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Berichte über Tragödie rühren die Besucher

Sehnde Berichte über Tragödie rühren die Besucher

Wenn es in den vergangenen Monaten um das Thema Flüchtlinge ging, zeigten die Medien in der Regel Bilder aus Griechenland, der Türkei und von der sogenannten Balkanroute. Fast vergessen scheint, dass die Jahre zuvor regelmäßig Berichte von überfüllten Booten zu sehen waren, die den Weg über das Mittelmeer nach Italien suchten.

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Werner Läwen (von links), Hiltrud Schwetje und Hans Jürgen Pabst lesen die Berichte vom Unglück vor Lampedusa.

Quelle: Michael Schütz

Rethmar. Am Donnerstagabend erinnerten die Kirchengemeinde Rethmar und das Ehrenamtliche Netzwerk für Asylsuchende in Sehnde (ENAS) an den Tod von 366 Flüchtlingen, die am 3. Oktober 2013 vor der italienischen Insel Lampedusa während einer Überfahrt von Afrika nach Europa ertrunken waren.

Der in Hannover lebende Autor Antonio Umberto Riccò und der Musiker Francesco Impastato haben aus dieser Tragödie eine szenische Lesung gemacht, die in der Katharinenkirche in Rethmar zu sehen war. Der Verein zur Förderung gemeinnütziger Zwecke in der Stadt Sehnde hatte die Veranstaltung mit 450 Euro gesponsert.

Dabei waren es weniger die Bilder der Rettung Überlebender, die über die Leinwand im Altarraum flimmerten, sondern die Berichte der Augenzeugen – Flüchtlinge wie Helfer – die die Besucher in dem gut gefüllten Gotteshaus sichtlich anrührten. Es floss so manche Träne.

Pastor Hans-Jürgen Pabst, sein Laatzener Kollege Werner Läwen sowie die Gemeindemitglieder Hiltrud Schwetje, Karl-Heinz Reinsch und Roswitha Makrutzki lasen abwechselnd die Zitate. Darin berichteten Flüchtlinge, wie sie neben sich Menschen sterben sahen. Fischer erzählten von Flüchtlingen, die sie zurücklassen mussten, weil ihr eigenes Schiff nicht groß genug war. Taucher gaben Zeugnis von den Leichen, die sie wenig später unter Wasser fanden.

Hiltrud Schwetje, Niedersachsens ehemalige First Lady, gab hinterher in einem Gespräch mit dem Publikum zu, dass es ihr schwer falle, über die Lesung zu sprechen. Sie vermutete, dass nach der Schließung der Balkanroute ähnliches passieren wird: „Wenn sich die Winterstürme auf dem Mittelmeer ausgetobt haben.“ Sie beklagte, dass Menschen, die Schutz suchten, in Europa wie Schachfiguren benutzt werden. „Wo ist das Europa des Humanismus? Ich kann es im Moment nicht sehen.“

Von Michael Schütz

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