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Ortsspaziergang: Gemeinschaft stärkt das Dorf

Sehnde Ortsspaziergang: Gemeinschaft stärkt das Dorf

Der Sehnder Ortsteil Wehmingen besticht vor allem durch seine starke Dorfgemeinschaft. Mit dem freiwilligen Einsatz vieler Bewohner sind etwa der Anbau an das Dorfgemeinschaftshaus und die Bürgerwiese entstanden.

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Olaf Kruse ist stolz auf den Anbau, das Dorfgemeinschaftshaus in Wehmingen. Es wurde mit viel Eigeninitiative von Dorfbewohnern errichtet.

Quelle: Patricia Oswald-Kipper

Wehmingen. Auf die starke Gemeinschaft in Wehmingen ist Ortsbürgermeister Olaf Kruse beim Ortsspaziergang besonders stolz: "Wenn es darauf ankommt, ein paar Hände mehr zu haben, dann hat man die in Wehmingen." So sei mit viel Eigeninitiative etwa der Anbau an das Alte Schulhaus realisiert worden. Der Raum wird als Dorfgemeinschaftshaus von den Vereinen wie Schützen und Sportverein, aber auch von der Feuerwehr und dem benachbarten Kindergarten als Bewegungsraum genutzt. Auch der Dorfplatz am Alten Schulhaus wurde mithilfe der Einwohner vor einigen Jahren neu gestaltet.

Kruse selbst ist erst Ende der Neunzigerjahre von Bolzum in den Nachbarort Wehmingen gezogen - weil es damals in seinem Heimatort keine Bauplätze gab. Kruse hat es nie bereut. So sei es damals nicht schwer gewesen, Anschluss zu finden. Neuzuzügler, die bereit seien, sich zu engagieren, würden auch heute noch mit offenen Armen aufgenommen, sagt er.

Kruse lobt seinen Vorgänger im Amt bis 2016, den Landwirt Heinrich Heineke. "Ihm und seiner Frau hat der Ort viel zu verdanken", sagt er. Der Landwirt war ein politisches Urgestein und kannte jeden Einwohner, förmlich auch jeden Stein und jeden Baum. Kruse selbst verkörpert eine neue Generation. Er arbeitet in Hannover und ist dienstlich viel unterwegs. "Vieles muss jetzt anders laufen, da ich nicht so häufig im Ort bin", sagt er. Die neue regelmäßige Bürgersprechstunde kommt da sehr gut an. "So erfahre ich viel über die Sorgen und Bedürfnisse der Bürger."

Bekannt ist Kruse im Dorf vor allem bei den Drei- bis Sechsjährigen. "Hallo Herr Kruse", rufen ihm die Kinder im Kindergarten schon von Weitem zu. Den Ortsbürgermeister, der selbst Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder ist, freut das. "Die Kinder kennen mich von der Brandschutzerziehung, die ich einmal im Jahr gebe." Wenn Kruse über Wehmingen spricht, dann kommt er ins Schwärmen. Von allen Seiten böten sich tolle Perspektiven über die Landschaft. Ob vom alten Dorf in Richtung Mittellandkanal oder vom Roten Berg in Hohenfels, wo man bis nach Hannover, zum Deister und zum Bockmerholz blicken kann - bei guter Sicht sogar bis zum Brocken. "Wo hat man das schon", meint Kruse.

Und der Ort ist keineswegs verschlafen. Die Anbindung nach Hannover mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei sehr gut. Ein Bus verkehrt sogar stündlich zwischen Wehmingen und der Landeshauptstadt. Und auch die Nahversorgung hat sich deutlich verbessert. Der Dorfladen in Bolzum hat den Ort Wehmingen bereichert. "Der wird von den Dorfbewohnern gut genutzt", weiß Kruse. Natürlich habe der Ort auch seine Probleme - so sei das Angebot für Jugendliche etwa sehr begrenzt. Auch fehle die ein oder andere Bank im Ort, und das Kopfsteinpflaster an der Hohenfelser Straße müsse erneuert werden. "Allerdings sind das alles vergleichbar kleine Probleme", räumt Kruse ein.

Als touristisches Highlight für den Ort lobt er das Hannoversche Straßenbahn-Museum auf Hohenfels. Die Umwandlung der Bergwerks-Industriebrache in ein Museum mit angrenzendem Wohngebiet sei gelungen, so Kruse. Etwas ganz besonderes ist dabei der alte Wasserturm, der nach einem Umbau vor einigen Jahren drei Wohnungen in luftiger Höhe beherbergt. Der Turm und das sogenannte Smartie-Windrad geben dem Ort schon von Weitem ein Gesicht. "Wenn ich den Turm und das Windrad sehe, weiß ich: ich bin zu Hause", sagt Kruse.

Der Ort ist bis 2005 stetig gewachsen. 710 Einwohner zählt er heute. Die Neubaugebiete haben Bewegung hineingebracht", meint Kruse. Und damit dieses so bleibt, möchte Kruse in naher Zukunft ein weiteres Baugebiet realisieren.

Lieblingsplätze mitten im Dorf und Zuhause

Der Platz vor dem Dorfgemeinschaftshaus am Alten Schulhaus in der Von-Wemighe-Straße gehört zu Olaf Kruses Lieblingsplätzen. "Hier spielt sich eigentlich das ganze Leben im Dorf ab." Von den Bänken auf dem Dorfplatz kann man das beschauliche Dorftreiben gut beobachten. Tagsüber ist es eher ruhig. Nur selten kommen Radfahrer oder Fußgänger vorbei. Aber bei Feierlichkeiten oder Treffen der Vereine sei auf dem Platz immer viel los. Zu den Lieblingsplätzen des Ortsbürgermeisters gehört auch die sogenannte Krönungseiche, die zu Ehren der Krönung von Queen Elisabeth 1953 gepflanzt wurde. "Von diesem Platz hat man einen schönen Blick bis nach Bolzum", meint Kruse. Dort soll auch demnächst eine Bank errichtet werden, die zum Verweilen einlädt. Kruses absoluter Lieblingsplatz ist aber zu Hause bei seiner Frau. "Ich bin so oft unterwegs, dass ich dann ehrlich gesagt zu Hause am liebsten bin."

Vom Bergwerk Hohenfels zum Straßenbahnmuseum

1890 war das Salzfeld in ein paar hundert Metern Tiefe unter dem Roten Berg bei Wehmingen entdeckt worden. Der 105 Meter hohe Rücken besteht aus rötlichem Buntsandstein. Ein Berliner Konsortium sicherte sich die Bohrrechte und traf in 600 Metern Tiefe auf das begehrte Steinsalz. 1902 ging das Kalibergwerk als „Gewerkschaft Hohenfels“ in Betrieb. Eine Werkbahn sicherte den Abtransport der Kalisalze zum Bahnhof Algermissen an der Strecke Lehrte-Hildesheim. Die Werkbahn wurde 1926 stillgelegt. Ende der dreißiger Jahre wurde auf dem Gelände ein Munitionslager der Wehrmacht eingerichtet. Bis 1966 nutzte die britische Armee das Werksgelände, bis 1973 die Bundeswehr. In den Achtzigerjahren bezog das Hannoversche Straßenbahn-Museum die Flächen und Gebäude. Das Museum wird seitdem in privater Trägerschaft und durch ehrenamtliche Tätigkeit vom Verein Hannoversches Straßenbahn-Museum e. V. betrieben.

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