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Feuer in Klein Lobke: Es war Brandstiftung

Sehnde Feuer in Klein Lobke: Es war Brandstiftung

Das Großfeuer in einer bis zur Decke mit Strohballen gefüllten Scheune am Donnerstagabend in Klein Lobke ist vorsätzlich gelegt worden. Zu diesem Ergebnis kommen Brandermittler der Polizei. Den Schaden schätzen sie auf rund 100.000 Euro - und sie hoffen nun auf Zeugen.

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Brandermittler nehmen die zerstörte Halle unter die Lupe.

Quelle: Katja Eggers

Klein Lobke. Die Experten der Polizei Hannover rückten am Freitagmorgen in Klein Lobke an, um die stark beschädigte Scheune in Augenschein zu nehmen. "Brandstiftung ist ein Thema", sagte einer der Ermittler schon kurz nach Beginn der Untersuchungen. Das Feuer sei vermutlich am Fuß eines Stahlpfeilers der Mehrzweckhalle ausgebrochen und habe sich von dort aus schnell ausgebreitet.

Auch für Landwirt Matthias Lange, der die Scheune an der Wegstraße als Strohlager sowie als Unterstand für Fahrzeuge und landwirtschaftliche Geräte nutzt, stand schon früh fest, dass ein technischer Defekt als Brandursache ausscheidet: "Es gibt in der Halle keine elektrischen Leitungen, und Selbstentzündung war das sicher nicht", sagte er.  Lange beklagt nun neben dem zerstörten Stroh auch den Verlust von zwei landwirtschaftlichen Anhängern, die in der Halle standen.

Ein 50-jähriger Nachbar hatte nach Angaben der Polizei das Feuer als erster bemerkt. Der Mann versuchte noch, die Flammen in dem Strohlager mit Hilfe von zwei Handfeuerlöschern zu ersticken. Ohne Erfolg. Gleichzeitig wurde ein Notruf abgesetzt. Die Ortsfeuerwehr des 250-Einwohner-Dorfs traf als erste an der Brandstelle ein, innerhalb kürzester Zeit waren auch die Helfer aus Sehnde, Rethmar, Evern, Haimar, Dolgen und Müllingen/Wirringen sowie vom Technischen Hilfswerk (THW) Burgdorf zur Stelle. Schließlich waren 122 Feuerwehrleute im Einsatz und kämpften gegen die Flammen, die zwischen den Fontänen aus Löschwasser immer wieder aus den Strohballen heraus loderten.

Die Feuerwehrleute konnte verhindern, dass das Feuer auf benachbarte Gebäude übergriff. Aus einer angrenzenden, mit einer Brandmauer abgetrennten Fahrzeughalle hatte ein Landwirt zu diesem Zeitpunkt schon seine Geräte herausgefahren. Mit Hilfe der Drehleiter aus Sehnde hielten die Feuerwehrleute mit dem Löschwasser direkt auf die Brandmauer, um sie zu kühlen.

Eine große Herausforderung war indes die Versorgung mit Löschwasser. Die Feuerwehrleute legten dazu lange Schlauchleitungen zu Zisternen auf Privatgrundstücken. Als diese kein Wasser mehr hergaben, pumpten die Helfer Wasser aus einer alten Güllegrube im Dorf. Weil diese schon seit Jahren nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck dient, hatte sich darin kubikmeterweise Regenwasser gesammelt. "Die Wasserversorgung war schwierig, aber es hat trotzdem alles gut geklappt", sagt Sehndes Stadtbrandmeister Jochen Köpfer, der am Donnerstagabend selbst in der Einsatzleitung in Klein Lobke tätig war.

Um die letzten Glutnester zu löschen mussten die Einsatzkräfte das teils noch glimmende und teils durchnässte Stroh aus der Halle entfernen und auf einen nahen Acker schaffen. Dazu rückte das THW mit einem sogenannten Langbagger an. Letztlich halfen sich die Klein Lobker aber selber. Sie nutzten den Teleskoplader eines Landwirts. Der lange Greifarm des Fahrzeugs half dabei, die Scheune schnell zu leeren. Für einige der Feuerwehrleute dauerte der Einsatz jedoch noch bis tief in die Nacht. "Die letzten von uns konnten zwischen 3 und 4 Uhr abrücken", sagt Chris Rühmkorf, Pressesprecher der Stadtfeuerwehr Sehnde.

Hinweise darauf, wer die Scheune angezündet haben könnte, nimmt die Kripo in Hannover unter Telefon (0511) 1095555 entgegen.

Landwirt muss schnell Stroh nachbestellen

Für Landwirt Matthias Lange hat das Großfeuer in seiner Mehrzweckhalle gravierende Folgen. Es sei zwar alles versichert, sagt er, aber der Verlust der 150 sogenannten Quaderballen Stroh wiege schwer. Denn er brauche das Stroh für seine Schweine. Etwa 800 Tiere hält der Schweinezüchter in seinen Ställen. Schon am Freitagvormittag hatte Lange Ersatz für das verbrannte, durchnässte und von Rauch kontaminierte Stroh geordert.

Die jetzt stark beschädigte, etwa 30 Meter lange und 8 Meter hohe Halle hatte Lange 2003 errichtet. Ein Teil des Gebäudes ist nun zerstört und einsturzgefährdet. Der Landwirt ist selbst aktives Mitglied in der Klein Lobker Feuerwehr, sein Vater Manfred sogar Ehrenortsbrandmeister. Lange sieht bei aller Bestürzung über das Großfeuer aber auch noch Positives: "Es hätte schlimmer kommen können. Es sind Gott sei Dank keine Menschen oder Tiere zu Schaden gekommen."

Die Klein Lobker sorgen sich rührend um die Feuerwehr

Großfeuer im Ort - da rückt die Gemeinschaft in einem kleinen Dorf wie Klein Lobke schlagartig ganz eng zusammen: Als noch die Flammen aus dem Stroh schlugen, schleppten die ersten Nachbarn schon Kisten mit Mineralwasser als Erfrischung für die Feuerwehrleute heran. In Windeseile schafften die Klein Lobker außerdem belegte Brote und Brötchen heran, kochten Kaffee und bewirteten damit die schwer schuftenden Einsatzkräfte. "Das war wirklich großartig", sagt Stadtbrandmeister Jochen Köpfer: "Die Leute haben anscheinend den nächsten Supermarkt leer gekauft, um uns zu versorgen."

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Von Achim Gückel und Katja Eggers

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