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Ortsspaziergang: Wassel punktet mit Dorfkern

Sehnde Ortsspaziergang: Wassel punktet mit Dorfkern

In der Serie "Spaziergänge mit dem Ortsbürgermeister" wirbt Almuth Gellermann für einen Besuch in ihrem 690-Seelen-Dorf. Ein Spaziergang lohne sich - egal, ob für Natur- und Kulturfreunde oder Hundebesitzer. Ein Manko des Ortes sei allerdings die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

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Ortsbürgermeisterin Almuth Gellermann auf der Seilbahn im Dorfkern von Wassel.

Quelle: Sandra Köhler

Wassel. Wassel sei nicht nur ein Flecken an der Bundesstraße 443. Der Natur-Kultur-Pfad (natur-kultur-wassel.de) beginnt an der ehemaligen Dorfschule, der neu angelegte Kinderpfad im Park am Pfarrgarten. "Wer ein QR-fähiges Handy hat, kann dort Natur, Historie und Geschichten aus dem Ort erleben", sagt Gellermann. Für Hundebesitzer gebe es drei schöne Gassirouten nach Norden, zwei nach Süden und eine nach Westen. "Die erkennt man leider auch daran, dass dort einige Hundebeutel auf dem Boden liegen." Die Hinterlassenschaften würden zwar eingepackt, aber nicht mitgenommen. "Gut, dass nicht alle Hundehalter so sind."

"Wenn man von der Ortsdurchfahrt abweicht, kann man in den Gassen viel vom Dorf sehen", rät die CDU-Frau, die seit 15 Jahren Ortsbürgermeisterin ist. An der Einmündung Große Kampstraße/Schulgasse etwa steht die alte Volksschule, die jetzt in Privatbesitz ist. Um diese 1950 bauen zu können, hatte Wassel, damals noch eigenständige Gemeinde, die Bürger mit ins Boot genommen. Diese unterstützten den Bau finanziell und erhielten dafür sogenannte Bau-Anteilsscheine. Einer davon befindet sich im Familienbesitz der Ortsbürgermeisterin. Als die Schule im Zuge der Gebietsreform an Sehnde fiel und Ende der Siebzigerjahre schließlich geschlossen und veräußert wurde, seien viele Wasseler entsprechend verärgert gewesen: "Das war zwar rechtlich alles in Ordnung so, aber die Leute kamen sich übergangen vor."

Nahe der Schule an der Große Kampstraße befindet sich auch der Dorfmittelpunkt mit Kirche, Feuerwehr, Bouleplatz, Spielplatz, der Sporthalle des MTV Wassel und dem Blockhaus als Jugendtreff: "Ich finde es bestechend, das es so etwas in Wassel gibt", sagt Gellermann: "Das hat nicht jeder Ort." Das Dorfzentrum werde von allen Altersgruppen rege genutzt, zu Feiern und Veranstaltungen ebenso wie zum zwanglosen Treffen und Austauschen. "Damit es auch genug Sitzmöglichkeiten gibt, hat die Junggesellschaft dort extra eine Bank aufgestellt." Das Miteinander in Wassel funktioniere gut.

Ein Manko des Ortes sei die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sagt Gellermann - zumindest außerhalb der Schulzeiten: "Einfach einsteigen und losfahren ist nicht." Abends von Hannover zurückzukommen, verlange Planung und auch ein wenig Glück: "Da muss man in Ahlten aussteigen und die Linie 371 bekommen. Wenn man Glück hat, fährt die dann auch nach Wassel und nicht nur nach Bilm." Rufbereitschaft, Nachttaxi - wer in Wassel wohne, habe sich damit irgendwie arrangiert, sagt die Ortsbürgermeisterin.

Ebenso wie mit dem hohen Verkehrsaufkommen auf der B443 und der Ortsdurchfahrt. "Das ist nicht schön, gerade wenn man mit kleinen Kindern oder Kinderwagen unterwegs ist." Viele führen viel zu schnell in den Ort hinein. Da sei der Ortsrat schon seit Jahren dran, um eine Verschwenkung oder eine Verkehrsinsel zu erreichen. "Aber das kostet zu viel", sagt Gellermann. Und mit der Herabstufung der B443 zur Regionsstraße auf der Strecke zwischen Sehnde und der Autobahn würden die Chancen auch nicht besser.

Auch was die Häuser an den Haupt- und Nebenstraßen angeht ist Wassel vielfältig und bunt. Da stehen klassisches Fachwerk- und modernes Niedrigenergiehaus nebeneinander und gibt es vom Flach- bis zum Fußwalmdach alle Ausprägungen. Für Gellermann ein besonderes Schmuckstück ist das Fachwerkensemble des Hotels Rautenberghof: "Das hat der Betreiber toll hergerichtet, obwohl er schon die Genehmigung zum Abreißen hatte." Auch wenn Wassel keine Einkaufsmöglichkeit hat - eine Gaststätte gibt es. "Bei Vassi" heißt das griechische Lokal, "unser Grieche" heißt es bei den Wasselern: "Der  Betreiber wohnt schon lange hier und ist bestens integriert", sagt Gellermann. "Und zum Schützenfest singen wir ihm immer 'Griechischer Wein'."

Die Ortschaft

Die Gemeinschaft im Ort funktioniere, sagt Gellermann - nicht zuletzt deshalb, weil es nicht viele Vereine gebe, die miteinander konkurrierten. Zum einen gibt es die Feuerwehr. Auf deren altem Schlauchturm hält ganzjährig ein Rentier Wache - bis es zum Weihnachtsmarkt in leuchtender Pracht erstrahlt. Zum anderen gibt es den MTV Wassel. Von den rund 690 Einwohnern sind dort 600 Mitglieder. "Die Kinder werden schon angemeldet, wenn sie gerade geboren sind", sagt Gellermann. Ob Schützen, Boule, Handball, Bogenschießen oder Kinderturnen: Vieles bündelt sich unter dem Dach des Sportvereins, der seine Halle in Eigenregie gebaut hatte und das zehnjährige Bestehen vom 28. bis zum 30. Juli kräftig feiert. Auch das Schützenfest sei im Gegensatz zu anderen Festen dieser Art stets gut besucht, weil der Festplatz direkt an der Straße liege. "Da halten auch durchfahrende Familien mal an und lassen ihre Kinder einfach eine Runde Karussell fahren."

Der Lieblingsplatz

Einen absoluten Lieblingsplatz in Wassel habe sie nicht, sagt Almuth Gellermann. Und beginnt zu überlegen. "Ich gehe gern zum Ziegenbocksweg raus, bin aber auch gern im Dorfkern. Und in der Küche meines Sohnes mit Blick auf den Kaliberg sitzen hat ebenfalls etwas." Wassel sei eben überall schön. Dafür hegt die Ortsbürgermeisterin einen großen Wunsch: Einen öffentlichen Raum, in dem Fotos und Exponate zur Geschichte der ehemals selbstständigen Gemeinde Wassel ausgestellt werden können. Doch die Sporthalle sei viel zu klein und in der Feuerwehr gäbe es auch keinen Platz dafür. "Es gibt so vieles", sagt sie. So habe ihre Schwiegermutter mit der Kamera, die sie 1938 zur Konfirmation bekam, so gut wie alles, was das Dorf betraf, festgehalten. "Davon nutzen wir auch einiges für den Kalender, in dem wir seit zwei Jahren unter verschiedenen thematischen Aspekten Historie und Gegenwart nebeneinander stellen."

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Von Sandra Köhler

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