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Zwei Jahre auf 
Bewährung für
 Roma-Frauen

Sehnde Zwei Jahre auf 
Bewährung für
 Roma-Frauen

Sie sind am 23. April in Höver in ein Haus eingebrochen, haben Schmuck gestohlen, zwei Zeugen mit Pfefferspray verletzt und einem davon in die Hand gebissen, um sich der Festnahme zu entziehen. Dafür sind zwei junge Frauen aus der ethnischen Minderheit der Roma vom Amtsgericht Lehrte wegen Wohnungsdiebstahls, gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

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Das Amtsgericht Lehrte bescheinigte den beiden Frauen, bei ihrer Einbruchstour skrupellos und mit erheblicher krimineller Energie vorgegangen zu sein.

Quelle: Oliver Kühn

Höver. Damit sind die 18 und
20 Jahre alten Frauen frei und können wieder nach Frankreich zu ihren Familien zurückkehren. „Da können sie dann gleich weitermachen“, raunte eine Zuhörerin nach dem Urteilsspruch. Das wäre aber dumm, wie Richterin Karin Kuhlmann den beiden Frauen mit auf den Weg gab. „Bei der nächsten Tat gehen Sie ins Gefängnis.“

Ein französischer Bewährungshelfer soll das Duo nun in der dreijährigen Bewährungszeit begleiten und auch dafür sorgen, dass die aufgebrummten 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit abgeleistet werden. Dafür müssen sich die Frauen regelmäßig bei der Polizei oder Justiz melden. Das war Richterin Kuhlmann wichtig – denn weil die beiden nur drei Wochen vorher an einem anderen Ort in gleicher Weise vorgegangen waren, könne man „schädliche Neigungen“ nicht ausschließen: „So viel kriminelle Energie bei Frauen ist selten.“ Das Pfefferspray sei „skrupellos“ eingesetzt worden. Auch Jörg Weniger von der Lehrter Jugendgerichtshilfe, der sich für eine Bewährungsstrafe stark gemacht hatte, hatte eine „gewisse kriminelle Energie“ konstatiert.

Eine Bewährungsstrafe sei dennoch ausreichend, weil die Frauen von der fünfmonatigen Untersuchungshaft offensichtlich „beeindruckt“, geständig und nicht vorbestraft seien, sagte die Richterin. Eine längere Haftstrafe würde keinen weiteren erzieherischen Effekt mehr haben. Für die ältere der beiden Angeklagten ist das ein Glücksfall. Sie war schon bei der Tat schwanger und hätte ihr fünftes Kind im Gefängnis zur Welt bringen müssen.

Das Jugendschöffengericht hatte auch nicht auf schweren räuberischen Diebstahl wie Oberstaatsanwalt Martin Dorn erkannt. Mit dem Spray hätten die beiden jungen Frauen nur ihre Flucht und nicht die Beute sichern wollen. „Darüber haben die Frauen gar nicht nachgedacht“, sagte Kuhlmann.

Mit dem Urteil waren wohl auch soziale Aspekte der Roma-Gesellschaft berücksichtigt worden. Die 18 und 20 Jahre alten Angeklagten waren mit 14 verheiratet worden, sind beide mehrfache Mütter, ohne Schulausbildung und Arbeit – und vor allem ohne Rechte in ihren Familien. Und bei den Roma gebe es eine „Diebstahl-Tradition“, hatte Verteidiger Joachim Lederle gesagt. Vermutlich seien sie dazu angestiftet worden.

Tatsächlich war der Bruder mit einem Fluchtauto ebenfalls in Höver gewesen und hatte während der Tat sogar Handykontakt mit seiner Schwester. Außerdem waren die Frauen mit Pfefferspray, Handschuhen und einem Schraubenzieher gut ausgerüstet und hatten vorher geklingelt, um zu sehen, ob jemand zu Hause war. Auch die Ausweispapiere seien gefälscht gewesen. Das alles deutete auf organisierte Einbruchskriminalität hin, war aber letztlich nicht zu beweisen.

Von Oliver Kühn

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