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Dem Bier wieder Seele und Charakter geben

Sehnde Dem Bier wieder Seele und Charakter geben

Christoph und Stephan Digwa sind unter die Bierbrauer gegangen: Im Gutshof Rethmar ihres Vaters haben die Brüder Sehndes erste Brauerei eingerichtet.

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Zur Probe: Stephan Digwa ( links) und sein Bruder Christoph „zwickeln“ Bier aus dem Gärtank.

Quelle: Katja Eggers

Rethmar. Sehndes erste Brauerei samt Sudhaus, großen Gärtanks und Lager für die Malz- säcke ist in einem Teil des ehemaligen Kornspeichers untergebracht. Christoph (25) und Stephan Digwa (24) lassen dort die alte Handwerkskunst des Bierbrauens wieder aufleben.

„In der Vergangenheit wurde hier vermutlich auch schon Bier gebraut“, sagt Christoph Digwa. Denn die Bewohner des Großen Freien hätten wohl schon im Mittelalter das Privileg zum Bierbrauen gehabt - damals allerdings noch steuerfrei.

Dabei war das Bierbrauen für die Digwa-Brüder anfangs lediglich ein Hobby. „Wir haben schon immer gerne Bier getrunken und sind obendrein experimentierfreudig“, sagt Stephan Digwa. Die ersten Sude entstanden vor neun Jahren noch im Kochtopf am heimischen Herd und waren laut Stephan Digwa „eher ungenießbar“. Nach und nach eigneten sich die beiden Autodidakten aber mehr und mehr Wissen an. Christoph Digwa absolvierte schließlich sogar noch ein Praktikum in einer Jever-Brauerei.

Die erste eigene kleine Brauanlage schweißte Christoph Digwa noch selber zusammen - sie war lange Zeit unter seinem Carport im Einsatz. Vor einem Jahr kauften die Brüder dann eine Sudpfanne für 50 Liter - und das Bier wurde immer besser. Vater Rainer Digwa schlug deshalb vor, es in seiner Gutshof-Kneipe auszuschenken, und richtete seinen Söhnen im Gutshof ein eigenes, zwölf Quadratmeter großes Brauzimmer ein.

Das selbst gebraute Bier kam bei den Gästen blendend an und war immer häufiger ausverkauft. Eine größere Anlage musste her. Mit der neuen 200-Liter-Anlage wurde es in dem kleinen Brauzimmer allerdings schnell zu eng. Die Digwas haben den Raum daher in den vergangenen Monaten in Eigenregie zu einer richtigen Brauerei ausgebaut. Jetzt wird auf 130 Quadratmetern gebraut. Für das nächste Jahr sind 30 000 Liter angepeilt.

Im Sortiment haben die beiden Ingenieure derzeit fünf Sorten: das naturtrübe, hopfig-süffige Rethmar-Pils, das fruchtig-frische Sommer-Pils, das Schwarzbier „Black Mandela“ mit Manderina-Bavaria-Hopfen und das „Drifty Pale Ale“ - trocken im Antrunk und fruchtig im Abgang.

Der sogenannte Weihnachtssud beinhaltet gleich sieben verschiedene Malzsorten, etliche Gewürze wie Koriander und Muskatnuss und obendrein Orangenschalen vom Orangenbäumchen aus dem eigenen Gutshofgarten. „Und vom Nüssereiben über das Flaschenabfüllen bis zum Etikettenkleben ist alles Handarbeit“, betont Christoph Digwa.

Die Brüder wollen kein Einheitsbier, wie es nur allzu oft in der Industrie hergestellt wird. Wichtig seien ihnen hochwertige Zutaten. Dadurch, dass sie in kleinen Mengen produzieren, sind die Digwas flexibel, können auf die individuellen Wünsche ihrer Kunden eingehen und mit Hochzeitspaaren beispielsweise für Feiern im Vorfeld ein ganz persönliches Hochzeitsbier brauen. Was bei der Feier übrig bleibt, wird zum Mitnehmen in Flaschen abgefüllt.

„Unsere Mission ist, dem Bier wieder Seele und Charakter zu geben“, sagt Stephan Digwa. „Denn viele Leute wissen gar nicht, wie groß die Vielfalt beim Bier ist.“

Von Katja Eggers

Neue Brauerei braucht noch einen Namen

Für ihre Brauerei im Gutshof Rethmar haben Christoph und Stephan Digwa viele Ideen: Im Dorfladen Rethmar soll das selbst gebraute Bier demnächst als Sechserträger und in Fässern erhältlich sein, in Flaschen ist es dort bereits zu bekommen. Die Brüder möchten zudem einen alten Hanomag-Trecker wieder flott machen und damit das Bier zu ihren Kunden fahren. Darüber hinaus sind Braukurse und Bierseminare geplant. Im März wird die neue Brauerei offiziell eröffnet. Bis dahin soll sie auch einen Namen haben. Der Arbeitstitel lautet bisher GutsBier Rethmar. „Wir wünschen uns aber einen Namen, der ans Große Freie angelehnt ist“, sagt Christoph Digwa. Damit soll an das Privileg zum Bierbrauen erinnert werden, das die Bewohner des einst eigenständigen Siedlungsraumes seinerzeit genossen. Wer Namensvorschläge machen möchte, kann sich unter Telefon (0170) 3095440 oder per E-Mail an christoph@digwa.de an Christoph Digwa wenden. Der Gewinner der Aktion wird zur Jahresauftaktveranstaltung mit Kabarett am 22. Januar eingeladen.

eg

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