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Sehnde Jetzt kommt die Leseoma in die Kita

Der Sehnder Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat am Dienstag ein ungewöhnliches Projekt begonnen. Er schickt jetzt regelmäßig sogenannte Leseomas in den Kindergarten an der Marggrafstraße.

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Die Kinder hören begeistert Sieglinde Schünemann beim Vorlesen eines Märchens zu.

Quelle: Achim Gückel

Sehnde. Als Esel, Hund, Katze und Hahn in die weite Welt hinausziehen, sind die Kinder ganz Ohr. Die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten hat schon Generationen in den Bann gezogen. Bei den Kleinen im Kindergarten an der Marggrafstraße ist das nicht anders. Etwas Besonderes ist jedoch die Vorleserin. Dabei handelt es sich um Sieglinde Schünemann. Eine Oma.

Alle 14 Tage soll jetzt eine von drei Leseomas der AWO in dem kleinen Kindergarten vorbeischauen und den Kindern etwas vorlesen. Denn Vorlesen rege die Fantasie an, könne ein ritueller Fixpunkt im Tagesablauf von Kindern sein, fördere das Miteinander, schule Sprachverständnis und Wortschatz: All das sagt Corinna Gerardi, Vorsitzende der AWO in Sehnde. Sie gesellte sich gestern, zum Auftakt des Projekts, unter die Kinder und hörte ebenfalls zu.

Gerardi erhofft sich von der Aktion aber noch mehr. Sie möchte gern die Generationen zusammenbringen: „Auch die Leseomas freuen sich. Sie werden an ihre Zeit mit den eigenen Kindern erinnert. Die Aktion ist ein Geben und Nehmen auf beiden Seiten.“

Für Kindergartenleiterin Martina Lübberstedt setzt das Vorlesen auch einen wichtigen Gegenpol zu anderen Freizeitbeschäftigungen von Kindern: „Die Nähe beim Vorlesen kann keine DVD und kein Fernseher erreichen. Die ist echt“, sagt sie. Wenn jetzt regelmäßig eine Leseoma in ihre Kita komme, sei das auch eine Chance für die Kinder, eine neue Beziehung zu einem Menschen aus einer anderen Generation zu knüpfen. Für die vielen Kinder aus Migrantenfamilien, die die Kita besuchen, sei das Vorlesen außerdem die Chance, „die deutsche Sprache zu erweitern“.

Gerardi möchte, dass sich die Leseomas nun erst einmal an diesem einen Kindergarten etablieren. Sie schließt aber nicht aus, dass das Modell auch auf andere Kitas in der Sehnder Kernstadt übertragbar ist. Das komme auf das Interesse bei den Verantwortlichen und auch bei den Leseomas an.

Und was ist mit Leseopas? „Die hätten wir natürlich auch supergern dabei“, sagt Gerardi.

Sieglinde Schünemann (61) ist die erste Leseoma, die in der Kita Marggrafstraße zum Märchenbuch griff. Sie hat eine Enkeltochter. Mit ihr sprach unser Redakteur Achim Gückel.

Frau Schünemann, hat Ihnen das Vorlesen heute Spaß gemacht?

Ja. Das war richtig aufregend für mich. Aber die Kinder waren ja so lieb. Sie sind auch ganz still gewesen und haben prima zugehört.

Lesen Sie ihrer Enkelin auch öfter etwas vor?

Ja, das mache ich gern. Aber leider lebt mein Enkelkind weit weg.

Die Kinder hatten Spaß, als Sie Ihnen gelauscht haben. Das merkte man, oder?

Das hat man deutlich gemerkt. Vielleicht haben es Kinder heute nicht mehr so oft, dass sich jemand die Zeit nimmt und ihnen etwas vorliest. Aber wenn Kinder toben, brauchen sie auch mal Ruhe. Das geht am besten, wenn sie eine Geschichte hören.

Und was bedeutet das Vorlesen für die Leseoma?

Das ist wirklich ein schönes Gefühl, wenn mir die Kinder sagen, dass ich weiterlesen soll.

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Ein Ausflug nach Sehnde

Sehnde liegt im Südosten der Region Hannover und zählt rund 24.200 Einwohner.

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