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Ärztezentrum als einziger Ausweg?

Springe Ärztezentrum als einziger Ausweg?

Ende des Jahres läuft die Genehmigung für die Springer Notfallambulanz im Krankenhausgebäude aus. Gut ein halbes Jahr vorher legt die Region jetzt das im Herbst von SPD und CDU geforderte Zukunftskonzept vor. Ergebnis: Aus Sicht der Planer kommt im Grunde nur ein Ärztezentrum infrage - und selbst dafür sind die Hürden nicht eben niedrig.

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Die Notfallambulanz befindet sich im Krankenhausgebäude – doch der Standort gilt für eine Nachfolgelösung als ungeeignet.

Quelle: Mischer

Springe. Das fünfseitige Papier, das am 1. Juni im Regions-Sozialausschuss diskutiert werden soll, stellt zwar grundsätzlich drei Optionen vor. Für zwei von ihnen gebe es aber kaum eine Chance auf Genehmigung, bilanziert die Region.

Das treffe zum Beispiel auf die Notfallambulanz in ihrer heutigen Form zu. Mit sechs stationären Betten wird sie als eine Art Abteilung des Gehrdener Krankenhauses geführt. Das müssten entweder der Krankenhausplanungsausschuss des Landes oder das Sozialministerium (erneut) genehmigen. Jedoch: „Angesichts der zu Grunde liegenden Daten erscheint die Erteilung einer solchen Genehmigung - jedenfalls in unbefristeter Form - (...) unwahrscheinlich“, so die Region.

Zu einem ähnlichen Urteil kommen die Planer bei ihrer zweiten Option: Der Ausschuss könnte dem Gehrdener Krankenhaus erlauben, in Springe eine vertragsärztliche Versorgung sicherzustellen, wenn es dort akuten Bedarf gibt. Das Problem: In Springe gibt es rechnerisch keine Versorgungslücken. Ein solcher Antrag „würde daher offensichtlich kaum Aussicht auf Erfolg haben können“, heißt es in dem Konzept.

Bliebe nur noch Option 3: Die bereits länger diskutierte Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). In einer solchen Einrichtung arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen unter einem Dach zusammen und bieten ambulante Behandlungen an - eine Art Gemeinschaftspraxis mit einer zentralen Verwaltung. Gründen, so die Region, könnten die neue Einrichtung entweder das Klinikum Region Hannover, eine Tochterfirma - oder „theoretisch auch direkt die Stadt Springe“, heißt es in dem Papier. Im Rathaus winkt Bürgermeister Christian Springfeld vorsichtshalber schon mal ab: „Wir machen gerne, was wir können. Aber erst mal ist die Region in der Pflicht. Die haben schließlich das Krankenhaus zugemacht und nicht wir.“ Die Stadt stehe aber in gutem Kontakt mit Region und Kassenärztlicher Vereinigung: Im kommenden Monat seien weitere Gespräche geplant.

Grundsätzlich sieht Springfeld ein MVZ positiv, wenn auch nicht am Standort der jetzigen Ambulanz. „Die Lage ist nicht attraktiv.“ Eine zentrumsnaher Standort sei ihm lieber: Die Patienten würden dann auch mehr Frequenz in die Innenstadt bringen.

Doch auch das neue Zentrum bringt Hürden mit sich. Denn um es analog zur Notfallambulanz rund um die Uhr zu betreiben, braucht man laut Region mindestens drei Zulassungen und fünf Vollzeit-Fachärzte. Problem: Springe ist auf dem Papier überversorgt, die Kassenärztliche Vereinigung hat die Stadt für weitere Zulassungen gesperrt.

Entweder müsste man die benötigten Stellen füllen, wenn aktuelle Fachärzte aufhören - einige von ihnen zumindest erreichen bald die Altersgrenze. Dafür sind aber Verhandlungen nötig. Oder die Mediziner geben ihre bestehende Praxis und Zulassung auf - zugunsten einer Anstellung im neuen MVZ. Ob es hier Interesse gibt, sollen jetzt Gespräche mit Ärzten, Region, KRH und Stadt zeigen. Für andere Sondergenehmigungen sehen die Fachleute wiederum „kaum Aussicht auf Erfolg“. Um Details klären zu können, will man sich jetzt erst einmal um eine Fristverlängerung für die bestehende Ambulanz bemühen - über das Jahresende hinaus. Einen Antrag habe man bereits gestellt, entschieden sei darüber noch nicht.

Automatisch ausgeschlossen?

SPD-Unterbezirkschef Matthias Miersch freut sich zunächst, dass das von ihm angemahnte Konzept endlich vorliegt. Wichtig sei jetzt, dass sich Regions- und Stadtpolitik auf eine Variante einigten, die dann „mit voller Kraft und einer Stimme“ unterstützt werde. Schließlich gelte es auch, Land und Kassen zu überzeugen. Dass die Region alles außer ein MVZ für kaum machbar hält, sei nicht automatisch ein Ausschlussgrund: Die Kassen etwa hätten auch die Ambulanz zunächst abgelehnt.

Von Christian Zett

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