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Weitere 143 Flüchtlinge kommen

Wirringen Weitere 143 Flüchtlinge kommen

Die Flüchtlingswelle bringt die Stadt langsam an ihre Grenzen: 191 Asylsuchende aus 19 Staaten leben bereits in Sehnde, doch seit Dienstag gibt es eine neue Quote: Innerhalb von vier Monaten muss die Stadt weitere 143 Flüchtlinge unterbringen.

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100 Sehnder lassen sich von Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke im Feuerwehrhaus das Konzept zur Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen erklären.

Quelle: Oliver Kühn

Sehnde. Das hat Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke bei einer Einwohnerversammlung mitgeteilt. Das Thema Flüchtlinge treibt auch die Menschen in Sehnde immer mehr um. Rund 100 Sehnder waren am Mittwochabend zur Versammlung gekommen - so viele wie noch nie. Die Veranstaltung im Feuerwehrhaus musste deshalb kurzerhand in die Fahrzeughalle verlegt werden.

Lehrke verdeutlichte die dramatische Entwicklung: Gab es in Sehnde in den Jahren 2010 und 2011 lediglich 19 Asylbewerber, waren es vergangenes Jahr schon 60 und dieses Jahr 127 - und ab Oktober weitere 143. Rund die Hälfte kommt aus den sogenannten sicheren Herkunftsländern vom West-Balkan.

Die neue Quote verstärkt den Druck erheblich, nicht zuletzt aufgrund der immer kürzeren Laufzeit von ursprünglich einem Jahr auf jetzt nur noch vier Monate. Für diese „gravierende Zahl“, so Lehrke, gebe es aber nur noch 37 freie Plätze in Wohnungen. 40 könnten bis Jahresende im Bundessortenamt in Rethmar unterkommen - doch für 60 Flüchtlinge hat die Stadt noch keine Lösung.

Der Bürgermeister appellierte deshalb, Wohnraum anzubieten oder zu vermitteln: „Wir greifen nach jedem Strohhalm.“ Zudem ist die Stadt dabei, das Avacon-Gebäude an der B 65 zu kaufen, wo man etwa 80 Personen unterbringen könnte. Offen ist auch noch die Belegung des früheren Jugendfreizeitheims, für das die Bauabnahme noch fehlt. Das Konzept der dezentralen Unterbringung werde nicht mehr lange durchzuhalten sein, sagte Lehrke. So müsse man sich Gedanken machen, ob man angesichts des bevorstehenden Winters leer stehende Hallen belegen kann: „Das wäre besser als Zelte auf dem Schützenplatz.“

Vergangene Woche waren zwei Familien mit zehn Asylsuchenden aus Albanien im Wirringer Pfarrhaus untergebracht worden - die ersten überhaupt im Ort. Zehn weitere sollen folgen. Dafür soll jetzt das ganze Haus angemietet werden, und nicht nur die ehemalige Pastorenwohnung.

Die 100 Besucher hörten aufmerksam und teils mit besorgten Mienen zu. Offene Kritik an der Asylpolitik und Polemik gab es nicht. Fragen, etwa was eine Flüchtlingsfamilie bekomme (Antwort: so viel wie eine Hartz-IV-Familie, aber ohne Kinder- und Elterngeld) wurden teils mit Murren quittiert. Der Einwand eines anderen, dass die Grenze der Aufnahmebereitschaft erreicht sei und wie es weitergehen solle, dagegen mit offenem Applaus - wie ein Ventil für die schweigende Mehrheit.

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