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Appell: Behutsam mit Papenholz umgehen

Sehnde Appell: Behutsam mit Papenholz umgehen

Die Ratsfraktion der Grünen fürchtet um den Bestand des Papenholzes, weil ein beträchtlicher Teil für eine mögliche Erweiterung der KGS aus dem geschützten Landschaftsteil herausgelöst werden soll. "Hände weg vom Papenholz" lautete denn auch das Motto einer öffentlichen Fraktionssitzung.

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Die Grünen haben sich mit interessierten Bürgern und den Spitzen anderer Fraktionen das Papenholz angesehen.

Quelle: Oliver Kühn

Sehnde. Etwa 25 Interessierte waren der Einladung gefolgt, um sich bei einer Begehung anzusehen, welcher Teil des Stadtwaldes betroffen ist. Damit die Stadt Planungsfreiheit für eine Erweiterung der KGS mit bis zu 16 neuen Klassenräumen und einem größeren Außengelände bekommt, hatte der Rat beschlossen, 8400 der insgesamt 72.000 Quadratmeter aus dem geschützten Landschaftsbestandteil herauszunehmen - das sind etwa 12 Prozent. Einzig die Grünen hatten dagegen gestimmt. "Die Planungen erschließen sich uns auch jetzt nicht", sagt der Fraktionsvorsitzende Günter Pöser. "Wir werden uns zwar nicht an die Bäume ketten, aber dagegen wehren."

Auch die Naturschutzbeauftragte Daniela Liskow appellierte an die Politik, "behutsamer mit dem Papenholz umzugehen". Wenn sich die Nutzung verschiebe, sei das ganze Waldgefüge betroffen: "Und wir sind in Sehnde schon unterdurchschnittlich bewaldet." Wilfried Brauns, grüner Ortsratsherr in Dolgen und Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu), beschrieb den Wald als "grüne Lunge der Stadt" für Menschen, Tiere und Pflanzen. Viele Eichen seien mehr als 250 Jahre alt, dort lebten Spechte, Finken, Eulen, Waldkäuze und Fledermäuse.

Die Spitzen der ebenfalls erschienenen Ratsfraktionen von SPD und CDU verteidigten dagegen ihre Positionen. Man habe der Verwaltung nur die Freiheit gegeben, drei Varianten zu prüfen, sagte SPD-Chef Olaf Kruse. Der Rat habe so handeln müssen, damit die Genehmigungsbehörde das Verfahren nicht wegen Formfehlern kassiere. Denn ein neues Verfahren würde wieder viel Zeit kosten: "Aber diese Zeit hat die Schule nicht." Ein Eingriff sei die letzte Option, sollte eine Turnhalle an der Chausseestraße nicht verwirklicht werden können. Warum dann nicht der benachbarte Schützenplatz ins Auge gefasst werde, wollte eine Zuhörerin wissen. Weil das im Brandfall der Sammelplatz für 1700 Schüler sei, entgegnete der ebenfalls anwesende Schulleiter Carsten Milde.

Ralf Marotzke (CDU) verdeutlichte zudem, dass eine Planungsalternative auch ein gutes Verhandlungsargument beim Kauf des Grundstückes an der Chausseestraße sei. Sein Fraktionskollege Hartmut Völksen betonte, dass es sich um eine "Vorbehaltsplanung" handele. Ohne die Herauslösung aus der Schutzsatzung würde der Bebauungsplan sofort abgelehnt. Die Frage einer Anwohnerin, ob nicht die KGS-Oberstufe ausgelagert werden könnte, verneinte Milde: "Bei zwei Standorten leiden Schulen durch das ständige Pendeln, es fehlt dann auch die Vernetzung zwischen Sekundarstufe I und II."

Das „Pfaffenholz“ wurde 1543 erstmals erwähnt

Im Jahre 1543 wurde der Stadtwald Papenholz, ein Mischwald vorwiegend mit Eichen und Hainbuchen, erstmals erwähnt. Früher hieß er im Volksmund „Pfaffenholz“ (Pape ist die niederdeutsche Form von Pfaffe), weil es der Kirche gehörte und die Pfarrer dort unter anderem ihr Brennholz als Teil ihres Lohns holen durften. „Das war ein heimischer Auwald“, sagt die ehemalige Lehrerin Hannelore Schröder, die sich mit der Geschichte des Wäldchens beschäftigt hat. 1873 seien sogar 14.000 Hainbuchen gepflanzt worden, um der Versteppung der Landschaft vorzubeugen. Erst 1974 sei der Wald im Zuge der Gebietsreform von der Kirchengemeinde an die Stadt übertragen worden. 1996 erließ der Rat eigens eine Satzung für das Papenholz als geschützter Landschaftsbestandteil.

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Von Oliver Kühn

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