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Kiffender Rentner fliegt auf

Sehnde Kiffender Rentner fliegt auf

Ein bisschen Einfältigkeit war mit im Spiel: Weil er auf seinem Balkon im Erdgeschoss sowie im Garten 65 Cannabispflanzen gezüchtet hat, ist ein 68-jähriger Rentner vom Amtsgericht Lehrte zu einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt worden.

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Der Anbau von Cannabispflanzen auf dem Balkon ist illegal. Deshalb muss ein Rentner jetzt eine Geldstrafe zahlen.

Quelle: Andreas Gebert

Sehnde. Der Sehnder ist nicht nur 68 Jahre alt, sondern offenbar auch ein „altgedienter 68er“, wie es Amtsgerichtsdirektor Robert Glaß ausdrückte. „Ja, da fing alles an“, bekannte der Senior am Dienstag freimütig. Doch er habe alles nur für den Eigenverbrauch angebaut. Das mache er bereits seit 2002 so, als er nach einer Bandscheibenbehandlung Schmerzen hatte. „Für mich ist das Biomedizin, und es macht mich happy“, sagte der Sehnder ganz offenherzig. Ein Attest oder eine Verschreibung von einem Arzt konnte er aber nicht vorweisen. „Damit ist der Anbau ganz einfach verboten“, betonte Glaß.

Aufgeflogen war der Rentner, weil eine Mitarbeiterin seiner Wohnungsgesellschaft im vergangenen August die Zucht auf dem Balkon der Erdgeschosswohnung entdeckt und die Polizei verständigt hatte. Diese stellte 65 Pflanzen sicher, davon 755 Gramm geerntete Blätter und 1800 Gramm Stängel. Für den Sehnder offenbar nicht unerwartet: „Ich hatte mit der Polizei gerechnet.“

Ein Dealer war der 68-Jährige aber nicht. Es habe sich nicht um eine professionelle Plantage mit Wärmelampen gehandelt, sagte ein Polizeikommissar als Zeuge aus. Es seien auch keine Hinweise auf Handel wie etwa Verpackungsmaterial gefunden worden. Der Angeklagte hat nach eigener Aussage vielmehr auf die Kraft der Natur gesetzt: „Auf dem Balkon kamen die Pflanzen am besten.“ Die Samen habe er bekommen, als er einmal in Hannover „Gras“, also Marihuana, gekauft habe. Und aus den Stängeln habe er Hanfpapier machen wollen. „Selbst dafür bräuchten Sie eine Genehmigung“, warf der Staatsanwalt ein. So sei es illegaler Anbau von Betäubungsmitteln.

Weil der Sehnder nur über eine kleine Rente von 400 Euro plus Grundsicherung verfügt und keinerlei Vorstrafen hat, blieb das Gericht bei einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à zehn Euro, abzustottern in monatlichen 30-Euro-Raten. „Wenn Sie künftig kiffen wollen, gehen Sie dahin, wo es erlaubt ist“, gab ihm Glaß mit auf den Weg.

von Oliver Kühn

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