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Gaffer muss 20 Stunden Sozialdienst leisten

Sehnde Gaffer muss 20 Stunden Sozialdienst leisten

Nach dem Großbrand der KGS-Turnhalle in Sehnde hatte die Stadt vier Schaulustige angezeigt, die Rettungskräfte behindert und angepöbelt hatten – ein Novum. Doch die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat das Verfahren eingestellt: Nur ein Gaffer wurde wegen Beleidigung zu 20 Sozialstunden verurteilt.

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Mitten im Einsatzgeschehen hatten vier junge Männer ihr Auto stehen gelassen - eine Behinderung sah die Staatsanwaltschaft aber nicht. Sie ahndete lediglich die Beleidigung einer Rettungskraft.

Quelle: Elsner (Archiv)

Sehnde. Für die Stadt ist die Entscheidung, die sie jetzt schriftlich mitgeteilt bekommen hat, nicht nachvollziehbar. "Wir bedauern das sehr, denn damit hätte ein Zeichen gesetzt werden können", sagt Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke. Die Staatsanwaltschaft sei offenbar der Meinung, dass Einsatzkräfte nicht behindert worden seien. Lehrke, der bei dem Einsatz selbst als Feuerwehrmann aktiv war, sieht das ganz anders.

Die vier jungen Männer seien mit ihrem Auto in die Waldstraße gefahren, um besser Fotos und Videos vom Feuer machen zu können - obwohl dort 255 Helfer mit 30 Fahrzeugen im Einsatz waren. Doch nach der Aufforderung zum Umdrehen hätten die Insassen einfach ihr Fahrzeug verlassen und stehen gelassen und damit sehr wohl die Einsatzkräfte behindert. Lehrke vermutet, dass sich die Männer gegenseitig entlastet haben. Nach dem Brand am 23.  Juni waren zehn Personen als Gaffer in den Fokus geraten. Doch letztlich konnten nur die vier Männer ermittelt werden – Einsatzkräfte hatten sich das Kennzeichen notiert.

So blieb nur der Tatbestand der Beleidigung übrig. Diese konnte offenbar nur einem der jungen Männer nachgewiesen werden, der Rettungskräften nach Angaben aus dem Rathaus den "Stinkefinger" gezeigt und auch verbal gepöbelt hatte. Der Mann muss nun 20 Sozialstunden in einer Einrichtung ableisten - wo, ist allerdings noch offen.

Von der Staatsanwaltschaft Hildesheim waren keine Informationen zu bekommen. Das Verfahren sei eingestellt, sagte eine Sprecherin gestern lediglich. Warum so entschieden worden sei und ob ein Bußgeld verhängt wurde, könne sie nicht sagen. Derzeit liege die Akte bei der Gerichtshilfe und könne nicht eingesehen werden.

Der Kommentar

Richtiges Zeichen gesetzt

Gut so: Endlich ist die Stadt dreisten Gaffern kräftig auf die Füße getreten und hat sie angezeigt. Das ist der richtige Weg, um ein Zeichen gegen den Handy-Wahn an Einsatzorten zu setzen. Umso enttäuschender ist die Einstellung des Verfahrens. Kommunen sollten sich davon aber nicht entmutigen lassen. Der Bundestag will das Vorgehen gegen Schaulustige erleichtern und Strafen verschärfen. Wenigstens wurde ein Gaffer wegen Beleidigung herangezogen – was sich hoffentlich herumspricht, damit Schaulustige vorsichtiger werden. Eine schlechte Figur macht die Staatsanwaltschaft, die ihr Handeln nicht erklären kann.

Von Oliver Kühn

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