Gerichtssprecher Felix Muntschick.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Sehnde
doc6so9i8dwhrm1kxjcx11q
Einbrecher wüten im Bonhoefferhaus

Fotostrecke Sehnde: Einbrecher wüten im Bonhoefferhaus