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81-Jähriger muss unbekannte Leitung auf eigene Kosten stilllegen

Springe 81-Jähriger muss unbekannte Leitung auf eigene Kosten stilllegen

Ein Gericht hat angeordnet, dass ein Bagger die Abwasserleitung im Vorgarten von Hans-Dieter Schwieger ausbuddeln muss - und dass er dafür zahlen muss. Aber eine Leitung ist gar nicht vorhanden.

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Vor der Baugrube: Hans-Dieter Schwieger muss die Abwasserleitung entfernen lassen. Das erweist sich als problematisch. Mischer

Holtensen. Die Katastrophe für den heute 81-Jährigen begann mit einem Schreiben der damaligen Samtgemeinde Finie: Als er 1973 sein Grundstück in Holtensen gekauft hatte, sollte er das neu zu bauende Haus an eine bestehende Abwasserleitung anschließen. „Ich habe da aber gar keine gefunden“, sagt Schwieger. Stattdessen hatte er sein Haus an eine andere Leitung angeschlossen - auf Anweisung des damaligen Gemeinde-Direktors, wie Schwieger betont. Das Rohr in seinem Vorgarten aber, das blieb. Und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Denn immer wieder gab es Ärger mit der Leitung.

Zuletzt hatte ihm die Stadt Springe vorgeworfen, Fremdabwasser über das Rohr einzuführen. „Wie soll das denn gehen, wenn ich gar nicht weiß, wo die Leitung ist“, schüttelt Schwieger entnervt den Kopf. Vor sich hat er einen Aktenberg aufgestapelt, offizielle Anschreiben, Gerichtsurteile, Rechnungen. Darin geht es um die ominöse Abwasserleitung.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat Schwieger nun letztinstanzlich dazu verpflichtet, die Leitung zu verschließen, damit kein Fremdwasser mehr in den Hauptkanal gelangen kann. Die Leitung, von der Schwieger nicht weiß, wo sie ist, ist offenbar defekt. Die Kosten für die Bauarbeiten soll er tragen.

Und deshalb steht Dietmar Läbe mit Bagger und drei Mitarbeitern in seinem Vorgarten. Sie haben das Pflaster der Einfahrt hochgenommen, einen Schacht gegraben, von einer Leitung keine Spur. Schwiegers Nachbar, Axel Machinek, kommt gerade vorbei - und bringt einen älteren Plan mit. Auf dem ist die Leitung einige Meter weiter rechts eingezeichnet. Dort ist eine Rasenfläche. Noch. Aber der Bagger rollt schon.

„Ich fühle mich so hilflos und ausgeliefert“, sagt Schwieger. Ihm bleibe keine Wahl, sagt er. Und Läbe vermutet, dass bei den Zeichnungen der Leitungspläne durch die Gebietsreform einiges durcheinander geraten ist. Er rät Grundstücksbesitzern generell dazu, eine Baulast eintragen zu lassen, wenn sie wissen, dass fremde Leitungen durch ihr Grundstück verlaufen. „Ansonsten kann es zu Problemen kommen.“

Läbe weiß aus der Praxis, dass beim Thema Kanal vor der Gebietsreform jede Kommune ihre eigenen Methoden hatte. Nach der Gebietsreform wurden die neuen Pläne oft den neuen Regeln angepasst. Mit den Folgen, die Hans-Dieter Schwieger heute seinen Vorgarten in eine Bauwüste verwandeln. Der 81-jährige Holtenser hofft, dass die Angelegenheit für ihn bald „endlich“ erledigt ist.

Von Ralf T. Mischer

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