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„Mein Kampf“ im Unterricht?

Springe „Mein Kampf“ im Unterricht?

Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ könnte bald zum Unterrichtsstoff an niedersächsischen Schulen werden. Eine neu verlegte und kommentierte Fassung soll auf den Markt kommen.

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Quelle: Afp/Symbolfoto

Springe. Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ könnte bald zum Unterrichtsstoff an niedersächsischen Schulen werden. Eine neu verlegte und kommentierte Fassung soll auf den Markt kommen. Möglich ist das geworden, weil das Urheberrecht ausgelaufen ist. An den heimischen Schulen begrüßt man die Idee.

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sowie Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) sowie Lehrerverbände haben sich für die Nutzung ausgesprochen. „Diesen Vorstoß finde ich richtig“, sagt auch die Schulleiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG), Kerstin Prietzel: „Man darf das Grauen nicht tabuisieren, durch das Werk soll keinesfalls eine Faszination bei den Schülern entstehen.“ In der kommentierten Version sollen Hitlers Behauptungen eingeordnet und auch widerlegt werden.

Ab der zehnten Klasse könnte das Werk behandelt werden - passend zum Lehrplan, der dann das Thema Nationalsozialismus vorschreibt. OHG-Geschichtslehrerin Helgrid Brackemann-Adler meint, durch die Neuerung werde sich im Unterricht nicht viel verändern: „Einige Quellenhefte beinhalten schon Ausschnitte.“ Sie begrüßt die kommentierte Ausgabe. „Es ist besser, sich damit kritisch auseinanderzusetzen, als es zu verbieten.“ Gleichzeitig verstehe sie aber auch die Opfer des Nationalsozialismus, die Schwierigkeiten mit einer Veröffentlichung hätten. „Die Notwendigkeit der Auseinandersetzung und der Diskussion überwiegt aber“, so Brackemann-Adler. Im Internet würden Jugendliche ohnehin Zugriff auf den Text haben. Umso wichtiger sei es, das Thema in der Schule kritisch aufzuarbeiten.

Auch IGS-Schulleiter Frank Kasburg begrüßt die Kommentare: „An geeigneter Stelle kann der Einsatz im Unterricht sinnvoll sein.“ Durch Unwissen würden bei Schülern „schräge Ideen“ entstehen, diesen gelte es, entgegenzuwirken. „Es ist eine Schrift, die Schlimmes bewirkt hat“, sagt Kasburg. Allerdings werde das Buch nicht in seiner Gänze Einzug in den Unterricht erhalten, sagt IGS-Geschichtslehrer Michael Topp. Vielmehr sollen exemplarische Textstellen herausgegriffen werden. „Das Ziel ist es, die Perversion des Denkens aufzuzeigen“, sagt Topp.

An dem Werk könne zum Beispiel die Frage behandelt werden, inwieweit die Menschen von den Verbrechen Kenntnis hatten. Die Diskussion um das Werk sei eine „künstliche“, sagt Topp. „Ich sehe da kein Drama, zumal bereits Reden oder Ausschnitte zum Einsatz kommen.“

In der Springer Stadtbibliothek habe man bereits seit langer Zeit ein Exemplar aus den 1930er Jahren im Bestand. „Wir haben das Buch jedoch im Magazin, das heißt, wenn es jemand haben möchte, muss man vorher fragen“, sagt Leiter Tibor Maxam. Bis Ende vergangenen Jahres mussten Interessierte noch Bedarf anmelden. Mit dem Auslaufen des Urheberschutzes sei dies nicht mehr notwendig. Die Nachfrage sei aber sehr gering: „Ein bis zweimal im Jahr hat vielleicht einmal jemand nachgefragt.“

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