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Flüchtlingsbetreuung: Helfer fordern dringend Hilfe

Sehnde Flüchtlingsbetreuung: Helfer fordern dringend Hilfe

Eine ausufernde Bürokratie, fehlende Ansprechpartner in den Rathäusern, Aggressionen unter den Flüchtlingen: Das sind die größten Probleme, mit denen die ehrenamtlichen Helfer bei der Betreuung von Asylbewerbern zu kämpfen haben. Das wurde bei einem Diskussionsabend mit dem Landespräventionsrat in Sehnde deutlich.

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Wo liegen die Probleme bei der Integration von Flüchtlingen? Darüber haben Erich Marks (von links), Geschäftsführer des Landespräventionsrats, der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch, die Integrationslotsin Hiltrud Schwetje und der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Olaf Kruse mit Ehrenamtlichen diskutiert.

Quelle: Oliver Kühn

Sehnde. „Wie bekommen wir ein gutes Miteinander vor Ort hin?“ Unter diesem Motto hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch mit Erich Marks, Geschäftsführer des Landespräventionsrats, sowie der Integrationslotsin Hiltrud Schwetje und SPD-Fraktionschef Olaf Kruse diskutiert. Rund 60 Zuhörer waren der Einladung gefolgt, darunter Vertreter von Flüchtlingsnetzwerken aus Pattensen, Barsinghausen und Burgwedel sowie der Uetzer Bürgermeister Werner Backeberg.

"Wir hatten eine große Willkommenskultur, aber dann bröckelte es", skizzierte Miersch die Entwicklung. Marks beschrieb zudem die Reibungsverluste zwischen der Betreuer- und der Politikebene: "Einige sind nur noch Helfer, andere sehen nur das große Ganze." Hier müsse ein Ausgleich gefunden werden.

Die Integrationslotsin Hiltrud Schwetje berichtete über die "unglaubliche Bürokratie": "Als ich für einen Flüchtling eine Versicherungsbestätigung für den Arzt brauchte, sagte mir eine Mitarbeiterin, dass sie montags nicht dafür zuständig sei." Auch Renate Grethe von der Sehnder Tafel beklagte sich über fehlende Ansprechpartner im Rathaus: "Wir brauchen aber oft schnell Auskünfte, wie man bürokratische Hürden bewältigen kann." Denn die Versorgung sei nach der Flüchtlingswelle von 70 auf 150 Familien mit 500 Menschen hochgeschnellt. Hinzu komme die Konkurrenz zu anderen Tafelkunden, die denken, dass sie nun weniger bekämen.

Ein Problem seien auch die Aggressionen unter den Flüchtlingen, berichtete Grethe. Oftmals seien diese religiös motiviert. So wie im Fall eines Dolmetschers, der von einer anderen Glaubensgruppe bedroht worden sei und deshalb aufgehört habe. Dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, hat auch Miersch festgestellt. Er erhalte etwa E-Mails, dass sich Frauen nicht mehr allein in die S-Bahn trauten.

Wir brauchen dringend Hilfe und Unterstützung - dieser Appell der Ehrenamtlichen zog sich durch den Abend. Backeberg fand dafür eine prägnante Formel: "Ehrenamt braucht Hauptamt." In seiner Gemeinde würden Ehrenamtliche von Hauptamtlichen auf Honorarbasis unterstützt. Auch das Netzwerk "Lehrte hilft" hat bereits zwei Stellen dafür geschaffen. SPD-Chef Kruse sagte, dass "das Problem bei uns angekommen ist". Schnelle Abhilfe sei aber schwierig, weil der Rat vorher etwa Geld für eine Stelle genehmigen müsse.

Von Oliver Kühn

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