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Politiker wollen Ausbau der B 65 nicht

Sehnde Politiker wollen Ausbau der B 65 nicht

Klares Nein gegen den Neu- und Ausbau der Bundesstraße 65 im Stadtgebiet: Sehndes Kommunalpolitiker haben den entsprechenden Plänen des Bundes auf breiter Front eine Absage erteilt. Alle betroffenen Ortsräte sowie der Ausschuss für Stadtentwicklung stimmten gegen das Projekt. Es zerschneide die Landschaft und hänge Bilm ab.

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Keine neue Trasse für die B 65: Sehnde sagt Nein zu den Plänen des Bundes.

Quelle: Achim Gückel

Sehnde. Knüppeldicke voll ist es im Saal des Rathauses gewesen, als dort die Ortsräte aus Bilm, Ilten, Rethmar, Sehnde und Dolgen-Evern-Haimar zusammenkamen. Fast 100 Gäste wollten hören und sehen, wie die Kommunalpolitiker zu den Plänen des Bundes für die B 65 stehen. Vor dem Saal prangte ein Schild mit der Aufschrift „Gegen Ortsumgehung B 65 Ilten“.

Die Stadtverwaltung hatte zuvor eine fünfseitige Stellungnahme erarbeitet, in der sie den Neu- und Ausbau der Bundesstraße im Stadtgebiet ablehnt. Alle Gremien sagten nacheinander Ja zu dieser Stellungnahme der Stadt. Die Ortsräte aus Bilm und Ilten taten dies einstimmig. Aus Dolgen-Evern-Haimar, Rethmar und Sehnde gab es je eine Nein-Stimme.

Erst vor wenigen Wochen war das Projekt B 65 im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans in den sogenannten vorrangigen Bedarf eingestuft worden. Es sieht eine Umgehung westlich von Ilten sowie eine völlig neue Trassenführung zwischen Sehnde und Peine vor – unter anderem nördlich an den Ortschaften Rethmar, Evern und Dolgen vorbei.

In Bilm wehrt sich mittlerweile eine Bürgerinitiative gegen diese Pläne. Und die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth hatte erst am Dienstag bei einem Ortstermin gesagt, dass es „gegen den Willen vor Ort“ keine Umgehung geben werde.

In der gemeinsamen Sitzung der Ortsräte brachten viele der Kommunalpolitiker, aber auch etliche Bürger, Argumente gegen den B 65-Ausbau vor. Es müsse um den Schutz der Natur und Naturdenkmäler gehen, hieß es. Die geplante Trasse zerschneide Wirtschaftswege, wirke für Bilm wie eine Barriere auf den Wegen zu Nahversorgern oder zur Schule, konterkariere andernorts die Flurbereinigung, zerstöre mithin weite Teile der Sehnder Landschaft und trage Verkehrslärm in bisher ruhige Bereiche. Es werde durch die eine neue B 65 in den Dörfern nicht leiser, sondern eher lauter, prophezeite ein Bürger.

Bilms Ortsbürgermeister Bernd Ostermeyer sagte, man wolle „eigentlich keine B 65 als Ausweichstrecke für die Autobahn 2". Vielmehr müsse man an den Ursachen für die Überlastung der A 2 arbeiten. Das steht auch in der Stellungnahme der Stadt zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplan. Ausschließlich der Ausbau der A 2 von sechs auf acht Fahrstreifen entlaste das überregionale Verkehrsnetz im Raum östlich und westlich von Hannover.

Einige wenige Stimmen für die neue B 65-Trassenführung gab es indes auch. Gunda Jänke (CDU) aus Rethmar etwa erinnerte an den Schwerlastverkehr, der zurzeit mitten durch ihr Dorf rollt, die Anwohner belastet und eine potenzielle Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer darstelle. Man müsse bei den Überlegungen zur B 65 nicht die Natur, sondern den Mensch mehr in den Vordergrund stellen, sagte sie und erntete dafür auch Applaus.

Hohenhameln fündet B 65-Pläne gut

Von den Plänen des Bundes für eine neue Trassenführung der B 65 östlich von Hannover ist nicht allein die Stadt Sehnde betroffen. Sie berühren auch Gebiete im Landkreis Peine – etwa jenes der Gemeinde Hohenhameln. Im dortigen Rathaus begrüßt man die Pläne aus Berlin ausdrücklich. Die neue B 65-Trasse würde unter anderem die Ortschaft Mehrum vom Durchgangsverkehr befreien. Frank Meißner, Vertreter des Bürgermeisters in Hohenhameln, erinnert an einen Beschluss des Gemeinderats von 2010, in dem die Aufnahme der Umleitungsstrecke in den Bundesverkehrswegeplan angeregt wurde: „Ich gehe davon aus, dass der Anstoß zur aktuellen Entwicklung aus Hohenhameln kam“, meint Meißner.

Der erste Absatz der Sehnder Stellungsnahme im Wortlaut

Die Stadt Sehnde sieht ausschließlich den Ausbau der A2 von sechs auf acht Fahrstreifen plus Standstreifen als Maßnahme zur Entlastung im überregionalen Verkehrsnetz im Raum östlich und westlich von Hannover. Diese Gesamtlösung für die Region Hannover ist dann auch mit der Zielsetzung des Entwurfs zum Bundesverkehrswegeplan 2030 - Teilbereich Straßen "Erhalt vor Neubau oder Engpassbeseitigung in hoch belasteten Korridoren - in Übereinstimmung zu bringen.

Die Stadt Sehnde lehnt die als Neu- und Ausbau benannte Ertüchtigung der B 65 östlich, südlich und westlich von Hannover ab, denn es handelt sich hierbei um eine Engpassbeseitigung für den Verkehr auf der Bundesautobahn 2 in einem sehr hoch belasteten Korridor.

Für den Ausbau der B 65 westlich, südlich und östlich von Hannover fehlt es an einem Konzept, welches durchgängig tragfähig ist: Auf Teilstrecken im Westen wird ein vier- bis sechsstreifiger Aus- oder Neubau vorgeschlagen, auf Teilstrecken im Osten im Stadtgebiet Sehnde wird ein zweistreifiger Neubau vorgeschlagen, in Bereichen dazwischen wird gar keine Maßnahme vorgeschlagen. Hinzu kommen im Stadtgebiet von Hannover drei Kreisverkehre, die jeweils Engpässe darstellen und das heutige Verkehrsaufkommen gerade bewältigen.

Von Achim Gückel

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