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Rollstuhlbasketball-Workshop baut Vorurteile ab

JVA Sehnde Rollstuhlbasketball-Workshop baut Vorurteile ab

Erfahrungen ganz besonderer Art haben am Wochenende zehn Häftlinge der Justizvollzugsanstalt (JVA) Sehnde gemacht: Sie spielten Rollstuhlbasketball als Nichtbehinderte. „Keiner von ihnen hat zuvor jemals in einem Rollstuhl gesessen“, sagte Sportlehrer Karsten Rehse von der JVA.

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Es kommen spezielle Sportrollstühle zum Einsatz.

Quelle: Katja Eggers

Sehnde. Das Training war Teil eines Workshops, in dem sich die Inhaftierten mit den Themen Behinderung, Inklusion und Integration auseinandersetzten. „Es geht darum, Vorurteile und Berührungsängste gegenüber Menschen mit Handycap abzubauen und für das Thema Behinderung zu sensibilisieren“, sagte Rehse.

Dieser Plan ging auf. Der Workshop kam bei den Gefangenen sehr gut an. „Ich kann mich jetzt viel besser in die Rolle eines Rollstuhlfahrers hineinversetzen, das ist richtig harte Arbeit“, sagte der Inhaftierte Freddy Schubert. Den Umgang mit dem Rollstuhl hatte sich der 58-Jährige schnell angeeignet. Fahren, drehen und bremsen hatten die Teilnehmer zuvor unter anderem mit einem Hütchenparcours geübt. „Man ist aber trotzdem immer versucht, doch mal kurz aufzustehen“, gestand Schubert.

Angeleitet wurden die Häftlinge von zwei erfahrenen Profis des Bundesligisten Baskets 96 Rahden: Trainer Tarik Cajo und Spieler Tan Caglar. Beide sind seit Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Caglar leidet unter einer schleichenden Rückenmarkserkrankung und hatte jüngst bei der Berliner Fashion Week seinen ersten Auftritt als Rollstuhlmodell. Cajo wurde im Bosnienkrieg von Granatsplittern getroffen.

Der Workshop im Gefängnis war auch für die beiden Trainer eine besondere Erfahrung. Etwas befangen wären am Anfang beide Seiten gewesen - sowohl die Gefangenen als auch die Behinderten. „Aber die Vorurteile waren nach wenigen Minuten wie weggeblasen“, sagte Cajo.

Der Rollstuhlbasketball-Workshop war in der JVA eine Premiere. Die Initiative dazu war von dem hannoverschen Verein Partizip für Integrative Medien-, Kommunikations- und Fortbildungsdienste zum Thema Behinderung ausgegangen.

20 Haftzellen sind barrierefrei

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Sehnde verfügt als eine der größten Anstalten des Landes über 534 Haftplätze für erwachsene Männer. Derzeit sind 480 Gefangene aufgenommen. Zehn von ihnen haben eine Behinderung. Zwei sitzen im Rollstuhl, ein Inhaftierter ist nahezu blind. Die restlichen Inhaftierten haben Gehbehinderungen. Das Gefängnis hat Fahrstühle in allen fünf Hafthäusern. Barrierefreie Zellen mit breiteren Türen gibt es laut JVA-Sprecherin Marianne Schmidt auf allen Stationen. Insgesamt verfügt das Gefängnis im Sehnder Schnedebruch über etwa 20 behindertengerechte Zellen. „Aber die sind nie alle belegt“, sagt Schmidt.

von Katja Eggers

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