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Bienen leiden unter der Kälte

Bennigsen/Springe Bienen leiden unter der Kälte

Es ist ein Jahrzehnt-Frühling, wie es ihn seit 20 Jahren nicht mehr gegeben hat, sagt Imkerin Karen Lau. Ihre Bienen verstecken sich vor Wind und Kälte in ihren Stöcken - und der Honig? „Fehlanzeige.“ Wegen des schlechten Wetters befürchten die heimischen Imker nur geringe Erträge.

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Imkerin Karen Lau füttert ihre Bienen mit Honig, um sie nicht sterben zu lassen.Foto: Mischer

Springe. „Das Problem in diesem Jahr ist, dass noch Frost dazukam. Das heißt, zahlreiche Blüten sind erfroren“, weiß Lau. Weil die Vorräte der Bienen bereits aufgebraucht sind, muss Lau ihre Völker mit Honig füttern, um sie nicht verhungern zu lassen. „Ich gebe ihnen das zurück, was ich vergangenes Jahr geerntet habe - für Berufsimker ist das natürlich hart.“ Anders als bei Wildbienen könne den Honigbienen immer noch geholfen werden, indem sie Nahrung bekommen. „Die Natur ist da strenger.“

Für die Insekten optimal seien Temperaturen um die 15 Grad Celsius - viel wichtiger sei aber Windstille. „20 Grad und Wind ist eine ganz schlechte Kombination“, weiß die Expertin. Sobald sich das Wetter allerdings bessert, könnten die Honigbienen spontan und flexibel auf die Wärme reagieren und ausfliegen. „Nur ist bis jetzt keine Besserung in Sicht.“

Lau rät, für die Tiere gut zu sorgen, sie in den Völkern warm zu halten und keine neuen Zargen in den Kästen aufzusetzen.

Auch der Bennigser Imker Bernhard Jaesch konnte noch keinen Honig ernten. Noch hat er die Hoffnung aber nicht aufgegeben. „Wir ernten hier meist erst Ende Mai, Anfang Juni - bis dahin ist noch etwas Zeit, und die Wetterlage kann sich schlagartig ändern.“ Doch nicht nur das kalte Wetter macht den Imkern zu schaffen: Etwa 10 Prozent der Völker überleben den Winter im Normalfall nicht - dieses Jahr ist hat es Jaesch besonders schwer getroffen: Von seinen 35 Völkern sind lediglich zwei übrig geblieben: „Das tut richtig weh.“

Aus der Nähe von Freiburg musste er sich daher neue Völker zulegen. „Die Bienen haben dieses Jahr in Süddeutschland erstaunlich gut überwintert“, weiß der Bennigser. Vom Zufüttern will Jaesch aber noch Abstand nehmen. Anfang April hätten seine Bienen bereits reichlich gesammelt und so ausreichend Reserven gebildet. Generell sei das Trachtangebot im Deister sehr hoch: „Das liegt hier vor allem an dem vielen Raps.“ Damit das Angebot hoch bleibt, hofft Jaesch, dass sich die Landwirte auch in Zukunft an die Richtlinie halten, keine Pilzmittel gegen Ungeziefer einzusetzen - das würde den Insekten schaden. „Zum Glück ist bisher da aber noch nichts passiert.“

Fast die gesamte Frühtracht verpassten die Insekten allerdings wegen der Kälte, flogen nicht aus und sammelten daher keinen Nektar. „Das zieht eine ganze Kaskade nach sich“, weiß Naturexperte Rudolf Krause. Dieses Jahr habe er das Gefühl, die Wetterlage sei noch extremer als in den vergangenen Jahren. „Der Kälteschock ist vielen Pflanzen nicht bekommen - und das wird sich auf alles auswirken.“ Gibt es weniger Pollen, sterben zahlreiche Insekten - das wirkt sich auch auf die Vögel aus, weil sie zu wenig Nahrung haben.

Saskia Helmbrecht

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