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Naturschützer kritisieren Ausbau der Kalibahn

Sehnde Naturschützer kritisieren Ausbau der Kalibahn

Das Hannoversche Straßenbahn-Museum (HSM) baut die seit Jahrzehnten stillgelegte Strecke der Kalibahn in Bolzum aus, um sie touristisch zu erschließen - doch an der Art und Weise gibt es im Ort Kritik. Die Region Hannover allerdings bescheinigt dem Verein, sich an die Baugenehmigung zu halten.

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Die Schienen der alten Kalibahn sind im letzten Teil der Strecke fast vollständig überwuchert.

Quelle: Oliver Kühn

Bolzum. Für Unmut sorgen bei Heinrich-Joachim Liehe die Bohrlöcher für die Masten zur Elektrifizierung der Strecke. "Die waren erst offen, da konnten Kleintiere reinfallen und ertrinken", kritisiert der stellvertretende Ortsbürgermeister. Mittlerweile seien die Paletten zwar abgedeckt worden, aber mehr schlecht als recht. Auf der letzten verbliebenen Strecke, die noch saniert werden soll, fielen wichtige Rückzugsgebiete für Wildtiere weg. Zudem sei von einem Bagger Öl ins Erdreich getropft.

Gerhard Lehrke, Vorsitzender des Realverbands Bolzum, bringt noch mehr der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf die Palme. "Die spritzen Mittel, die für uns Bauern verboten sind." Diese könnten in den Kanal oder andere Gewässer laufen. Darüber hinaus seien Büsche, die der Realverband als Ersatzflächen gepflanzt hat, bis auf den Stock abgeholzt worden. "Alles ohne Rücksprache und Beteiligung der Anlieger", moniert Lehrke. "Man sollte die Strecke am besten der Natur überlassen."

Das allerdings geht der Stadt zu weit. "Auch wenn es manchmal Kritik am Ausbau gibt, der Verein ist doch guten Willens", sagt Fachbereichsleiter Godehard Kraft. Die Stadt hat die Kalibahn schon seit 1999 im Flächennutzungsplan abgesichert, weil das touristische Interesse sogar über die Region hinausgeht. Die Region Hannover als zuständige Bauaufsichtsbehörde hat dies auch im Entwurf des neuen Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) übernommen.

Das hatten der Naturschutzbund (Nabu) und die Jagdgemeinschaft Bolzum in ihrer Stellungnahme kritisiert. Darin wird die Feldmark im Süden von Bolzum als bedeutsamer Rückzugsraum für das Wild und Lebensraum sowie Brut- und Laichgebiet etwa für Reptilien, Vögel, Lurche und Insekten charakterisiert. "Beim Ausbau würde dieser Lebensraum mindestens vorübergehend entwertet, wenn nicht gar für immer zerstört", befürchtet Herbert Deters-Eickemeyer vom Naturschutzbund.

Derartige Klagen seien ihm zwar schon öfter zu Ohren gekommen, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann - doch diese könne er nicht bestätigen: "Wir haben keine Verstöße gegen die Baugenehmigung oder andere Auffälligkeiten festgestellt." Die Genehmigung enthalte auch Gehölzrückschnitte.

Der Chef des Straßenbahn-Museums, Mathias Hartmann, kann die Aufregung ohnehin nicht verstehen. Der Einsatz von Unkrautvernichtern sei von der Landwirtschaftskammer genehmigt: "Wir dürften das ganze Jahr sprühen, pausieren aber sogar in der Brut- und Setzzeit." Auch die offenen Bohrlöcher seien eine alte Geschichte. Bei aller Kritik müsse man aber "die Kirche im Dorf lassen". Hartmann vermutet, dass die Bauern darüber verärgert sind, dass das Wild jetzt über ihre Felder statt über die Bahnstrecke wechsele.

Ausbau der Kalibahnstrecke

Seit 2001 baut das Hannoversche Straßenbahn-Museum die mehr als 100 Jahre alte, aber seit Jahrzehnten stillgelegte Kalibahnstrecke nach und nach aus. Vom Museum auf Hohenfels Richtung Stichkanal sind schon rund 1,8 Kilometer geschafft, 800 Meter fehlen noch. Ein Durchbruch zum Kanal sei aber entgegen anders lautenden Gerüchten nicht geplant, sagt der Vorsitzende Mathias Hartmann. "Wir hören 150 Meter vorher auf."

Seit drei Jahren wird die Elektrifizierung der Trasse vorangetrieben, bei der etwa auch gebrauchte Fahrleitungsmasten aus Amsterdam in die Erde gerammt werden - alle 30 Meter einer. Bis zur endgültigen Fertigstellung rechnet der Verein mit Kosten von rund 30.000 Euro. Allein ein Loch für die Masten zu bohren koste 50 Euro, und für Kupferkabel seien schon rund 10.000 Euro angefallen, rechnet Hartmann vor.

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Von Oliver Kühn

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