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Männer in der Mehrheit - auch wegen der JVA

Sehnde Männer in der Mehrheit - auch wegen der JVA

Sehnde ist außergewöhnlich: Zumindest seine Bevölkerungsstatistik. Die Stadt ist die einzige Kommune in der Region Hannover, in der mehr männliche als weibliche Einwohner ihren ersten Wohnsitz haben. Der Grund dafür findet sich am Schnedebruch. In der Justizvollzugsanstalt.

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Die Justizvollzusanstalt am Schnedebruch in Sehnde aus der Vogelperspektive.

Quelle: Hiller

Sehnde. Der Vorsprung des sogenannten starken Geschlechts ist deutlich: Von den exakt 23.891 Menschen, die derzeit mit erstem Wohnsitz in Sehnde gemeldet sind, gehören 12.119 dem männlichen Geschlecht an, 11.772 sind weiblich. Ein Vorsprung von 347 Köpfen für die Männer.

Zum Vergleich: In Lehrte lebten laut Landesamt für Statistik am 30. September 2015 exakt 21.622 Frauen und 21.894 Männer. In der gesamten Region Hannover waren es zum selben Stichtag 555.591 Männer und 582.740 Frauen. Auch bundesweit liegen die Frauen mit einem Verhältnis von etwa 51 zu 49 Prozent vorn.

Für Sehnde gilt dieses Verhältnis seit der Inbetriebnahme der Justizvollzugsanstalt am Schnedebruch vor etwa zwölf Jahren nicht mehr. In dem Gefängnis sitzen ausschließlich Männer ihre Haftstrafen ab. 534 Haftplätze gibt es dort, 428 davon für Strafgefangene, 106 für Untersuchungshäftlinge. Und grundsätzlich lautet die Regelung: Wer am Schnedebruch einsitzt und nicht verheiratet ist, der wird auch mit erstem Wohnsitz in Sehnde gemeldet. Das gilt nach Angaben von Ines Raulf, Sprecherin der Stadtverwaltung, derzeit für exakt 273 Männer - ein entscheidender Faktor für die Frauen-Männer-Balance in Sehnde.

Die Männer im Gefängnis bescheren Sehnde aber nicht nur ungewöhnliche Zahlen in der Bevölkerungsstatistik. Sie sind für die Stadt auch bares Geld wert, denn bei den sogenannten Schlüsselzuweisungen des Landes bringt jeder Einwohner bares Geld. Laut Raulf sind das für Sehnde etwa 250 Euro pro Person. Ähnliches gilt für den Anteil an der Einkommenssteuer, den die Stadt einstreicht - etwa 1200 Euro pro Einwohner und Jahr.

Letztlich bringen die Inhaftierten der Stadt also Geld, kosten aber nichts und machen dem Rathaus keine Mühe? Stimmt nicht ganz, sagt Raulf. Bei der Bearbeitung von Personalausweisen oder bei Eheschließungen von Inhaftierten falle dann doch allerhand Arbeit an. Apropos Ehe: Ein verheirateter JVA-Insasse hat im Gefängnis grundsätzlich nur seinen Nebenwohnsitz, der Hauptwohnsitz bleibt (rein meldetechnisch) bei seiner Ehefrau.

Genau betrachtet, hat Sehnde derzeit allerdings auch ohne die Insassen der JVA einen leichten Männerüberhang. Wo diese ungewöhnliche Schieflage herkommt, sei aber nicht wirklich zu erklären, meint Raulf. Aber vielleicht liege das ja an den vielen netten Frauen in der Stadt, denen die Männern gern in Scharen hinterher zögen, meint sie scherzhaft.

Von Achim Gückel

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