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Höver: Was fehlt, ist ein richtiger Dorfladen

Sehnde Höver: Was fehlt, ist ein richtiger Dorfladen

Als Christoph Schemschat noch ein Junge war, gab es in Höver (fast) alles: Geschäfte, Banken, Lebensmittelläden, Kneipen. Jetzt ist der 34-Jährige Ortsbürgermeister und macht sich Sorgen. Denn die Infrastruktur im Dorf blutet aus. "Wir brauchen einen Runden Tisch, um vielleicht einen Dorfladen zu gründen."

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Ortsbürgermeister Christoph Schemschat freut sich, dass es mit Emi's Backstube wenigstens wieder einen Bäcker in Höver gibt.

Quelle: Oliver Kühn

Höver. Die jüngste Hiobsbotschaft sei für ihn die Nachricht von der Schließung der Volksbank im März gewesen, erzählt der Industriekaufmann beim Ortsspaziergang. Dafür gebe es aber mit Emi's Backstube wenigstens wieder einen Bäcker im Dorf. "Die Resonanz darauf ist durchweg gut", sagt Schemschat. Demnächst soll dort auch ein Bücherschrank aufgestellt werden, denn Bänke stehen dort bereits. "Dann könnte man bei einem Kaffee in einem Buch schmökern", stellt sich Schemschat vor. Und wenigstens gebe es auch noch einen Kiosk im Ort. "Aber wer mobil ist, fährt zum Einkaufen nach Ahlten." Man müsse deshalb prüfen, ob es Interessenten für kleine Läden in Höver gebe.

Kritischer sieht er dagegen die immer wieder von der Stadt ins Spiel gebrachte Ansiedlung von Gewerbe am Ostrand in Richtung Ahlten. "Wir wollen nicht von beiden Seiten zugebaut werden und noch mehr Grün verlieren", meint der Ortsbürgermeister. Andererseits sehe er auch, dass die Stadt wegen des defizitären Haushalts Einnahmen brauche. Großes Interesse gebe es für das Neubaugebiet "Südwiese" mit 20 bis 30 Wohneinheiten. Dort sollen auch eine Streuobstwiese und ein Naturlehrpfad angelegt werden.

Voll zufrieden und ein wenig stolz ist der Ortsbürgermeister auf die gerade neu eingerichtete Ganztagsschule: "Das ist für Höver ein riesiger Standortvorteil, mit dem wir auch den Schulstandort modernisieren und sichern." Von Eltern, vor allem wenn beide arbeiten, habe er bei der Einschulung nur Gutes gehört. Zurzeit stehen Container für drei Klassen auf dem Schulhof, doch ein Anbau ist bereits in Planung. Pikantes Detail am Rande: Die AfD hatte bei der Entscheidung im Rat das Zünglein an der Waage gespielt. Die CDU/FDP-Gruppe wollte die Einführung ein Jahr verschieben, aber der ehemalige CDU- und nunmehrige AfD-Ratsherr Wolfgang Ostermeyer aus Höver hatte SPD, Grünen und dem Linken-Vertreter die Mehrheit gesichert.

Auch sonst ist Schemschat ein Kümmerer. Kein Wunder, ist er doch im Ort als "Höveraner Jung" bestens bekannt und vernetzt: Als Mitglied im Heimatbund, im Förderverein des Lehrschwimmbeckens ("Ohne diesen gäbe es das Schwimmbecken vielleicht schon nicht mehr") und früher als Vorsitzender der Stadtschützen der Stadt Sehnde. Beim Ortsspaziergang wird hier gewinkt und dort gegrüßt. Dass er bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr nur halb so viele persönliche Stimmen sie seine CDU-Konkurrentin und jetzigen Stellvertreterin Elisabeth Schärling bekommen hat und er dennoch Ortsbürgermeister geworden ist, sei für ihn "kein Problem": "Die SPD hat vier, die CDU nur drei Mandate. Das war eine Mehrheit, die wir umgesetzt haben."

Ein paar Projekte hat Schemschat noch auf der Agenda. Den sogenannten Brunnenplatz an der Hannoverschen Straße/Ecke Brunnenstraße möchte er gerne aufgewertet wissen, mit Fahrradbügeln und eventuell einer Sitzbank. "Die Stadt will dafür Vorschläge erarbeiten", sagt der 34-Jährige. Den Kampf, auf der Ortsdurchfahrt davor für Tempo 30 zu sorgen, habe der Ortsrat aber verloren. "Es gibt dafür keine Handhabe."

Andererseits habe man aber das lange geforderte Parkverbot im Petersweg durchgesetzt. Gewerbebetriebe und Landwirte hatten geklagt, dass sie dort wegen versetzt parkender Fahrzeuge oft kaum noch durchkommen. Das einseitige Fahrverbot gilt aber erst einmal nur bis Ende des Jahres. Ein Dorn im Auge sind Schemschat auch die auf den Parkplätzen abgestellten Lastwagen von Logistikfirmen am Sportplatz. "Dort bräuchten wir Schilder, um das zu unterbinden." Dagegen freut sich Schemschat auf die Renovierung des Spritzenhauses aus dem Jahr 1912 durch den Realverband. "Das ist ja ein Wahrzeichen für Höver."

Der Lieblingsplatz

Eine Herzensangelegenheit ist Christoph Schemschaft der im Vorjahr eröffnete Mehrzweckplatz Am Kleikamp. Der frühere B-Platz des TSV Höver lag lange Zeit brach. "Das könnte ein Gemeinschaftsprojekt aller Vereine werden", hofft der junge Ortsbürgermeister. Die Bogenschützen übten dort bereits, auch das Beachvolleyballfeld werde schon gut genutzt, und ein Bolzplatz-Kleinfeld sei bereits in Planung. Eventuell könne dort auch eine Spielecke für Kinder und ein Grillplatz mit Bänken integriert und das Dorffest vom Schulhof dorthin verlegt werden. "Dann kann sich der Platz zu einem Treffpunkt entwickeln", meint Schemschat. Der Baufinanzierer interhyp aus dem Ort habe bereits 1000 Euro für die Umgestaltung zur Verfügung gestellt. Vielleicht könne man dort zudem die Abnahme für ein "Sportabzeichen Höver" etablieren. Ansonsten ist der Ortsbürgermeister mit seiner Labrador-Bulldogge Nelly oft in der Feldmark nördlich des Kreisels anzutreffen. "Da habe ich schon als Kind gespielt und bin auf Bäume geklettert", erinnert sich der 34-Jährige.

Der Ort Höver

Das Dorf Höver wurde im Jahr 1250 erstmals erwähnt und hat aktuell 1942 Einwohner - darunter 224 Ausländer (davon 93 EU-Bürger). Pfründe des Dorfs sind die Ganztagsschule, die Kindertagesstätte, das Lehrschwimmbecken und die Turnhalle sowie eine Ortsfeuerwehr, die sowohl eine Kinder- als auch Jugendabteilung hat. Größtes Unternehmen im Ort ist der Zementhersteller Holcim. Die Zeiten, in denen Autos und Häuser bei der Produktion öfter mit weißem Staub überzogen wurden, sind jedoch vorbei. Und seit diesem Jahr ist der Ort stolz auch einen prominenten Sohn: Den gebürtigen Höveraner Alexander Jahnke, der unlängst bei der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" den zweiten Platz belegt hat.

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Von Oliver Kühn

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