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Sehnde plant erste Pferdesteuer

Sehnde Sehnde plant erste Pferdesteuer

Damit könnte Sehnde in Niedersachsen vorangaloppieren: Die Verwaltung will als erste Kommune im Land eine Pferdesteuer einführen. Im Rathaus erhofft man sich damit Mehreinnahmen von rund 60 000 Euro. Im Internet formiert sich bereits Protest.

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„Dass muss man sich dann genau überlegen.“ Silke Jorzig-Otto hat für ihre Stute Lanny 5 eine Pferdebox in Bilm gemietet.Kühn

Quelle: Kühn

Sehnde. Nach den Plänen der Stadt könnten im Sehnder Stadtgebiet etwa 300 Pferde mit je 200 Euro im Jahr veranlagt werden. Im Rathaus erhofft man sich damit Mehreinnahmen von rund 60 000 Euro. Hintergrund für die geplante Pferdesteuer ist das Haushaltsdefizit, das sich im nächsten Jahr auf mehr als 3 Millionen Euro belaufen wird. Dann muss eine Kommune ein Haushaltssicherungskonzept erstellen - mit mehr Einnahmen und weniger Ausgaben. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im September eine Pferdesteuer für grundsätzlich zulässig erklärt. Allerdings rechnet die Verwaltung wie bei der Kampfhundesteuer mit Klagen, die die Wirtschaftlichkeit anfangs infrage stellen dürften.

Vor dem Verwaltungsaufwand warnt auch der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund. „Man muss wirklich gucken, ob sich das rechnet“, sagt Geschäftsführer Berthold Ernst. Deshalb kenne er bislang auch keine Kommune in Niedersachsen, die eine Pferdesteuer erhebt. Zudem dürfe nicht jedes Pferd besteuert werden. „Wer beruflich mit Pferden zu tun hat, diese also aus Erwerbsgründen hält, ist von der Steuer ausgenommen.“ Das verhalte sich wie bei einem professionellen Wachhund etwa einer Schließgesellschaft, der ebenfalls von der Hundesteuer befreit sei.

In Reiterkreisen hat sich die geplante Pferdesteuer für Sehnde wie ein Lauffeuer herumgesprochen. „Viele Pferdebesitzer haben nicht so viel Geld und deshalb nur Reitbeteiligungen“, sagt Dietlind Boedecker, Betreiberin eines Reitstalls in Bilm. Sie befürchtet, dass viele Besitzer ihre Tiere verkaufen oder kein neues mehr anschaffen. Aus diesem Grund gebe es in Schleswig-Holstein schon die erste Pferdeklappe. Und es könne Arbeitsplätze kosten. Zudem ärgere sie sich über eine Pferdesteuer, von der sie nichts habe, während gleichzeitig immer mehr Reitwege gesperrt würden.

Auf Facebook haben Besitzer aufgerufen, am Montag, 30. November, in die Finanzausschusssitzung zu kommen, wo das Thema auf der Tagesordnung steht. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Anbau des Rathauses Sehnde, Eingang Nordstraße 19. „Es wäre schön, wenn viele Pferdeleute in Reitkleidung (bitte nicht zu teure) anwesend sein könnten“, heißt es dazu.

Die Stadt Sehnde plant zudem, viele weitere Abgaben wie etwa die Hunde-, Grund- und Gewerbesteuer zu erhöhen.

Von Oliver Kühn und Thomas Böger

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