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Brutal zusammengeschlagen - Wer war’s?

Bennigsen Brutal zusammengeschlagen - Wer war’s?

Wer ihn im Januar vergangenen Jahres auf dem Bennigser Bahnsteig zusammengeschlagen und schwer am Kopf verletzt hat, wird ein 24-jähriger Mann aus Emmerthal wohl nie erfahren.

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Bennigsen. Weder er selbst, noch einer der vier weiteren Zeugen konnten jetzt vor Gericht einen Täter ausmachen. Ein 24-jähriger Bennigser, der wegen gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank saß, wurde von Richterin Mandy Urbschat freigesprochen.

„Wer war es?“, fragte Richterin Urbschat das Opfer, das derzeit eine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Sehnde absitzt und in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurde. Er könne keine genauen Angaben dazu machen, erklärte der 24-Jährige kurz und bündig. Den Angeklagten, der ihn nach einer gemeinsamen Zugfahrt aus Hannover nach Bennigsen derart mit Fäusten malträtiert haben soll, dass er neben einem Schädel-Hirn-Trauma diverse Gesichtsfrakturen davontrug, erkannte er jedenfalls nicht als Angreifer wieder.

Bereits zum zweiten Mal beschäftigte sich das Gericht mit der Misshandlung des Emmerthalers, der der ersten Verhandlung im April als Hauptbelastungszeuge ferngeblieben war. Aus diesem Grund musste Urbschat die Verhandlung damals aussetzen (wir berichteten). Auch die Lebensgefährtin des Opfers, die bei der Attacke zusehen musste, war nicht zum Prozess erschienen. Der Versuch, sie nun zum neuen Verhandlungstermin durch die Polizei vorführen zu lassen, misslang. Die Frau sei nicht aufzufinden, erklärte die Richterin. Bei der Polizei soll die Frau nach der Tat folgendes ausgesagt haben: Sie habe gehört, wie jemand aus einer Gruppe junger Männer heraus dem Angreifer zurief, er solle aufhören: „Du schlägst ihn ja sonst tot.“ Dabei sei ein Vorname gefallen, den auch der junge Angeklagte trägt. Das sei ein Indiz, mehr aber auch nicht, erklärte Richterin Urbschat.

Keiner der vier weiteren Zeugen, die alle aus dem nächtlichen Zug in jener Nacht in Bennigsen ausgestiegen waren, hatte etwas von der Attacke gegen den Emmerthaler mitbekommen. Lediglich über das, was sich vor der Tat in der S-Bahn abgespielt hatte, konnte am ersten Verhandlungstag ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma ausführlich berichten. Er konnte sich an das Opfer gut erinnern. Der Mann sei stark alkoholisiert gewesen, habe gepöbelt und sogar Fahrgäste angespuckt. Schließlich habe er den Mann und seine ebenfalls stark betrunkene Freundin umsetzen müssen.

In das Geschehen eingemischt habe sich auch eine Gruppe junger Männer, aus der einer aggressiv aufgetreten sei. Der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes informierte schließlich die Polizei, die den Betrunkenen am Bennigser Bahnhof in Empfang nehmen sollten. Weil die Beamten aber noch nicht am Gleis waren, versuchte er noch, das spätere Opfer vom Aussteigen abzuhalten. Dort sei nämlich auch die Gruppe der jungen Männer ausgestiegen. Doch seine Warnungen verhallten, das betrunkene Pärchen habe sich nicht abhalten lassen. Der Zeuge beobachtete noch, dass die jungen Männer den Bahnsteig verlassen wollten, als er den Betrunkenen rufen hörte: „Komm doch her!“ Dann fuhr sein Zug in Richtung Springe weiter.

Der Angeklagte schwieg während der Verhandlung. Richterin Urbschat begründete den Freispruch des Mannes so: „Ich weiß nicht, wie es gewesen ist.“ Sie habe berechtigte Zweifel, dass der Angeklagte der Täter sei.

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