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Sehnder schreibt über skurrilen Indianerkönig

Sehnde Sehnder schreibt über skurrilen Indianerkönig

Sein Leben würde auch eine Vorlage für einen Abenteuerroman im Stil von Karl May bieten: Orllie Antoine de Tounens ist 1858 von Frankreich nach Chile aufgebrochen, um die Indianerstämme in Araukanien und Patagonien zu einer Nation zu vereinigen und sich dann als deren König ausrufen zu lassen.

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Mit dem Finger in Patagonien: Heinz-Siegfried Strelow zeigt auf dem Globus, wo sich der Held seines Buches im 19. Jahrhundert zum König der Indianer ausrufen lassen wollte.

Quelle: Katja Eggers

Sehnde. Ob der Mann ein armer Irrer oder größenwahnsinniger Visionär war oder seine Staatsgründung etwa die verborgene Unterstützung seitens des Kaisers der Franzosen genoss, können historisch Interessierte und Südamerikafans jetzt im Buch von Heinz-Siegfried Strelow nachlesen. Unter dem Titel „König der Indianer - Das abenteuerliche Leben eines Franzosen in Patagonien“ schildert der Sehnder Historiker und Journalist auf unterhaltsame Weise nicht nur das spannende Leben des überzeugten Bonapartisten, sondern bettet es mit allerlei Daten und Fakten auch in den historischen Zusammenhang ein.

Strelow selbst nennt sein Werk „eine erzählende Geschichtsbiografie“. Auf das Thema ist der 49-Jährige durch Zufall gestoßen. Während einer Reise durch Chile und Argentinien entdeckte er 2003 in einer Buchhandlung Lektüre über den selbst ernannten König und wurde neugierig. In der deutschsprachigen Historiografie war das Leben des Möchtegern-Königs allerdings so gut wie unbearbeitet geblieben. Es existiert nur eine einzige Dissertation aus dem Jahr 1989 dazu. „Bis 1920 tauchte das Abenteuer des Orllie Antoine de Tounens zwar noch in deutschen Lexika auf, geriet danach aber immer mehr in Vergessenheit und beschäftigte lediglich noch chilenische und argentinische Historiker“, berichtet Strelow.

Mit seinem Buch will der Autor diese Forschungslücke in Deutschland nun schließen. Er recherchierte vor allem in Frankreich, ließ sich Lektüre in französischer und spanischer Sprache ins Deutsche übersetzen und besuchte 2007 das Gut seines Buchhelden im französischen Chourgnac. Alles in allem hat Strelow an seinem Buch - mit Unterbrechungen - mehrere Jahre geschrieben. „Das hat mir viel Spaß gemacht und ist für mich zudem ein Ausflug in die exotische Welt gewesen“, sagt er und lacht.

Als Vorsitzender des Heimatbundes Niedersachsen hat Strelow sonst eher mit lokalgeschichtlichen und ökologischen Themen zu tun. „Aber Land und Leute in Südamerika haben mich schon immer gereizt“, sagt der Sehnder. Sein Buch ist im Buchhhandel erhältlich und kostet 19,80 Euro.

Von Katja Eggers

#### Er starb als Nachtwächter ####

Orllie Antoine de Tounens und seine Vision vom Dasein als Herrscher in einem exotischen Land gehören zu den wohl kuriosesten Kapiteln der Geschichte Südamerikas. Der überzeugte Bonapartist ließ sich 1860 von den Mapuche-Indianern in Südamerika zum König von Araukanien und Patagonien proklamieren. Sein neues Reich wollte er unter französisches Protektorat stellen und seine indianischen Untertanen in einem modernen Staat nach französischem Vorbild vereinen. „Der hat denen damals das Blaue vom Himmel versprochen und ihnen Waffen, Schiffe und Logistik zugesagt, und dann haben sie ihn auf den Thron gelassen“, sagt Autor Heinz-Siegfried Strelow. Bei der chilenischen Regierung stieß der „weiße König“ jedoch auf Widerstand. Er wurde verhaftet und 1862 ausgewiesen. 1869 kehrte de Tounens jedoch über die Anden wieder nach Chile zurück und stachelte die Stämme zum Bürgerkrieg auf. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen und de Tounens kehrte nach Frankreich zurück. 1878 starb er kinderlos – nicht als König, sondern als Nachtwächter.

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