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Raubüberfall: Freispruch für den Angeklagten

Sehnde Raubüberfall: Freispruch für den Angeklagten

Freispruch aus Mangel an eindeutigen Beweisen: Ein 43-jähriger Mann aus Uetze, der zuvor mehrere Monate in Untersuchungshaft saß, hat am Montagmittag das Amtsgericht Lehrte als freier Mann verlassen. Ihm war vorgeworfen worden, einen 88-jährigen Mann in Müllingen niedergeschlagen und beraubt zu haben.

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Freispruch im Lehrter Amtsgericht.

Quelle: Symbolfoto/dpa

Müllingen/Lehrte. Richter Robert Glaß war die Unbehaglichkeit anzumerken. Es sprächen „gewichtige Verdachtsmomente“ gegen den Angeklagten, sagte er in seiner Urteilsbegründung. Und möglicherweise sei der 43-jährige Uetzer mindestens „Anstifter oder Mittäter“. Letztlich gelte aber der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“. Und im vorliegenden Fall fehle halt die für eine Verurteilung zu einer Haftstrafe notwendige Sicherheit.

Dass der Uetzer tatsächlich jener Mann ist, der am 14. Dezember vergangenen Jahres den Müllinger Rentner an dessen eigener Haustür mit Fausthieben niedergestreckt und ausgeraubt hat, lasse sich nicht zweifelsfrei beweisen. Der 43-Jährige selbst hatte die Vorwürfe stets abgestritten.

An der Kleidung und im Gesicht des Opfers sowie in dessen Haus fanden sich keine DNA-Spuren des Angeklagten. Es lasse sich auch nicht mehr eindeutig nachvollziehen, wo das Handy des Uetzers an jenem Abend eingeloggt war. Außerdem bestanden bis zum Schluss des Prozesses Zweifel daran, ob der 43-Jährige, der kein Fahrzeug besitzt, am Tatabend überhaupt in Müllingen gewesen sein kann. Der Angeklagte selbst führte Telefonate und Treffen mit Bekannten als Alibi an. Ob es diese Treffen wirklich gab, wurde auch nach den Vernehmungen mehrerer Zeugen nicht deutlich. Diese machten unklare Angaben und erinnerten sich mitunter nur ungenau an mögliche treffen mit dem Angeklagten.

Der Uetzer war ins Visier der Polizei geraten, als er mit einer EC-Karte des Müllingers versucht hatte, an einer Volksbank Geld abzuheben, aber mehrfach eine falsche Pin-Nummer eingab. Die Karte war dem Opfer beim Überfall samt Geldbörse gestohlen worden. Der Angeklagte behauptete jedoch, diese Scheckkarte nicht selbst erbeutet, sondern von einem Bekannten bekommen zu haben.

Dieser 39-jährige Bekannte, ein Mann aus Burgdorf, bestritt am Montag vor Gericht jeden Zusammenhang mit dem Überfall. Es sei auch „Blödsinn“, dass er die EC-Karte weitergereicht habe. Mithin habe er im Dezember vergangenen Jahres den Uetzer gar nicht getroffen.

Beide Männer – der Burgdorfer wie der Uetzer – haben seit Jahren schon Drogenprobleme, sind arbeitslos. Der Burgdorfer gab vor Gericht an, im vergangenen Winter regelmäßig in Lehrte gebettelt zu haben. Und beide hatten vor dem Raubüberfall schon Kontakt mit dem Opfer gehabt. Die zwei Männer hatten für den Müllinger Garten- und Handwerksarbeiten erledigt. Beide wussten wohl auch, dass der herzkranke Senior täglich Besuch von Mitarbeitern eines Pflegedienstes bekam. Genau zu dem Zeitpunkt, als der 88-Jährige auf die Pfleger wartete, klingelte der Räuber an der Tür und versetzte dem Senior beim Öffnen sofort derart heftige Fausthiebe ins Gesicht, dass dieser stürzte und Verletzungen davontrug. Später trat der Angreifer sein Opfer noch und sperrte es in einen Toilettenraum.

Der Senior aus Müllingen hatte ausgesagt, er habe den Schläger wegen dessen vollständiger Vermummung und verstellter Stimme nicht erkennen können. Wohl aber habe er den Uetzer auf den Bildern erkannt, welche die Überwachungskamera in der Volksbank gemacht hatte. Dass der Schläger und der Mann von den Bildern aus der Volksbank identisch sind, ließ sich aber nicht beweisen. Selbst die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer einen Freispruch.

Von Achim Gückel

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