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Sanierung enthüllt Historie der Bolzumer Kirche

Sehnde Sanierung enthüllt Historie der Bolzumer Kirche

Zerfledderte Tapeten, bröckeliger Putz und Risse in den Wänden: Die St.-Nicolai-Kirche in Bolzum war über die Jahre heruntergekommen. Nun hat die Gemeinde rund 126.000 Euro in die Hand genommen, um ihr Gotteshaus aus dem Jahr 1282 zu sanieren - und dabei allerlei Interessantes zur Geschichte der Kirche erfahren.

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Gerhard Lehrke möchte den alten Sandstein ausarbeiten lassen.

Quelle: Lisa Malecha

Bolzum. Die Kirchengemeinde hatte ein Grundstück verkauft - die Einnahmen daraus fließen nun in die umfangreiche Sanierung. Das alte Gemäuer wurde bereits freigelegt, das Dach isoliert und die Decke erneuert. Nun sollen die Wände verputzt und gestrichen werden, und auch die Orgel wird endlich vom Schimmel befreit und - falls das Geld reicht - auch um zwei Register erweitert. „Hier war es immer feucht, und der Zustand der Kirche wurde immer schlechter“, erläutert Gerhard Lehrke vom Kirchenvorstand weshalb die Maßnahmen notwendig geworden waren. Noch bis Ende September werden die Arbeiten an Bolzums Kirche andauern.

„Da am Mauerwerk sieht man, dass die Kanzel früher seitlich und nicht am Kopf der Kirche gewesen sein muss - und daneben, da erkennt man alte Fenster“, sagt Lehrke, während er von einer Ecke der Kirche auf die andere zeigt. Das, was er gerade über das Bolzumer Gotteshaus und dessen Geschichte erfährt, sei ihm komplett neu - obwohl er seit 46 Jahren im Kirchenvorstand ist. Die für Lehrke spannendste Entdeckung: Unter der Umhüllung der Altarplatte gibt es eine Vertiefung. Laut Restaurator waren dort früher Reliquien platziert. „Das muss noch aus der Zeit vor der Reformation sein“, sagt Lehrke.

Er hofft, dass Experten die unterschiedlichen Steine datieren können. So will er herausarbeiten, wann genau die Kirche erweitert und umgebaut wurde und wie das geschah. „Wenn ich einen Schreiber finde, dann würde ich auch gerne eine Chronik anfertigen lassen“, sagt Lehrke, der weitere Informationen zur Geschichte der Kirche sammelt - unter anderem zu alten Pastoren und zur Entstehung der evangelisch-lutherischen Gemeinde, deren Gründung auf einen gebrochenen Fuß zurückzuführen ist. „Ein gewisser Ludolf hat sich auf dem Weg zur Kirche in Lühnde verletzt“, erzählt Lehrke. Er habe daraufhin versprochen, in seinem Heimatort eine Kirche zu bauen - und das dann auch getan.

Grabstein aus dem Jahr 1678 entdeckt

„Ein Grabstein gehört eigentlich auf den Friedhof, doch früher sahen einige Menschen das wohl nicht ganz so eng“, sagt Gerhard Lehrke vom Vorstand der St.-Nicolai-Kirche Bolzum. So kam es, dass sogar historische Grabplatten entwendet wurden, um damit die Höfe der ortsansässigen Landwirte zu pflastern. Ein solcher Stein wurde nun in Bolzum entdeckt, als ein Landwirt seinen Hof sanieren lies.

Jahrzehntelang lag die Platte unbeachtet auf dem Hof, Menschen liefen über sie hinweg und beschädigten so einen Großteil der Inschrift. Doch einen Namen konnte Lehrke dann doch finden: Nathanael Casenitz, der frühere Pastor des Orts.

Der gebürtige Sarstedter hatte die Pfarrstelle am 5. August 1650 vererbt bekommen und war bis zu seinem Tod 28 Jahre später dort tätig. „Wir wollen den Stein untersuchen lassen. Experten können sicherlich den Rest der Schrift kenntlich machen“, sagt Lehrke, der vor allem ein Geheimnis lüften will: Wer lag außer Casenitz noch in der Gruft des Pastors. „Auf dem Stein steht 'Ruhen in Frieden'“, sagt er. Es müsse also noch mindestens eine weitere Person mit dem Pastor begraben worden sein.

 

 

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Von Lisa Malecha

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