Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 4 ° Regen

Navigation:
Aufregung über Wisent-Abschuss in Brandenburg

Springe/Alvesrode Aufregung über Wisent-Abschuss in Brandenburg

Die Fassungslosigkeit, ist dem Chef des Wisentgeheges anzumerken - auch Tage nach dem Vorfall im brandenburgischen Lebus: Dort hatten die Behörden einen frei lebenden Wisent erschossen, der aus Polen über die Grenze nach Deutschland gewandert war.

Voriger Artikel
BBS Springe feiert 125-jähriges Bestehen
Nächster Artikel
Dorfkulturerbe feiert Dreijähriges

Ein Wisent im Wisentgehege: In Brandenburg wurde jetzt ein wild lebender Bulle erschossen.

Quelle: Archiv

Springe. Begründung der Verantwortlichen: Gefahr im Verzug. Für den heimischen Wisentgehege-Chef Thomas Hennig ein Unding: „Es hätte so viele andere Möglichkeiten gegeben.“ Zum Beispiel: die Betäubung des Tiers. „Das ist heutzutage kein Hexenwerk mehr“, sagt Hennig. Er selbst habe bereits gut 400-mal eins der Tiere narkotisiert. Dass von dem Wisent in Lebus tatsächlich Gefahr ausgeht, kann sich der Experte kaum vorstellen. Der Bulle habe dort gegrast, sei umhergelaufen. Dabei könne höchstens mal ein Koppelzaun kaputtgehen. Natürlich sei es theoretisch auch denkbar, dass der Wisent auf die Straße läuft - aber akut sei diese Gefahr in dem Fall nicht gewesen: „Wir haben so viele Jahre nach dem Fall von Bär Bruno nichts dazugelernt“, beklagt Hennig.

Seit Tagen stehe sein Telefon im Büro nicht still, viele Mitstreiter aus ganz Deutschland und Europa meldeten sich bei ihm, sagt Hennig. „Die Kollegen in Polen arbeiten, wie auch wir seit Jahrzehnten daran, diese Tierart zu erhalten und nach der Ausrottung durch Menschen, wieder in der Natur zu etablieren“, schrieb er schon in einer ersten Reaktion bei Facebook. Bei dem getöteten Tier habe es sich aber nicht um eines aus dem Springer Wisentgehege gehandelt: „Unsere ausgewilderten Wisente leben im Südosten Polens, an der Grenze zur Ukraine.“

Doch auch die Herde, aus der der erschossene Bulle stammt, sei ihm gut bekannt: Das Tier selbst sei für viele Polen in der Gegend eine Art Maskottchen gewesen, nach der Art von Eisbär Knut.

Der zuständige Amtsdirektor in Lebus habe es versäumt, sich die nötige Beratung zu holen, bevor er den Abschuss des Wisents beschlossen hatte. Schließlich handele es sich auch um eine bedrohte Art. Aus Hennigs Sicht hat sich der Mann womöglich sogar strafbar gemacht: Schließlich habe es sich um ein Wildtier gehandelt: „Da ist niemand für verantwortlich.“

Bei Facebook schließt Hennig seine Ausführungen mit deutlichen Worten: „Dass Blei in Deutschland dann die einzige Lösung ist, ist traurig. Ich schäme mich gegenüber unseren polnischen Wisentfreunden für unsere Behörden.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Debatte wurde beendet
Die Debatte zu diesem Artikel ist beendet. Auf HAZ.de können Sie die Themen des Tages diskutieren – hier finden Sie die aktuellen und vergangenen Themen im Überblick.
Mehr aus Nachrichten
Springe – Stadt am Deister

An der Deisterpforte liegt das 30.000-Einwohnerstädtchen Springe. Fachwerk, Jagd und Tiere: Kommen Sie mit auf eine fotografische Reise durch die Deisterstadt.