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Besser Gasthaus als Turnhalle

Wehmingen Besser Gasthaus als Turnhalle

Das Interesse ist riesig: Mehr als 120 Einwohner - jeder sechste Wehminger - sind am Dienstag zur Einwohnerversammlung für die Unterbringung von 25 Flüchtlingen im Gasthaus Wehminger Hof gekommen.

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Einige müssen sogar stehen: Mehr als 120 der 700 Wehminger kommen zur Einwohnerversammlung ins Schulhaus.

Quelle: Oliver Kühn

Sehnde. Der Einzugstermin sei wahrscheinlich im Januar, sagte Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke. Und er deutete gleich zu Beginn an, dass er nicht über die große Politik diskutieren wolle: „Wir müssen die Leute unterbringen, das ist unsere Aufgabe.“ Und die wird immer schwieriger. Kamen bis September etwa 14 Flüchtlinge pro Monat, sind es derzeit 14 pro Woche. Vor fünf Jahren lebten überhaupt nur 19 Asylbewerber in Sehnde, derzeit sind es 239 - und bis Ende des Jahres mehr als 300.

Zahlen für nächstes Jahr, nach denen ein Besucher fragte, habe er noch nicht, sagte Lehrke. Doch gebe es aus dem Innenministerium Signale, dass sich die Quoten verdoppeln könnten. Der Bürgermeister appellierte erneut daran, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, denn Turnhallen wolle er nicht belegen. Auch das Straßenbahnmuseum im Ort, wie ein Zuhörer anregte, sei mangels Küche und Sanitäranlagen nicht geeignet. Aktuell gebe es noch 88 freie Plätze in Wohnungen für Flüchtlinge.

Die wenigen Fragen beantwortete Lehrke kurz: Wie ist die Sicherheitslage? Bislang keine Auffälligkeiten. Was ist mit der zunehmenden Bettelei? Das sind organisierte Banden, die die Situation als Trittbrettfahrer ausnutzen. Dürfen Flüchtlinge den Nahverkehr nutzen? Asylbewerber erhalten wie Hartz-IV-Empfänger verbilligte Tickets und müssen diese selbst bezahlen. Deshalb seien Fahrradspenden willkommen.

Der Sportverein TuS Wehmingen hat sich bereits positioniert. Er hat einen Flüchtlingsjungen in die Fußballmannschaft integriert, sagt Trainerin Nadine Andres: „Das ist eine Bereicherung für das Team.“ Für Asylbewerber werde der Verein vorläufig keine Beiträge erheben. Sie sei froh, dass der Wehminger Hof zur Verfügung stehe - denn wenn die Turnhalle belegt würde, „wäre der Sport tot“. Auch eine Wehmingerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, hat sich in die Helferliste eingetragen. „Ich war früher Stenografielehrerin und will Flüchtlingen die Sprache beibringen“, sagt die 53-Jährige. Die Situation könne man nicht allein der Politik überlassen.

Stadt will auch die Wohnungen im Gasthaus

Im Gasthaus Wehminger Hof sollen maximal 25 Flüchtlinge untergebracht werden – wenn möglich vornehmlich Familien. Neun Gästezimmer inklusive Bad sind für je ein bis zwei Personen ausgelegt. Dazu kommen ein großzügiger Flurbereich, der als zusätzliche Gemeinschaftsfläche genutzt werden kann, sowie ein Gastraum, der ebenfalls als Gemeinschaftsraum zur Verfügung steht. Ein weiterer Vorteil: In dem Restaurant gibt es eine Küche mit ausreichend Koch-, Spül- und Waschgelegenheiten. Darüber hinaus gibt es in dem Haus an der Von-Wemighe-Straße noch drei Wohnungen mit insgesamt 120 Quadratmetern Wohnfläche. Darüber stehe man in Vertragsverhandlungen, sagte Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke.

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