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Selbsthilfegruppe will in Sehnde Fuß fassen

Sehnde Selbsthilfegruppe will in Sehnde Fuß fassen

Der Verein Leben mit Alltags-Einschränkungen aus Burgdorf will auch in Sehnde Fuß fassen und eine eigene Gruppe gründen. Der Initiator und Vorsitzende Rainer Hübbe hat seinen Verein jetzt im Sozialausschuss vorgestellt. Dort gab es Wohlwollen, doch viele Forderungen seien auch eine Kostenfrage, hieß es.

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"Lebensqualität trotz Handicap" - das ist das Leitmotiv des Vereins Leben mit Alltags-Einschränkungen.

Quelle: privat

Sehnde. Hübbe ist selbst Betroffener, seit er nach einem Arbeitsunfall vor fünf Jahren schwerbehindert und damit arbeitsunfähig geworden ist. "Ich hatte eine Wirbelsäulenfraktur und bin seitdem mit Rollator unterwegs", sagte der 49-Jährige. Vor einem Jahr hat er in Burgdorf den Verein gegründet, der inzwischen zwölf Mitglieder hat. Auch in Langenhagen gibt es bereits einen Ableger, sogar eine eigene Gruppe für an Diabetes Erkrankte gibt es bereits. Nun will der ehemalige Rettungssanitäter auch in Sehnde eine Gruppe gründen. "Lebensqualität trotz Handicap" lautet das Leitmotiv.

Menschen mit Handicap fänden in der Gesellschaft oft keine Unterstützung, ebenso wenig wie deren Angehörige - auch nicht in der Politik. Dabei gebe es seit zehn Jahren die Behindertenkonventionen der Vereinten Nationen. Das sei aber kein Vorwurf, betont der 49-Jährige: "Das weiß keiner, weil meist niemand betroffen ist." Hübbe äußerte deshalb einen vordringlichen Wunsche, der über allem stehe: "Bitte entscheiden Sie nicht über uns ohne uns."

Ziel des Vereins sei es daher, Betroffene und deren Familien aus ihrer Isolation zu holen. Denn viele fielen nach einem Schicksalsschlag in ein tiefes Loch. Im Verein könnten sie nicht nur Erfahrungen austauschen, sondern auch konkret etwa Rollstuhlfahrern einen defekten Akku bezahlen. "Vielen fehlt dafür das Geld, und sie kommen gar nicht mehr raus", schilderte Hübbe den Fall eines beinamputierten Diabetespatienten.

 Der Verein wollte darüber hinaus Führungen durch Kliniken organisieren, Fachvorträge abhalten, eine Koch- und Computergruppe gründen, Theaterprojekte im Rahmen der Inklusion initiieren und Ausflüge in die Region unternehmen. Dafür sei ein konkretes Projekt in Arbeit: ein Rollstuhl-Bus. "Damit könnten wir Teilnehmer kostenlos zu Treffen oder ihren Familien fahren", erläutert Hübbe. Um auch an Fördertpfe zu kommen, sei deshalb bereits die Gemeinnützigkeit beantragt.

Die Ratsfrau Elisabeth Schärling (CDU) regte in der Sitzung an, mit den Ortsräten mal eine Begehung durch ihre Dörfer zu unternehmen, um problematische Punkte etwa in der Infrastruktur - etwa fehlende Bordsteinabsenkungen - zu erörtern. Ratsherr Wolfgang Toboldt gab jedoch zu bedenken, dass für die Forderungen und Wünsche des Vereins ein grundlegendes Konzept und zudem ein "fester Haushaltstitel", sprich ein eigener Etat im Haushalt, nötig wären. "Das ist ja auch eine Kostenfrage." Als Beispiel nannte er die Ausstattung der Dörfer mit Ampeln - an sogenannte taktile Verkehrszeichen auf dem Boden, die etwa für Sehbehinderte mit einem Stock ertastbar seien, habe dabei bislang noch niemand nachgedacht.

Rainer Hübbe ist unter Telefon (0 51 36) 9 20 23 65, mobil unter (0174) 9 48 91 37 sowie per E-Mail an  lmb-selbsthilfe@web.de erreichbar.

Von Oliver Kühn

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